Einsatz von Informationsfilmen und Internetportalen in der pflegebezogenen Patientenedukation

Digitalisierung - Digitale Medien
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Der Einsatz digitaler Medien auch zur pflegerischen Patienten- und Familienedukation hat gerade unter dem Einfluss der Corona-Krise eine neue Bedeutung und Dringlichkeit erhalten. Das Internet stellt zudem eine Unmenge von Informationen zur Verfügung. Die Einordnung, ob angebotene Informationen seriös und für bestimmte Themen sinnhaft erscheinen, fällt nicht nur Ratsuchenden häufig schwer. Auch professionell Pflegende, die in ihrem Setting beraten, stehen diesbezüglich oft alleine dar. Um sie dabei zu unterstützen, wird hier ein mögliches Schema zur Bewertung von „Informationsfilmen für Patienten und Angehörige“ vorgestellt.

Information bereithalten

Information ist die häufigste Strategie in der pflegebezogenen Patientenedukation. Hierzu zählen: gezielte Mitteilungen, kurze Gespräche, Bereitstellung vielfältiger Medien, Adressenvermittlung und Recherchehilfen. All diese Strategien helfen Patient*innen und Angehörigen sich zurecht zu finden, sich auf eine neue Lebenssituation mit einer Erkrankung oder Pflegebedürftigkeit einzustellen.  Da die „Aufklärung“ z.B. über eine Erkrankung noch immer eine ärztliche Domäne ist, tun sich Pflegende hier schwer. Sie vermuten rechtliche Unklarheiten, was meist jedoch unnötig ist (Köpke & Meyer 2011). Aufklärung ist ein fester Bestandteil von Information.

Es ist davon auszugehen, dass die Bedeutung von filmischen und zunehmend auch interaktiven Beratungs-, Schulungs- und Informationsmedien im Gesundheitswesen weiter zunehmen werden. Pflegende sollten ihre Expertise und Sichtweise sowohl in der Erstellung als auch im Einsatz von qualitätsgeprüftem Medien einbringen. Grundsätzlich ist der Einsatz von Filmen eher im Bereich Information und Schulung weniger im Feld der Beratung angezeigt.

Internet: Jede/r Pflegende sollte relevante und empfehlenswerte Internet-Seiten und auch Apps mit den wichtigsten Diagnosen aus dem täglichen Arbeitszusammenhang kennen und diese Empfehlungen an Betroffene weitergeben können. Viele Betroffene nutzen Gesundheitsportale (Büker & Sunder 2017). Dabei ist es wichtig, seriöse Seiten von Werbung zu unterscheiden, mehrere Konzepte helfen bei der Beurteilung – z.B. Gütesiegel (Afgis, Hon-Code, Medisuch, Stiftung Gesundheit etc.). Empfehlenswerte Seiten sind z.B. www.gesundheitsinformation.de, www.krankheitserfahrung.de, www.patienten-information.de oder die Angebote der Deutschen Krebshilfe (www.krebshilfe.de oder www.krebsinformationsdienst.de).

Informationsfilme

Der Einsatz von Filmen in der Patienten- und Familienedukation bietet einige Vorteile. So können mit Filmen Menschen erreicht werden, die z.B. für schriftliche Medien eher nicht zugänglich sind. In Filmen können komplexe Situationen gut dargestellt werden. Darüber hinaus können Filme wiederholt abgespielt werden, Szenen erneut betrachtet werden.  Nicht zuletzt sprechen Filme durch die Verwendung von Bildern, Sprache und häufig auch Musik unterschiedliche Ebenen an. Visuelle Reize werden anders verarbeitet als auditive oder verbale Informationen. Dadurch soll die Behaltenswahrscheinlichkeit erhöht werden (Nieding et al. 2015).  Menschen werden zudem nicht nur kognitiv sondern auch emotional angesprochen. Neben „Fachfilmen“ eignen sich auch Spielfilme oder TV-Dokumentationen für den Einsatz in der Patientenedukation.

Das im Folgenden vorgestellte Bewertungsschema wurde in erster Linie für „Informationsfilme für Patienten und ihre Angehörigen“ entwickelt.  Darunter werden Filme verstanden, die hergestellt wurden, um gezielt Informationen zu vermitteln. Dies schließt beispielsweise Werbefilme ein, Spielfilme jedoch aus (Schieron 2017). Durch die Bewertung anhand objektivierbarer Kriterien, kann die Einschätzung, ob sich ein Film für den Einsatz in der Patienten- und Familienedukation eignet, leichter getroffen werden. Folgende Kriterien, die aus verschiedenen Analyserastern (Stegert 1993; Kuchenbuch 2005; Korte 2010; Kocks et al. 2014) herausgefiltert wurden, erscheinen hilfreich:

  1. Kurzangaben (Titel, Herstellungsjahr, Hersteller etc.)
  2. Inhalt (Worum geht es?)
  3. Wer ist Adressat*in des Films? (Patient*innen, Angehörige etc.)
  4. Sind die Informationen fachlich korrekt? (wie authentisch ist das Dargestellte? – soweit einschätzbar)
  5. Sind die im Film eingesetzten Mittel verständlich? (Handlungsaufbau nachvollziehbar? Inszenierung verständlich? Bildqualität in Ordnung? Ton verständlich oder ablenkend –Musik?)
  6. Welche Aussageabsicht/Botschaft/Grundhaltung hat der Film? (alltagsunterstützend? expertenorientiert? ressourcenorentiert? etc. / ist die Intention der Herstellenden – z.B. Information? Werbung? – klar und deutlich oder eher versteckt?)
  7. Werden Wege aufgezeigt? (Wie geht es nach dem Anschauen weiter?)
  8. Abschließende Bewertung (Geeignet? Wenn ja: generell oder für bestimmte Situationen?)

Bei den hier vorgesellten Kriterien handelt es sich nicht um eine abschließende oder endgültige Aufstellung. Vielmehr ist der dargestellte Bewertungskatalog ein Versuch, in der Patienten- und Familienedukation Tätige bei der Auswahl von angebotenen Filmen zu unterstützen.

Literatur:

  • Büker, C. & Sunder, N. (2017): Patientenedukation per Mouse Click – Onlineberatung als neue Aufgabe für die Pflege. IN: Sektion BIS: Beraten, Informieren, Schulen. Ausgewählte Beiträge der Sektionsarbeit. Sonderheft der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft e.V. Duisburg. S. 44 – 56.
  • Kocks, A. / Abt-Zegelin, A. (2014). Informationsfilme für Patienten und Angehörige. In: Padua 9 (4), 244-247
  • Köpke S./Meyer G. (2011): Vom „Schweigegelübde“ in der Pflege. „Das darf ich Ihnen nicht sagen, fragen Sie den Arzt!“ In: Pflegezeitschrift: Stuttgart: Kohlhammer Verlag. 64(5): S. 307
  • Korte, H. (2010). Einführung in die systematische Filmanalyse. 4. neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Berlin: Erich Schmidt
  • Kuchenbuch, T. (2005). Filmanalyse – Theorien. Methoden. Kritik. Wien, Köln, Weimar: Böhlau
  • Nieding, G. / Ohler, P. / Rey, G.D. (2015). Lernen mit Medien. Paderborn: Schöningh
  • Schieron, M. (2017). Beurteilungskriterien für den Einsatz von Informationsfilmen in der pflegebezogenen Edukation – eine Diskussionsgrundlage. In: Segmüller, T. (Hrsg.). Beraten, Informieren und Schulen. Duisburg: Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft (DGP) e.V., S 35-43
  • Segmüller, T. (Hrsg./2015): Beraten, Informieren und Schulen in der Pflege – Rückblick auf 20 Jahre Entwicklung, Mabuse Verlag, Frankfurt
  • Stegert, G. (1993). Filme rezensieren in Presse, Radio und Fernsehen. München: TR-Verlagsunion
Tanja Segmüller
Über Tanja Segmüller 1 Artikel
Prof. Dr. Tanja Segmüller; Gesundheits- und Krankenpflegerin; Pflegewissenschaftlerin (MScN, BScN); Professorin für Alterswissenschaften, Department of Community Health, Hochschule für Gesundheit, Bochum; Arbeitsschwerpunkte: Pflegende Angehörige, Gesundheitsversorgung älterer & pflegebedürftiger Menschen im Quartier, Patientenedukation; tanja.segmueller@hs-gesundheit.de

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