Es ist wieder einmal Zeit für ein Covid19 Kommentar

„Covid 19 und Stationäre Aufnahme“
Ja, es gibt auch geimpfte Personen auf den Covid19-Stationen. Ja, es gibt auch geimpfte Personen auf den Intensivstationen. Ja, es ist leider auf den unterschiedlichsten Covid-Stationen anders. Da gibt es welche mit primär Ungeimpften und andere mit einer Durchmischung. Nein, es gibt (nach meines Wissens) keine Intensivstation auf der es ausschließlich Geimpfte gibt. Was lernen wir daraus: Uns fehlen einfach noch wissenschaftliche Daten, damit wir Aussagen „global“ verallgemeinern können.
„Covid 19 und Ansteckung/Verlauf“
Nein, die Impfung schützt nicht 100% vor einer Ansteckung. Nein, nicht jeder bekommt automatisch einen schlechten Verlauf.
Nein, es gibt keine Garantie einen asymptomatischen Verlauf zu haben. Nein, wenn man die Krankheit 1x gehabt hat, kann man sie trotzdem noch einmal bekommen. Ja, ein gutes Immunsystem hilft immer unterstützend, ist aber keine Garantie, dass man es nicht bekommt. Nein, es gibt noch keine 100% Lösung zu kaufen. Nein, wir wissen nicht 100% das die Impfung das Ende der Pandemie ist, aber es ist ein Ansatz und was ist nochmal die Alternative?
„Covid 19 und das Gesundheitssystem“
Ja, das Gesundheitssystem war schon vorher kaputt und ist trotzdem eines der besten Versorgungssysteme, welches sich andere Länder wünschen würden. In nur wenigen Ländern bekommt man „kostenfrei“ den Service, den wir in Österreich haben. In anderen Ländern bekommt man nicht einmal eine künstliche Hüfte ab einem gewissen Alter, etc. Die Frage ist, ob „alles für jeden und immer“ eine Leistung ist, die wir uns als Gesellschaft noch leisten können. Die Überlastung ist NICHT, weil so viele Leute Covid19 Versorgung brauchen, sondern weil wir mit jedem Patienten, der eine intensivere Betreuung braucht, eventuell einen anderen Patienten nicht mehr versorgen können. Kommen auf einmal zu viele, haben wir ein Versorgungsproblem. Damit werden OPs verschoben, etc. Und wenn man Schmerzen oder Angst hat, weil eine OP am Start ist und es terminlich verschoben wird, weil man es überleben wird, bedeutet dies trotzdem Angst oder Schmerz für eine längere Zeit. Das bereits seit Jahren zu Tode gesparte System, hat nun eine jahrelange Mehrfachbelastung und die Rechnung kommt noch.
„Covid19 und LongCovid“
Long Covid PatientInnen brauchen eine monatelange Behandlung/Betreuung. Diese Menschen können auch oft monatelang nicht arbeiten gehen = Auch die Wirtschaft wird unter diesem Phänomen massiv leiden (Unabhängig von den Schäden). Hier kommt eine zusätzliche neue Mehrbelastung aufs System zu, die wir noch gar nicht richtig abschätzen können und (meiner Meinung nach) genauso heftig ist, wie Covid19 selbst. Menschen leiden hier an unterschiedlichsten Schäden, Symptomen etc. Der Virus spielt sich nicht nur mit den Gefäßen, sondern mit einer Vielzahl an Organen oder Gewebsarten. Was das bedeutet, ist auch noch nicht erforscht und man darf „gespannt“ sein.
„Covid19 und es trifft nur die Alten/Kranken“
Wie erkläre ich es dann den Personen in meinem Freundeskreis/Bekanntenkreis, die 18-50 sind, sportlich und gesund lebend? Viele von ihnen haben/hatten LongCovid, kämpfen noch immer mit den Symptomen bzw. Wirkungen. Was darf ich denen sagen? Pech gehabt? Lotto 6er? Du bist was besonderes? Du bist eine Ausnahme, gratuliere? Diese generalisierte Dauerhypothese hinkt einfach.
„Covid19-AnhängerInnen“ (Sic!)
LeugnerInnen, EsoterikerInnen oder „Ich bin einfach dagegen“-Personen gab es schon immer. Hinzu kommt das unser System auf Narzissmus und die Egoschiene aufgebaut ist. Wir werden von Volkschulbeginn an trainiert, dass materielle Werte, wichtiger sind als Gemeinschaft, Deutsch/Mathematik/Englisch essenzieller ist als Empathie/Gemeinschaftsdenken und wundern uns dann, dass wir in einer Gesellschaft von Egomanen leben. Pfeif auf die anderen, Pfeif auf die Umwelt: America first? Blödsinn! ME First!
Und nun stehen wir vor den Früchten dieser Kultur. Menschen wollen sich nicht einschränken, Menschen sehen Wirtschaft wichtiger als Gesundheit der Allgemeinheit. Wer Multimorbid, krank, behindert oder alt ist, der hat sein Recht auf Unterstützung verwirkt. Nur die Starken kommen durch, das ist eben die Auslese der Natur. Das Problem an der Sache ist, wir im Gesundheitswesen denken (zumeist) nicht so. Wir pflegen auch die EgoistInnen, die Reichen und die Armen, die „Nicht zu Überzeugenden“, die EsoterikerInnen und die LeugnerInnen, egal wie unbequem diese Menschen in der Behandlung sind. Da haben wir in der Pflege übrigens schon Übung. Man nennt diese Menschen schlicht „Noncomplient“ und wir versuchen jeden Tag aufs neue durchzudringen. Nein, nicht jeder von uns. Einige resignieren schon seit Jahren, andere beginnen nun in der Pandemie diesen Weg zu gehen. Trotzdem weisen wir niemanden ab, egal wie dumm die Situation ist. Ja, es gibt auch LeugnerInnen in der Pflege und in der Medizin, warum auch nicht. Berufszugehörigkeit schützt nicht vor Angst, Zweifel, Skepsis, Dummheit, Esoterik oder schlechter Erziehung. Ich werde diese Menschengruppe trotzdem nicht Covidioten nennen. Jeder hat der Recht auf seine/ihre Meinung, auch wenn sie für andere Menschen gefährlich ist. Aber die Geschichte lehrt uns, dass wir eine präpotente Gattung sind. Selbst wenn wir nicht mehr da sind, wird die Erde ihre Überlebensstrategien besitzen und der Mensch tut alles Mögliche hierzu, damit der „Virus Mensch“ irgendwann die „Lymphozyten der Erde“ erleben wird oder die Weltkugel einfach diesen Virus übertaucht.
FAKT ist…
…es ist eine Pandemie. Mittlerweile mit 5 Millionen Toten auf Platz 7 der Todeslisten der Pandemien. Unser einziges Glück ist es, dass HIV (36 Millionen Tote) nicht über die Luft übertragbar ist/war. Dann bräuchte es keine Diskussion über Covid19. Ja. Pest und die spanische sind auf der Highscore-Liste Vorreiter, aber Covid schummelt sich Stück für Stück nach oben. Die „normale Grippe“ ist übrigens weit darunter.
…es gibt derzeit außer die Impfung noch keine Lösungen und auch diese ist „nur“ ein guter Ansatz. Aber auf jeden Fall ein Ansatz der bei anderen Erkrankungen bereits geholfen hat. Oder haben wir diese Infektionen bereits vergessen?
… jeder sollte Abstand halten, eine Maske tragen, Hygiene einhalten, sich regelmäßig PCR testen lassen: Die Geimpften und die Ungeimpften.
Es ist eben eine Zeit der Entbehrung, die fällt uns ALLEN nicht leicht und vielleicht nutzt der eine oder andere diese Phase, um über sein/ihr Leben ein wenig nachzudenken. Vielleicht ist dies ja die Chance vom Ego/Narzissmus-Trip runter zu kommen.
Und bevor hier jemand seinen Senf dazu gibt: Es gelten nur Antworten, die eine Alternative Lösung anbieten, bei der weniger Leute sterben oder leiden, wir mit weniger Long-Covid rechnen müssen
Und wenn uns die Echsenmenschen der Fernsehserie „V“ weltweit übernommen haben, die Reichen mit uns „Tribute von Panem“ oder „Squid Game“ spielen oder uns die Maschinen a la „Matrix“ oder „Terminator“ übernommen haben, werde ich natürlich über mich selbst lachend in den Ruinen stehen und mir denken „Na gut, haben die anderen recht gehabt. Oarger Sch….“ aber solange mir niemand die Kinder unter dem Central Park zeigt, mir eine Echse vorstellt…..
Was für mich nicht verständlich ist
Ich habe einen Führerschein und ich fahre regelmässig mit dem Auto. Ich traue mich sogar zu behaupten kein schlechter Fahrer zu sein. Wenn mein Auto etwas hat, dann fahre ich zur/zum AutomechanikerIn oder lasse mich vom ÖAMTC abschleppen, wenn dies nicht mehr möglich ist. Die/der MechanikerIn wird mir dann mitteilen, was sie/er tun muss, dass mein Auto wieder funktioniert. Wenn die meisten AutomechanikerInnen bei meinem Auto einer Meinung sind, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass es so ist, sehr hoch. Wenn es zu meiner Automarke vielleicht sogar noch offizielle Statements von ÖAMTC, Hersteller, usw. gibt nehme ich diese ernst. Warum sollten auch die unterschiedlichsten ExpertInnen-Gremien eine globale Hyundaiverschwörung planen, um so ????? Was nochmal ???
Wenn es nötige Umbauarbeiten am Haus geben sollte, hole ich mir eine/n InstallateurIn, BauarbeiterIn, wenn es zu komplex ist eventuell sogar eine/n BauherrIn. Diese Personen haben die notwendigen Fachausbildungen, damit Sie mein Auto richten oder unser Haus in Stand setzen. Dafür sind sie jahrelang in die Ausbildung gegangen und sind ExpertInnen in ihrem Gebiet. Wenn die meisten InstallateurInnen, BauarbeiterInnen, BauherrInnen bei unserem Haus einer Meinung sind, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass es so ist, sehr hoch. Wenn es vom Konsumentenschutz noch offizielle Statements zu Baumaterialien gibt, nehme ich diese ernst. Warum sollten auch die unterschiedlichsten HerstellerInnen, HandwerkerInnen eine globale Hausumbauverschwörung planen, um so ????? Was nochmal ???
Wenn mir etwas komisch vorkommt, dann frage ich so lange nach, bis ich es verstanden habe. Ein/e gute/r ExpertIn wird sich die Zeit nehmen, mir Sachen zu erklären.
All diese Menschen haben eine entsprechende Ausbildung genossen.
Seit 2 Jahren diskutieren die unterschiedlichsten ExpertInnen, mit Menschen die keine adäquate Ausbildung zum Thema haben. Diese Menschen haben sich Jahre oder Jahrzehnte mit ihrem Thema auseinandergesetzt und Forschung studiert. Seit 2 Jahren diskutiere ich (ja ich habe ein 5jähriges Studium mit 300 ECTS im Bereich Forschung im Bereich Gesundheitswesen absolviert und studiere weiterhin in dieser Richtung) mit FriseurInnen, PR Coaches, KellnerInnen, etc. über den Wahrheitsgehalt von Forschung, einige meinen sogar, es handle sich um eine Weltverschwörung. Wenn ich einmal keine Antwort weiß, sehe ich in den wissenschaftlichen Datenbanken der Welt nach, wie die Lage ist oder mache ein „ExpertInneninterview“ mit jemanden, die/der eine entsprechende Ausbildung hat. Und so wie die/der AutomechanikerIn regelmässig vorweisen kann, dass sie/er Autos wieder in Stand gesetzt hat, so zeigen Wissenschaftlerinnen mit anerkannt internationalen Publikationen von Forschungsergebnissen, dass sie in diesem Bereich kompetent sind.
Zieht man diese „Geschichten“ auf die Covid19 Situation zusammen, lässt sich hier die schlechte Hypothese bilden: „Es braucht auf dieser Welt weder eine adäquate Ausbildung zu einem Thema, noch eine nachweisbare Kompetenz, die entsprechend anerkannt ist. Jeder kann also alles.“ Eine andere Hypothese wäre aber auch „Mittlerweile sind so viele Leute von sich selbst eingenommen, dass rationelles logisches Denken ausverkauft ist.“
Welche der beiden Hypothesen nun der Wahrheit näher liegt, dass wird uns nur die Zukunft zeigen. Ich werde aber weiterhin mein Auto in einer Autowerkstatt reparieren lassen, meine Hausbaufragen mit ExpertInnen klären und auch meine Gesundheitsfragen mit entsprechenden wissenschaftlich anerkannten Forschungsergebnissen beantworten, denn dafür habe ich ein entsprechendes Studium absolviert.
Ich GLAUBE also noch immer an den Wert von (AUS)BILDUNG!

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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