Drogen: Eltern sollten Schaden begrenzen

Teenager: Drogenkonsum nicht verdammen (Foto: pixelio.de, Marvin Siefke)

Null-Toleranz-Botschaften führen im Gespräch mit Heranwachsenden eher zum Abschalten

Vancouver (pte/25.04.2019/11:30) Eltern tun sich oft schwer, mit ihren Kindern über Drogenmissbrauch zu reden. Laut einer Studie der University of British Columbia http://ubc.ca werden Botschaften, die auf eine Schadensbegrenzung abzielen, eher ankommen als die typischen Gespräche über ein generelles Verhindern. Die Forscher haben für ihre Erhebung 83 Teenager zwischen 13 und 18 Jahren aus ganz British Columbia interviewt. 

Rauschmittel als Realität

Laut Forschungsleiterin Emily Jenkins berichteten die Jugendlichen, dass sie bei Botschaften, die nur auf Abstinenz oder eine Null-Toleranz abzielen, eher abschalten. Der Grund dafür ist, dass ihre Lebensrealität dadurch nicht widergespiegelt wird. Entweder nehmen sie oder Gleichaltrige bereits Drogen oder der Drogenmissbrauch geschieht in ihren eigenen Familienkreisen.

Schadensbegrenzung ist ein Ansatz, der anerkennt, dass Drogenkonsum – Drogen, Zigaretten oder Alkohol – ein Teil des Lebens ist. Ziel ist, die schädlichen Auswirkungen des Konsums zu verringern, anstatt ihn einfach zu ignorieren oder zu verdammen. „Die Jugendlichen waren empfänglicher, wenn ihre Eltern unvoreingenommen über Drogenkonsum sprachen oder Möglichkeiten und Strategien aufzeigen konnten, die helfen, die Schäden durch den Konsum zu verringern. „Dieser Ansatz scheint besser für das Bewahren der Familienbeziehungen und die Gesundheit der Jugendlichen zu sein“, so Jenkins.

Jugendliche einbeziehen

Manche Jugendliche, die trotz der Null-Toleranz-Strategie der Eltern Drogen konsumierten, berichteten, dass sie ein Gefühl der Entfernung von ihren Familien verspürten. Laut den in „Harm Reduction“ veröffentlichten Ergebnissen schätzen es die Teenager, wenn Grenzen gesetzt wurden. Ein übermäßig nachsichtiger Ansatz funktionierte laut Jenkins auch nicht.

Eine Teilnehmerin, die oft Alkohol trank, wollte das ändern, wusste aber nicht wie, da es ihren Eltern egal war, was sie tat. Jenkins betont, dass junge Menschen am stärksten von Drogenmissbrauch und damit in Verbindung stehenden Schäden betroffen sind. Gerade ihre Perspektive fehle jedoch häufig bei der Formulierung von Ansätzen, wie Eltern mit diesem Thema umgehen sollten.

Karin Eder
Über Karin Eder 603 Artikel
Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, Advanced Practice Nurse, Lehrerin für Gesundheits- und Krankenpflege, Leitung Bereich Gerontologie und Validation im Ausbildungszentrum des Wiener Rotes Kreuzes GmbH.

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