Facebookgruppe „Pflege Professionell – Pflege Changer“: Pflegelehre 2021

(C) M.Dörr & M.Frommherz

Am 2./3.01.2021 wurde in der Facebookgruppe „Pflege Professionell – Pflege Changer“ folgende Fragestellung diskutiert: „Die Pflegelehre kommt, ob wir wollen oder nicht. Ich denke, da brauchen wir nicht zu diskutieren. Welche Ideen haben wir innerhalb der Gruppe, um daraus trotzdem das Beste zu machen? Wegignorieren können wir die jungen Menschen, die dieses Jahr in die Ausbildung gehen werden, nicht. Ideen?“ Angeregt wurde die Diskussion von Markus Golla, Studiengangsleiter für GuK am IMC Krems.

Von den 348 Mitgliedern der Gruppe aus den unterschiedlichsten Settings nahmen 71 Leute an der Diskussion teil. In 130 Kommentaren lassen sich folgende Ergebnisse darstellen:

Das Alter der jungen Menschen, die als Lehrlinge in der Pflege ausgebildet werden sollen, wird mehrheitlich als problematisch gesehen. Jugendliche in diesem Alter befinden sich in einer sehr intensiven und fordernden Lebensphase und haben oft eine völlig falsche Vorstellung über das Berufsbild. Eine Kollegin, die an Berufsorientierungstagen Schnuppervormittage anbietet, berichtet, dass sie diese immer wieder abbrechen musste, weil Jugendliche überfordert waren, manchmal sogar kollabierten. Lediglich eine Kollegin sagte, dass diese Situation für Jugendliche auch eine Bereicherung sein könnte. In einigen Posts bezogen sich Kolleginnen und Kollegen auf ihre langjährige Erfahrung und meinten, dass diese Ausbildung seitens der Praxis machbar sei. Alle Mitglieder in dieser Gruppe waren sich aber einig, dass es auf den Abteilungen jemanden brauche, der oder die diese Jugendlichen in der Lehre begleitet. Eine Stärkung der Praxisanleitung halten alle für wichtig und schon lange für notwendig. Ein Post sprach sich dafür aus, keine Anlaufstelle auf den Stationen anzubieten und appellierte an die Verantwortung jeder/s Pflegenden, eine Aufgabe, die mangels Ausbildung und Zeitressourcen nicht machbar sei, annehmen zu wollen. Daraus entstand auch ein kurzer Dialog, der darin endete, dass man Aufgaben eben aufgezwungen bekäme und man nun das Beste daraus machen sollte, um im Dialog zu bleiben.
Es wurde auch gepostet, dass sich der ÖGKV als Berufsverband eindeutig gegen eine Pflegelehre ausgesprochen hat. Ein kurzer Austausch war dann auch jener um die Wertigkeit bzw. Ernsthaftigkeit der Pflege, wenn es der Politik doch möglich ist, Einwände einfach zu ignorieren. Hier lässt sich ein wichtiger Ansatzpunkt für die Wertschätzung der Pflege herausarbeiten.
Mehrheitlich aber beschäftigten sich die Kommentare mit der Notwendigkeit der Stärkung und Aufwertung der Praxisanleitung. Es ist höchste Zeit, dass die Praxisanleitung als eigener Dienstposten etabliert wird. Auch die Ausbildung zum/r Praxisanleiter/in wird erwähnt – ein einheitliches Curriculum mit fundierten pädagogischen Kompetenzen als notwendig erachtet. Unisono wird festgehalten, wie wichtig die Stärkung dieser Rolle ist und auch Pflegende, die jetzt in der Praxisanleitung tätig sind, betonen diese Wichtigkeit gleichermaßen. Schon jetzt gibt es verschiedene Möglichkeiten und Niveaus, den Pflegeberuf zu erlernen. So sehen sich die Kolleginnen und Kollegen in der Praxisanleitung mit einer Vielfalt an Ausbildungszielen, Beurteilungsbögen und Persönlichkeiten konfrontiert und betonen, dass mit einer weiteren Ausbildungsform und einem wesentlich jüngeren Einstiegsalter ein dringender Bedarf an der Stärkung ihrer Rolle besteht. Die duale Ausbildung in der Pflege stellte man nicht in Frage, ein Kollege erwähnte in seinem Post die Möglichkeit, die praktische Ausbildung extern zu begleiten um die Kolleginnen und Kollegen an den Abteilungen zu entlasten. Nebenher könne man diese verantwortungsvolle Aufgabe nicht erfüllen und befürchtet, dass junge Menschen „verheizt“ werden.

Abschließend lässt sich feststellen, dass dieses Thema eine hohe Resonanz gefunden hat und rege diskutiert wurde. Über eine Lehre in die Pflege einsteigen zu können, wird einheitlich sehr kritisch gesehen und bedarf jedenfalls einer intensiveren Betreuung, die die Praxis in der jetzigen Organisation nicht erfüllen kann.

Christine Schweisser
Über Christine Schweisser 1 Artikel
DGKP mit der Sonderausbildung in Intensivpflege, Bachelor in ANP, langjährige Berufserfahrung in den verschiedensten Bereichen und Settings. Derzeit tätig am Unispital Zürich

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen