Erkältung durch Plazenta auf Fötus übertragbar

Schnupfen: Erkältung bereits im Mutterleib übertragbar (Foto: pixelio.de, jeger)

Neue US-amerikanische Untersuchung weist im Labor erstmals diesen Zusammenhang nach

New Orleans (pte/04.12.2019/06:00) Gewöhnliche Erkältungsviren können Zellen, die von menschlichen Plazentas stammen, infizieren. Das haben Forscher der Tulane University http://tulane.edu nachgewiesen. Somit könnte es möglich sein, dass sich die Infektion von der Mutter auf das ungeborene Kind überträgt. Laut Forschungsleiter Giovanni Piedimonte liegt damit ein erster Beweis für die Möglichkeit einer derartigen Infektion vor.

Infektionen weitergegeben

Ist eine Frau während der Schwangerschaft erkältet, so kann sich das Virus auf den Fötus ausbreiten und eine pulmonale Infektionen bereits vor der Geburt verursachen, schätzt Piedimonte. Während der Schwangerschaft versorgt die Plazenta den Fötus mit Nahrung und filtert gleichzeitig mögliche Krankheitserreger aus. Diese Barriere erweist sich jedoch als nicht so undurchdringlich wie bisher angenommen. Neuere Studie haben bereits nachgewiesen, dass auch Viren wie Zika die Abwehrmechanismen der Plazenta durchdringen können.

Für die aktuelle Studie haben die Forscher aus gespendeten Plazentas die drei häufigsten in ihren vorkommenden Zellarten isoliert: Cytotrophoblasten, Fibroblasten des Stromas und Hofbauer-Zellen. Sie setzten sie im Labor dem Respiratorischen Synzytial Virus (RSV) aus, das einen Schnupfen auslöst. Die Cytotrophoblasten unterstützten die eingeschränkte Vermehrung des Virus. Die beiden anderen Zellarten waren jedoch deutlich anfälliger für eine Infektion.

Infizierte Zellen sterben nicht ab

Die Hofbauer-Zellen überlebten und ermöglichten es dem Virus, sich in den Zellwänden zu vermehren. Da diese Zellen innerhalb der Plazenta aktiv sind, glaubt man, dass sie als eine Art Trojanisches Pferd agieren und das Virus auf den Fötus übertragen. Laut Piedimonte sterben diese Zellen nicht ab, wenn sie infiziert werden. Gelangen sie in den Fötus, so lassen sie sich dem Forscher nach mit Bomben vergleichen, die mit dem Virus geladen sind. „Sie übertragen es aber nicht, indem sie explodieren, sondern über Kanäle zwischen den Zellen.“

Die Wissenschaftler vermuten vor diesem Hintergrund, dass das RSV-Virus das Lungengewebe des Fötus angreifen könnte. Die verursachte Infektion könnte bei den ungeborenen Kindern dazu führen, dass sie in der Kindheit anfälliger für Asthma sind. Piedimonte plant bereits eine klinische Studie zur weiteren Erforschung dieses Zusammenhangs. Die Forschungsergebnisse wurden in „PLOS ONE“ veröffentlicht.

Karin Eder
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Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, Advanced Practice Nurse, Lehrerin für Gesundheits- und Krankenpflege, Leitung Bereich Gerontologie und Validation im Ausbildungszentrum des Wiener Rotes Kreuzes GmbH.

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