Ferngesteuertes Implantat macht Pillen obsolet

Implantat: Dieses ist nur so groß wie eine Traube (Foto: houstonmethodist.org)

Immense Vorteile vor allem für chronische Erkrankungen wie Arthritis, Diabetes oder Herzleiden

Houston (pte/25.06.2019/10:30) Patienten mit chronischen Krankheiten wie Arthritis, Diabetes oder Herzleiden könnten laut einer Studie des Houston Methodist http://houstonmethodist.org eines Tages ohne Tabletten auskommen. Medikamente werden bei diesem neuen Ansatz planmäßig über ein traubengroßes Implantat verabreicht, das ferngesteuert ist.

Festgelegte Dosierungen

Den Forschern ist es bereits gelungen, erfolgreich kontinuierlich vorher festgelegte Dosierungen von zwei Medikamenten gegen chronische Krankheiten zu verabreichen. Dafür wurde ein sogenanntes Nano-Channel-Delivery-System (nDS) eingesetzt, das über Bluetooth ferngesteuert wurde. Das Gerät ermöglicht die Freisetzung von Medikamenten ohne Pumpen, Ventile oder eine Energieversorgung. Manche Patienten sollen bis zu einem Jahr ohne eine Nachfüllung auskommen. Die Technologie wird 2020 auf der Internationalen Raumstation getestet.

Die in „Lab on a Chip“ veröffentlichten Ergebnisse weisen die Machbarkeit bei der Verabreichung von Medikamenten gegen rheumatoide Arthritis und Bluthochdruck nach. Sie werden häufig zu bestimmten Tageszeiten oder basierend auf den Bedürfnissen der Patienten in unterschiedlichen Dosierungen eingesetzt. Laut dem korrespondierenden Autor Alessandro Grattoni soll dieses universelle Wirkstoffimplantat ein Teil der Zukunft der Erneuerung des Gesundheitswesens sein.

Mikrochip steuert Freigabe

„Manche Medikamente gegen chronische Krankheiten sind am wirksamsten, wenn sie in den Nachtstunden verabreicht werden. Das ist für die Patienten bei oral verabreichten Wirkstoffen unangenehm. Dieses Gerät könnte den Umgang mit der Krankheit erleichtern und verhindern, das seine Medikamentengabe versäumt wird, da eine medizinische Fachkraft die Behandlung fernsteuert“, so Grattoni. Das batteriebetriebene Implantat enthält einen Mikrochip, der Bluetooth-fähig ist und basiert auf drahtloser Kommunikation.

Um zu beweisen, dass die Technologie funktioniert, wurde der Chip für drei verschiedene Einstellungen zur Medikamentenfreigabe programmiert: Standard, verringert und erhöht. Bei jeder Einstellung wurde eine bestimmte Spannung auf einen Nanokanal aus Silizium angewendet, der im Inneren des Implantats für die Kontrolle der Freisetzung des Medikaments zuständig ist. Die Forscher hoffen, dass dieses System für die Behandlung von Patienten via Telemedizin durchsetzt. Damit würde sich nicht nur die Lebensqualität verbessern, sondern auch eine Kostensenkung im Gesundheitssystem bei vielen Erkrankungen erreichen.

Karin Eder
Über Karin Eder 334 Artikel
Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, Advanced Practice Nurse, Lehrerin für Gesundheits- und Krankenpflege, Leitung Bereich Gerontologie und Validation im Ausbildungszentrum des Wiener Rotes Kreuzes GmbH.

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