Ein Plädoyer für Auszubildende in der Pflege

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Jedes Jahr starten sehr viele motivierte Menschen mit der Ausbildung in die Pflege. In Österreich findet dies an diversen Ausbildungseinrichtungen statt um die unterschiedlichsten Qualifikationsprofile zu erlangen. Alle Auszubildenen in der Pflege haben dieselbe Intention diesen Weg zu bestreiten. Sie alle möchten gemeinsam mit Menschen arbeiten und diese bei der Erfüllung ihrer Bedürfnisse, auf der gesamten Lebensspanne, in diversen Settings unterstützen. Die Motivation, die Freude und das Streben nach neuem Wissen ist in den Lehrräumen spürbar. Die Spannung, die Neugier und die Freude auf das erste Praktikum ist bei allen Auszubildenen vorhanden. Die Lehrpersonen bereiten die Auszubildenden bestmöglich auf die Praxis vor. Bei vielen Auszubildenden verstärkt sich dieses positive Gefühl im Praktikum, die Freude und die Motivation für diesen Beruf unter anderem auch deshalb, weil die Praktikumsstellen hervorragende Arbeit leisten. Die Aufnahme ins Team, die wertschätzende Kommunikation und die kompetente Anleitung von pflegerischen Tätigkeiten sind wesentliche Erfolgsparameter. Dabei spielt jede einzelne Pflegeperson vor Ort eine wesentliche Rolle im Lernerfolg der Auszubildenden.

Trotz aller positiven Erlebnissen in der Praxis, häufen sich die negativen Erfahrungen insbesondere bei den Studierenden. Häufig müssen Lehrende Krisengespräche führen, um den Berufsstand der Pflege ins rechte Licht zu rücken. Studierende müssen sich teilweise Tag täglich in der Praxis für die Akademisierung der Pflege rechtfertigen. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie nicht am Bett arbeiten wollen, dass sie es auch nicht können, da sie in ihrer Ausbildung kaum praktischen Inhalte erlernen. Ohnehin würden sie nicht in der Praxis bleiben wollen, da sie nach dem Studium eine Leitungsposition anstreben. All diese Anschuldigungen sind schlichtweg nicht korrekt. Es ist teilweise beschämend, dass sich die Studierende für ihre Ausbildung an den Fachhochschulen rechtfertigen müssen. Die Studierenden berichten, dass sie teilweise verschweigen von einer Fachhochschule zu kommen, um keine Nachteile zu erleben und nicht in die Rechtfertigungsrolle gedrängt zu werden.

Sie gehen mit der gleichen Grundintention – für und mit den Menschen zu arbeiten – in die Pflege. Die Pflege zeichnet sich durch eine besondere Menschlichkeit und Herzenswärme gegenüber den zu Pflegenden aus. Gegenüber den Studierenden wird darauf häufig vergessen.

Auch den Auszubildenden sowie den Ausbildungseinrichtungen ist bewusst, dass das Gesundheits- und Pflegesystem umfassend reformiert, werden muss. Dennoch ist es nicht fair die Schwierigkeiten und die Herausforderungen in der Praxis auf dem Rücken der Auszubilden auszutragen.

Egal welchen Ausbildungsweg jemand eingeschlagen hat – wir alle sind Pflegepersonen. Wir sind die größte Berufsgruppe in Österreich und arbeiten alle im selben Gesundheitssystem. Wir alle möchten dieselbe qualitativ hochwertige Arbeit leisten und die bestmöglich pflegerische Versorgung für unsere zu Pflegenden. Schaffen wir gemeinsam ein Pflegefeld in dem junge motivierte Menschen gerne arbeiten möchten. Die Auszubildenen von heute sind die Pflegepersonen von morgen.

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