Europäischer Hämatologenverband: Ist die RELEVANCE-Studie relevant?

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Stockholm (ots/PRNewswire) – Chemoimmuntherapie (R-Chemo)-Induktion gefolgt von Rituximab als Erhaltungstherapie ist der Behandlungsstandard für bisher unbehandeltes, symptomatisches follikuläres Lymphom (FL). Lenalidomid ist ein Mittel zur Immunregulierung mit sich ergänzenden Mechanismen bei Kombination mit Rituximab (d. h. R2). RELEVANCE ist der erste randomisierte Phase-III-Überlegenheitsvergleich zwischen dem immunregulierenden Arzneimittelregime R2 und der Standard-R-Chemo, gefolgt von einer Rituximab-Erhaltungstherapie, bei bisher unbehandelten Patienten mit fortgeschrittenem und behandlungsbedürftigem FL. 1030 Patienten wurden im Verhältnis 1:1 randomisiert und insgesamt 120 Wochen lang behandelt. Die Studie hatte 2 primäre Endpunkte: komplette Remission (CR/CRu) nach 120 Wochen und progressionsfreies Überleben (PFS; erste Zwischenanalyse bei 50 % der Ereignisse). Beide Gruppen hatten vergleichbare Baseline-Charakteristika. Die Überlegenheit von R2 im Vergleich zur R-Chemo wurde für keinen der beiden Endpunkte etabliert. Nach einer medianen Nachsorgezeit von 37,9 Monaten war die CR/CRu nach 120 Wochen bei beiden Gruppen (R2 vs. R-Chemo) vergleichbar (48 % vs. 53 %) und die 3-Jahres-PFS-Raten lagen bei 77 % vs. 78 %. Die Gesamtüberlebensraten nach 3 Jahren waren für beide Gruppen mit 94 % gleichermaßen hoch. Die Sicherheitsprofile waren jedoch unterschiedlich für R2 und R-Chemo. Bei R-Chemo trat eine hochgradigere (3/4) Neutropenie (34 % vs. 50 %) und fiebrige Neutropenie auf (2 % vs. 6 %), und bei R2 wurden hochgradigere (3/4) dermale Reaktionen (7 % vs. 1 %) beobachtet. Zweite Primärtumore wurden für 7 % der R2-Patienten und 9 % der R-Chemo-Patienten berichtet und die unerwünschten Ereignisse vom Grad 5 lagen bei beiden Gruppen bei 1 %. Zusammenfassung: RELEVANCE ist die erste randomisierte Phase-III-Vergleichsstudie zwischen R2 und der Standard-R-Chemo, gefolgt von einer Rituximab-Erhaltungstherapie, bei bisher unbehandelten Patienten mit FL. Die Wirksamkeit war bei R2 und R-Chemo vergleichbar, die Sicherheitsprofile waren jedoch unterschiedlich. Diese Ergebnisse belegen, dass R2, ein neuartiger Ansatz zur Immunregulierung, eine potenzielle Erstlinienbehandlung für behandlungsbedürftige FL-Patienten darstellt.

Europäischer Hämatologenverband: aktuelle Informationen zu bb2121, einer vielversprechenden Therapie für Patienten mit stark vorbehandeltem rezidivem

Die Anti-BCMA CAR T-Zelltherapie bb2121 führte nachweislich zu erheblicher Aktivität bei stark vorbehandelten Patienten mit multiplem Myelom (MM). Aktualisierte Ergebnisse von 43 Patienten nach fünfmonatiger Nachsorge zeigen, dass bb2121 allgemein weiterhin gut toleriert wird und Patienten mit fortgeschrittenem MM sehr gut und dauerhaft auf die Therapie ansprechen. Das mittlere PFS (progressionsfreies Überleben/progression-free survival) lag bei den 18 Patienten in der Kohorte mit ansteigender Dosis, die aktive Dosen erhielten, bei 11,8 Monaten. Eine allgemeine Ansprechrate (ORR/overall response rate) von 96 % wurde bei 22 Patienten gemeldet, die mit >150 × 106 CAR T-Zellen therapiert wurden. Zusätzlich wurde eine beispiellos hohe Rate für die negative minimale Resterkrankung (MRD, minimal residual disease) beobachtet: Die MRD war bei 100 % der bewertbaren Teilnehmer negativ. Eine vergleichbare Aktivität wurde bei Patienten mit Myelom mit geringer BCMA-Expression (<50 %) im Vergleich zu Myelomen mit hoher BCMA-Expression (>=50 %) beobachtet (ORR von 100 % gegenüber 91 %). Die Ergebnisse dieser andauernden Studie dienen zur Information für die globale Phase-II-Pivotalstudie (KarMMaTM) bei Patienten mit rezidivem/refraktärem MM, die zurzeit in Nordamerika und Europa Teilnehmer aufnimmt.

Europäischer Hämatologenverband: Eisen – ein zweischneidiges Schwert, wenn es um Entzündungen geht

Eisen ist ein grundlegendes Element für mehrere biologische Funktionen, in erster Linie zur Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff. Dies erfolgt über das eisenhaltige Häm-Molekül in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Eisen spielt jedoch auch wichtige Rollen bei Entzündungen und Infektionen: Einerseits wird Eisen für die ordnungsgemäße Funktion des Immunsystems gebraucht, andererseits fördert aber ein Überschuss an Eisen das Wachstum von Mikroorganismen.

Makrophagen sind unentbehrliche Zellen für das angeborene Immunsystem. Sie haben zwei wichtige Aufgaben: 1.) Entfernung alter Erythrozyten aus dem Blut und Speicherung des aus den Hämen gewonnenen Eisens; 2.) Abtöten („Fressen“) von Krankheitserregern wie Bakterien, Viren und Pilzen. Daher sind Makrophagen sowohl für den Eisenstoffwechsel als auch für den Schutz vor Infektionen unentbehrlich.

Mehrere pathologische Zustände werden mit einer übermäßigen Eisenansammlung in den Makrophagen in Verbindung gebracht, darunter transfusionsabhängige Anämie (wobei die Makrophagen die transfundierten Erythrozyten entfernen), Sichelzellkrankheit und Anämie (mit intravenösen Eisenpräparaten behandelt) bei denen sich freies Häm bzw. Eisen in den Makrophagen ansammelt.

Das Forschungsziel war herauszufinden, ob die Eisenanhäufung bei diesen drei verschiedenen Erkrankungen zur Entzündung der Makrophagen und zur Produktion entzündlicher Moleküle führt, sowie Analyse der Konsequenzen. Wir kamen zu dem Ergebnis, dass Transfusionen Entzündungen unterdrücken. Dadurch können Transfusionspatienten anfälliger gegenüber schweren Infektionen sein, was letztendlich zu Organversagen führt. Dagegen verursachen freies Häm und Eisen Entzündungen in den Makrophagen, die sich während einer Infektion noch verschlimmern. Dies führt zu chronischen Entzündungen und Gewebeschäden bei Sichelzellpatienten sowie mit Eisentherapie behandelten Patienten.

Wir kamen zu dem Schluss, dass unterschiedliche Formen von Eisenansammlungen in Makrophagen (Erythrozyten vs. freies Häm und Eisen) bei verschiedenen Erkrankungen gegensätzliche Auswirkungen auf Entzündungen haben. Unsere Daten weisen darauf hin, dass Moleküle, die Eisen binden können, durch die Regulierung dieser Prozesse therapeutisch auf diese Erkrankungen wirken.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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