Epidemiologie des Post-COVID-Syndroms nach Krankenhausaufenthalt mit Coronavirus: eine retrospektive Kohortenstudie

2. Februar 2021 | Covid19 | 0 Kommentare

Untersuchungen der Leicester University und des britischen Office for National Statistics (ONS) zeigen weitere besorgniserregende Ergebnisse. Die Studie ist noch im Peer-Review Verfahren, wurde aber schon auf der medrxiv-Webseite vorpubliziert. 

Einleitung: Die Epidemiologie des Post-COVID-Syndroms (PCS) ist derzeit nicht definiert. Wir quantifizierten die Raten organspezifischer Beeinträchtigungen nach der Genesung nach einem Krankenhausaufenthalt mit COVID-19 im Vergleich zu denen in einer passenden Kontrollgruppe und wie sich das Ratenverhältnis (RR) je nach Alter, Geschlecht und ethnischer Zugehörigkeit ändert.

Methode: Beobachtungsstudie, retrospektive abgestimmte Kohortenstudie.

Setting: NHS-Krankenhäuser in England.

Stichprobe: 47.780 Personen (Durchschnittsalter 65 Jahre, 55% Männer) im Krankenhaus mit COVID-19, die bis zum 31. August 2020 lebend entlassen wurden, wurden den Kontrollen der demografischen und klinischen Merkmale angepasst.

Outcomemessung: Rückübernahme in Krankenhäuser, Gesamtmortalität und Diagnose von Atemwegs-, Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel-, Nieren- und Lebererkrankungen bis zum 30. September 2020.

Ergebnisse: Die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug 140 Tage für COVID-19-Fälle und 153 Tage für Kontrollen. In COVID-19-Fällen wurden 766 (95% -Konfidenzintervall: 753 bis 779) Wiederaufnahmen und 320 (312 bis 328) Todesfälle pro 1.000 Personenjahre beobachtet, 3,5 (3,4 bis 3,6) bzw. 7,7 (7,2 bis 8,3) Mal höher , als in Kontrollen. Die Raten von respiratorischen, Diabetes- und kardiovaskulären Ereignissen waren in COVID-19-Fällen mit 770 (758 bis 783), 127 (122 bis 132) und 126 (121 bis 131) Ereignissen pro 1.000 Personenjahre ebenfalls signifikant erhöht. Die RRs waren bei Personen im Alter von <70 als ≥ 70 Jahren und in ethnischen Minderheitengruppen höher als in der weißen Bevölkerung, wobei die größten Unterschiede bei Atemwegserkrankungen beobachtet wurden: 10,5 [9,7 bis 11,4] für <70 Jahre gegenüber 4,6 [4,3 bis 4,8] für ≥ 70 Jahre und 11,4 (9,8 bis 13,3) für Nicht-Weiß gegenüber 5,2 (5,0 bis 5,5) für Weiß.

Diskussion: Personen, die nach COVID-19 aus dem Krankenhaus entlassen wurden, sind im Vergleich zu den Hintergrundwerten mit einer erhöhten Rate an Funktionsstörungen mehrerer Organe konfrontiert, und der Anstieg des Risikos ist weder auf ältere Menschen beschränkt noch ethnisch einheitlich. Die Diagnose, Behandlung und Prävention von PCS erfordert eher integrierte als organ- oder krankheitsspezifische Ansätze. Dringende Forschung ist erforderlich, um Risikofaktoren für PCS zu ermitteln.

Über die AutorInnen: Alle Autoren haben das einheitliche Offenlegungsformular des ICMJE unter www.icmje.org/coi_disclosure.pdf ausgefüllt und erklären: Keine Unterstützung der Organisation für die eingereichten Arbeiten; Keine finanziellen Beziehungen zu Organisationen, die in den letzten drei Jahren ein Interesse an den eingereichten Arbeiten haben könnten. KK ist Vorsitzender der Ethnicity Subgroup der Independent Scientific Advisory Group für Notfälle (SAGE), Mitglied von Independent SAGE, Treuhänder der South Asian Health Foundation (SAHF) und Direktor des Zentrums für ethnische Gesundheit schwarzer Minderheiten der Universität Leicester ;; und AB ist ein Treuhänder der SAHF und hat von AstraZeneca ein Forschungsstipendium erhalten, das nichts mit der aktuellen Arbeit zu tun hat.

Finanzierung: Es gab keine externe Finanzierung für diese Studie.

Originalstudie: Epidemiology of post-COVID syndrome following hospitalisation with coronavirus: a retrospective cohort study
Daniel Ayoubkhani, Kamlesh Khunti, Vahé Nafilyan, Thomas Maddox, Ben Humberstone, Sir Ian Diamond, Amitava Banerjee
medRxiv 2021.01.15.21249885; doi: https://doi.org/10.1101/2021.01.15.21249885

Autor:in

  • Christine Schweisser

    DGKP mit der Sonderausbildung in Intensivpflege, Bachelor in ANP, langjährige Berufserfahrung in den verschiedensten Bereichen und Settings. Derzeit tätig am Unispital Zürich