Die Zukunft der „Advanced Practice Nurse“ in Österreich

Mag. Adelheid Schönthaler, BSc. Studiengangsleitung für „Advanced Nursing Practice“der FH Krems

Eine Advanced Practice Nurse (APN) ist für die meisten Länder der Welt nicht wegzudenken.

In den USA entwickelte sich Advanced Nursing Practice (ANP) in den 60er und 70er Jahren. Großbritannien und Australien sprangen in den 80ern auf den Zug der Professionalisierung auf. Korea startete in den 90ern. Schlussendlich verbreitete sich das Modell in vielen weiteren Staaten. Unter anderem in Kanada, Neuseeland, Irland, Belgien, Niederlande und vielen mehr.

Gründe für die Entwicklung von ANP waren: Ärztemangel, betreuungsbedürftige und unterversorgte Bevölkerungsgruppen, der wachsende Bedarf an Public Health aber auch die Verbesserung der Karrieremöglichkeiten.

Eine intensivere Auseinandersetzung mit der Thematik begann im deutschsprachigen Raum ab dem Jahr 2004. Für die österreichisches Bevölkerung, einschließlich dem Pflegepersonal und anderen Gesundheitsberufen, ist Advanced Nursing Practice noch fremdes Terrain und häufig kein Begriff.

Warum braucht es Advanced Nursing Practice in Österreich?

Um die zukünftigen Herausforderungen der Gesundheitsversorgung zu bewältigen, braucht es Veränderungen so wie innovative Betreuungsmodelle. Die demografische Entwicklung, verbunden mit einer steigenden Anzahl von chronisch kranken Menschen und einhergehenden Mehrfacherkrankungen, wird zu noch komplexeren Versorgungssituationen führen. Der ambulante Bereich soll ausgebaut werden. Krankenhäuser sollen und müssen vor allem im stationären Bereich entlastet werden. Die Zahl der Hausärzte nimmt stetig ab. Des Weiteren folgt die Übernahme von ärztlichen Tätigkeiten. Speziell im klinischen Setting müssen die Kompetenzen der Pflegepersonen erweitert werden.

Daraus resultierend müssen neue Versorgungskonzepte und Strategien entwickelt werden, um die zukünftigen Probleme der Gesundheitsversorgung bewältigen zu können. Was es aber vor allem braucht, ist ein Umdenken in Bezug auf Krankheit und Gesundheit. Welchen Stellenwert die Gesundheit im österreichischen System hat, zeigt sich aktuell unter anderem in politischen Entscheidungsfindungen. Das österreichische Gesundheitssystem, dass nach präzisem Betrachten mehr einem Krankheitssystem gleicht, kann und wird die Herausforderungen mit ihrem jetzigen Denken und Handeln nicht bewältigen können.

Doch auch in der Pflege muss ein Umdenken stattfinden. Seit 1997 lautet die korrekte Bezeichnung nicht mehr „Krankenpflege“, sondern „Gesundheits- und Krankenpflege“. Trotzdem kümmern wir uns als Pflegepersonen fast ausschließlich um die Krankheiten unserer Patientinnen und Patienten, anstatt wie es unser Auftrag wäre, auch die Gesundheit in den Fokus zu stellen. Gesundheitsförderung, Prävention und Patientenedukation müssen eine zentrale Rolle unserer Arbeit werden. Es ist für die Pflege in Österreich der Zeitpunkt gekommen sich weiterzuentwickeln. Im Sinne der Patientinnen und Patienten, des gesamten Gesundheitssystems aber vor allem für den Beruf der Pflege selbst.

Eine der Praxiskompetenzen einer APN ist es, innerhalb der Gesundheitssysteme und bei gesundheitspolitischen Weichenstellungen, die Interessen des einzelnen Menschen, der betroffenen Familie und der Gemeinschaft zu vertreten, zu fördern, für sie einzustehen und sie zu schützen.

Die DNAPN definierte 2015 die Advanced Practice Nurses (APNs) als „akademisch ausgebildete Pflegende mit dem Abschluss des grundständigen Masters of Sience mit Schwerpunkt APN/ANP, an einer dafür nach dem Bologna Prozess akkreditierten Basis auf erhöhtem Niveau. Ihre Subrollen umfassen Praktikerin, Expertin, Beraterin, Lehrerin, Forscherin, Leiterin und Vertreterin. Sie arbeiten als Spezialistin alleine oder leiten Advanced Practice Nursing (APN) Teams.“

Zu den primären Kriterien einer APN zählen die Ausbildung über den Masterstudiengang, die Zertifizierung und die Praxis, die sich auf die Patienten und die Familie fokussiert.

Der erste und wichtigste Schritt um Advanced Nursing Practice in Österreich zu etablieren, ist die Möglichkeit einer Ausbildung. Mit Herbst 2018 startet der erste Masterstudiengang „Advanced Nursing Practice“ in Österreich. An der FH Krems wird es zukünftig die Chance geben, sich in diesem Fachbereich zu spezialisieren. Wir haben uns mit Studiengangsleitung Frau Mag. Adelheid Schönthaler, BSc getroffen, um mit ihr über Advanced Nursing Practice und den neuen Masterstudiengang zu sprechen.

Im Gespräch mit Mag. Adelheid Schönthaler, BSc. Studiengangsleitung für „Advanced Nursing Practice“der FH Krems

Frau Mag. Schönthaler, was ist für Sie das besondere an Advanced Nursing Practice?

Das Besondere definiert sich im Rollenbild der Advanced Practice Nurse.

Es handelt sich bei Advanced Nursing Practice um eine spezialisierte, erweiterte und vertiefte Pflegepraxis. Es betrifft examinierte Pflegepersonen, die ihr Wissen für spezifische Populationen und Settings vertiefen wollen. Sie werden in der Ausübung ihrer Pflegetätigkeit mit einer zusätzlichen Expertise ausgestattet, die sich mit dem Lösen komplexer Situationen beschäftigt. Diese Problemlösungen werden evidenzbasiert getroffen.

Der zentrale Fokus liegt darin, die Anwaltschaft für Patientinnen und Patienten zu übernehmen. APN´s dienen außerdem als Sprachrohr im Schnittstellenmanagement und spielen eine zentrale Rolle im Casemanagement.

Der Kern der Arbeit liegt vor allem darin, Verantwortung übernehmen zu können. Es geht weit über die Basistätigkeit der Patientenversorgung hinaus.

APN’s sind darin befähigt, im interdisziplinären Kontext zu arbeiten und einen erweiternden Blick auf die gesamte Situation zu bieten. Dabei richtet sich der Fokus auf die Salutogenese. Es werden nicht nur Probleme, sondern auch sehr stark Ressourcen thematisiert.

Tätigkeiten die in der Vergangenheit Ärzten vorbehalten waren, werden zukünftig von Pflegepersonen ausgeübt. Dazu müssen neue Kompetenzen im klinischen Setting erworben werden. Eine weitere Säule von Advanced Nursing Practice.

Um in diesen neuen Aufgabenfeldern professionell arbeiten zu können, braucht es eine entsprechende Ausbildung, ein Studium auf universitärer Basis.

Warum glauben Sie, dass ANP für das österreichische Gesundheitssystem wichtig ist?

Wir erleben einen massiven Wandel in der Gesundheitsversorgung unserer Bevölkerung und es steht uns noch vieles bevor.

Die Menschen werden zum einen zunehmend multimorbid aber auch die chronischen Erkrankungen nehmen stark zu. Es entstehen neue Versorgungsaufträge. Die Problematik liegt in der heutigen Zeit nicht mehr nur darin, akut kranke Menschen zu behandeln.

Weiters stehen wir unter einem ungemein, wirtschaftlichen Druck. Auch die Materie Sozialversicherung ist aktuell ein sehr politisches Thema geworden.

Die Kosten des Gesundheitswesens explodieren und können nicht gedeckt werden. Diese Problematik erfordert neue Konzepte in der Gesundheitsversorgung. Das bedeutet, wir müssen uns von der stationären Versorgung, die sehr kostenintensiv ist, wegbewegen.

Es müssen also Möglichkeiten geschaffen werden, um nach einer kurzen Aufenthaltsdauer das Krankenhaus verlassen zu können. Die Menschen sollen zu Hause leben können und dabei dementsprechend medizinisch und pflegerisch versorgt werden. Es stellt sich also die Frage, wie der Mensch dazu befähigt wird mit seiner Erkrankung im Alltag leben zu können. Hier spielt die Thematik Gesundheitskompetenz eine große Rolle. Das bedeutet für die eigene Gesundheit Verantwortung übernehmen zu können.

Eine weitere Überlegung liegt darin, ANP auch auf die primären Versorgungszentren auszurichten.

Es braucht also absolut neue Konzepte. Und diese neuen Konzepte zu entwickeln, ist eine wichtige Aufgabe der Advanced Practice Nurse.

Wodurch profitierten die Patientinnen und Patienten, wenn sich Advanced Nursing Practice im österreichischen Gesundheitssystem etabliert?

Es wird dadurch ein gesteigerter, qualitativ hochwertiger Outcome für die Patienten erreicht.

ANP’s besitzen die Fähigkeiten, komplexe Situationen zu bewältigen undlösungsorientiert zu arbeiten. Sie sind in der Lage nicht nur den Patienten allein, sondern das gesamte Umfeld zu betreuen. Auch die Angehörigen rücken in einen speziellen Fokus.

Interdisziplinär sind ANP’s als Leader tätig. Dadurch werden die unterschiedlichsten Berufsdisziplinen vereint um gemeinsam an einem speziellen Fall und dessen Behandlungskonzept zu arbeiten.

ANP’s betreuen aber auch vor allem chronisch kranke Patienten. Beispiele sind Diabetes, Wunden, Schmerz und Patienten mit Krebserkrankungen. Es geht also um Disease-Management. Hier sind ANP’s dazu befähigt eigenverantwortlich zu handeln.

Ziel ist es, das größtmögliche Maß an Lebensqualität für die Patientinnen und Patienten zu erreichen.

Mit Herbst 2018 startet der erste Bolognakonforme Masterstudiengang „Advanced Nursing Practice“ in Österreich. Sie haben intensiv an der Entwicklung mitgearbeitet. Welche Lehrinhalte werden während der Studienzeit vermittelt und worin liegen die Schwerpunkte?

Der Masterstudiengang beruht auf 3 Pfeilern. Forschung und Pflegepraxis. Spezialisierte Pflegepraxis. Leadership und Pflegepraxis.

Der Erste ist „Forschung und Pflegepraxis“. Dadurch werden Absolventen befähigt, die Fragen der Praxis in ein Projekt zu implementieren. Außerdem lernen sie Probleme der Praxis aufzugreifen und selber an der Lösung zu arbeiten und Forschung zu betreiben. Ein weiteres Ziel ist es, evidenzbasiertes Wissen in die Praxis zu transferieren. Dieses generierte Wissen soll der Praxis zu Gute kommen. Es handelt sich dabei nicht um Grundlagenforschung oder Konzeptentwicklung im Sinne von Theorieentwicklung, sondern ganz stark um den Praxisbezug.

Ein ganz wichtiges Thema dieses Studiums ist die Pflegequalitätsentwicklung. Wir beschäftigen uns mit unterschiedlichen Klassifikiationssystemen die uns helfen den Outcome der Patienten zu optimieren. Beispielsweise NANDA, NIC, NOC und andere Klassifikationssysteme. Aber natürlich auch EBN mit seiner ethischen Entscheidungsfindung.

Der zweite Pfeiler ist die „Spezialisierte Pflegepraxis“. Es geht darum sich in der Rolle als APN wahrnehmen zu können. Weiters beschäftigen wir uns mit Diesease-Managament. Wir betrachten speziell die Patientengruppen, die für ANP so interessant sind. Das sind chronisch kranke Patientinnen und Patienten.

Ein weiterer Schwerpunkt der spezialisierten Pflegepraxis sind die Behandlungspfade. Vor allem im Bereich Mental Health. Menschen mit Demenz und delirante Patienten werden immer mehr. Auch Depression weist eine starke Prävalenz in der Bevölkerung auf. Aber auch Sucht und Suizidalität im Alter wird thematisiert.

All das sind Problematiken, die von den primären Versorgungszentren aufgefangen werden sollen. Ein politischer Auftrag für diesen Masterstudiengang ist der Kontext zu den Versorgungseinheiten. Absolventen werden befähigt, die Pflege in diesen Zentren zu gestalten und gemeinsam mit anderen Berufsgruppen interdisziplinär zusammenzuarbeiten.

Durch Clinical-Assessment lernen die Studierenden, Untersuchungen am Patienten vorzunehmen und Gesundheitszustände zu eruieren. APN‘s hören, greifen und bewegen. Auskultation, Perkussion und Palpation sind Themen. Nicht um eine medizinische Diagnose zu erstellen, sondern um den Gesundheitszustand der Patienten zu beurteilen. Es geht um Entscheidungsfindungen. Braucht es einen Arzt oder nicht und wenn ja, welche medizinische Fachrichtung wird benötigt. Wir sprechen hier also von Erst-Triage. Es wird der Status des Patienten aufgenommen und evaluiert um Entscheidungen zu treffen.

Der Studiengang deckt aber auch die neuen Themenfelder, die für die Pflege relevant werden ab. Zum Beispiel E-Health und Assisted Living. Die Digitalisierung nimmt zu und wird gebraucht. Wir müssen Menschen erreichbar machen. Außerdem kann man dadurch Prozesse optimieren. Patienten können ihre Befunde an den Arzt schicken. Dieser kann dann wiederum erheben, ob ein persönlicher Termin mit den Patienten stattfinden muss. Es werden Wartezeiten verkürzt, die häufigen Gänge zum Arzt werden nicht mehr notwendig und dadurch wird die Lebensqualität der Patienten verbessert. Außerdem können gewonnene Informationen in die Pflegeforschung transferiert werden. Interventionsforschung und Evaluationsforschung sind hier ein großes Thema.

Der dritte Punkt ist „Leadership und Praxis“. Als APN muss man in der Lage sein ein Team zu generieren. Wir sprechen nicht von einer klassischen Führungsperson wie zum Beispiel eine Stations- oder Bereichsleitung, sondern von einer Teamleaderin bzw. einem Teamleader. Ziel dieser Kompetenz ist es, Menschen für ein Thema, Projekt oder Konzept zu begeistern. APN’s müssen aber auch in der Lage ihre Teams zu formieren und das Team, die Praxis und sich selbst zu entwickeln. Bausteine dieses Schwerpunktes sind unter anderem Führungs- und Motivationstheorien und die Thematik der Interdisziplinarität.

Im Zuge dieses Studiums wird zwar kein Praktikum absolviert, jedoch ein Projekt. Im Haus forcieren wir Design-Thinking. Das ist eine Projektart die kreative Lösungen bringt. Studierende werden aufgefordert sich in Gruppen bestimmten Betrieben anzunehmen. Dort werden mit den Menschen vor Ort mögliche Problemfelder analysiert um kreative Lösungsstrategien zu entwickeln. Dieses Projekt trägt im dritten Semester ein großes Gewicht. Wir sprechen hier von 6 ECTS, dadurch wird ermöglicht qualitativ hochwertige Lösungen zu konzipieren. Dabei handelt es sich nicht um einen Unterrichtsgegenstand, sondern um eine Kooperation mit Betrieben. Damit wird für die Studierenden ein Praxisfeld geschaffen.

Ich sehe in diesem Projekt ein sehr großes Potential. Vor allem in Hinblick auf die Visionen der Studierenden, die alle etwas ganz Konkretes erreichen wollen. Außerdem wird dadurch Raum für die Entwicklung geschaffen. Sowohl für die persönliche Entwicklung der Studierenden, also auch für die Entwicklung der Pflege.

Zusätzlich bieten wir die Möglichkeit, das Zusatzmodul „Pflegemanagement“ zu absolvieren. In zwei Semester wird diese Lehrveranstaltung angeboten. Dadurch werden die Absolventen berechtigt auf basaler, mittlerer und hoher Managementebene Führungsverantwortung zu übernehmen.

Ich habe Lehrende unter anderem aus den umliegenden Ländern mobilisiert. Vor allem aus der Schweiz, die ANP bereits in der Praxis implementiert haben. Aber auch aus Deutschland und Übersee.

Wie gestaltet sich das Aufnahmeverfahren?

Zuerst müssen die formalen Kriterien erfüllt werden. Es braucht einen Bachelorabschluss. Es gibt keine Übergangsbestimmungen oder andere Lösungen. Die jetzigen Bewerber verfügen über einen Bachelorabschluss in ANP, Gesundheits- und Krankenpflege, Pflegeforschung oder haben ein Kombistudium absolviert.

Das Bewerbungsprozedere beginnt online mit der Anmeldung über den E-Desktop der FH Krems. Es müssen die Motivation und die Vorstellungen beschrieben werden. Dazu kommt, welchen Benefit man sich durch dieses Studium erhofft und welche Wege sich durch Masterabschluss eröffnen sollen.

Danach folgt das persönliche Gespräch, das auch diese Punkte behandelt.

Ich möchte wissen, was die Bewerber mit diesem Studium erreichen wollen, wozu es gebraucht wird und in welche Richtung man sich dadurch entwickeln will. Es stellt sich die Frage, ob sich die Inhalte des Studienganges mit den Wünschen und Visionen vereint. Außerdem, ob sich die Anwärter mit diesem Studium beschäftigt haben und ob sie die Inhalte des Curriculums kennen. Das Gespräch geht so weit, ob es bereits Themenideen für die Masterthesis gibt.

Dadurch kann man sehr gut heraushören ob der Master in ANP die Vorstellungen der Bewerber unterstützt.

Wie könnte sich die berufliche Zukunft der Studienabsolventen gestalten?

Für ANP gibt es keinen Titelschutz. Es ist liegt also am persönlichen Engagement der Absolventen sich in den unterschiedlichsten Berufsfeldern zu etablieren.

Es wird Vieles geben. Die Pflegeentwicklung in einem akuten Setting. Es existieren bereits viele Häuser die Pflegeberatung- und Entwicklung implementieren. Diese Stellen werden mit ANP’s besetzt.

Ein weiterer Punkt ist der extramurale Bereich. Ein Beispiel wäre das Buurtzorg-Modell, welches in das österreichische Versorgungssystem implementiert werden soll. Dieses Projekt wird unteranderem von ANP’s begleitet.

Es kann auch die Lehre sein, die Implementierung von Theorie in die Praxis, EBN-Stabstellen, Aufnahme- und Entlassungsmanagement, Case- und Caremanagement, die klassischen Führungspositionen und vieles mehr. Es existieren bereits etliche dieser Stellen und können mit ANP’s besetzt werden.

Ich sehe ANP‘s jedoch noch viel mehr im Bereich Gesundheitsförderung und Public Health. Wir haben zwar noch immer nicht die Rollenbilder der School Nurse, Community Nurse oder Family Health Nurse definiert. Die Bestrebungen sind jedoch in allen Bereichen gegenwärtig. Wenn die ANP’s offenbleiben und über einen sehr großen Weitblick verfügen, werden sie die richtigen Positionen für sich finden. Auch wenn es gesetzlich noch nicht definiert ist.

Dann haben wir den primären Versorgungsbereich. Dieser ist aktuell sehr ärztlich dominiert und auch von einem Arzt geleitet. Aber wenn die Pflege geschickt ist, wird sie sich in dieses Setting intensiv einbringen.

Ein spannendes Thema ist die Führung einer eigenen Pflegepraxis. Es existieren bereits welche und diese können von ANP’s weiterentwickelt werden.

Je höher die akademische Ausbildung ist, umso spezifischer wird die Auswahl der Angebote. Das alles passiert schon mit den Bachelorabsolventen in ANP. Doch mit den zukünftigen Masterabsolventen wird es noch mehr Angebote geben.

Frau Mag.a Schönthaler, 2008 wurde in Krems der erste Bachelorstudiengang ANP aufgenommen.  2011 schloss die erste Kohorte ab. Die letzte Generation des BSc in ANP befindet sich gerade im zweiten Semester. Für viele Diplomierte Gesundheits- und KrankenpflegerInnen war dies eine Chance sich auf Hochschulniveau weiterzubilden. Der Bachelorstudiengang ANP läuft nun aus. Welche Möglichkeiten haben die Diplomierten Kolleginnen und Kollegen um sich zu akademisch weiterzubilden?

Das ist eine große Fragestellung für die Praxis geworden. Man weiß natürlich, dass nach Upgrades gerufen wird. Es gibt mehrere Möglichkeiten für Bachelorstudiengänge die diesen konsekutiven Weg ermöglichen.

Beispielsweise gibt es an der FH Krems den betriebswirtschaftlichen Bachelor für das Gesundheitswesen. Vor allem wenn man sich für den Managementzweig entschieden hat, ist dieser Weg eine gute Wahl.

Es gibt aber auch andere Möglichkeiten. Zum Beispiel an der UMIT, diese bieten einen Bachelorstudiengang in Pflegewissenschaften.

An der FH Krems laufen aktuell die Gespräche, wie die sich Chance eines Upgrades gestalten soll. Personen mit Diplom und Hochschulreife, also Matura oder Studienzulassungsprüfung, können in das dritte Semester des Bachelorstudienganges „Gesundheits- und Krankenpflege“ einsteigen. Die ersten beiden Semester, die das Basiswissen der Pflege vermittelt haben, werden angerechnet. Auch Praktika werden angerechnet. Ausgenommen sind jene, die neu in das Curriculum aufgenommen worden sind. Das betrifft das Praktikum für Rehabilitation, welches im Zuge der Diplomausbildung nicht gefordert war.

Ob dies das einzige Modell bleiben wird, wird sich zeigen. Ich denke aber nicht. Es werden sich vermutlich noch unterschiedliche Modelle entwickeln. 

Braucht es eine gesetzliche Änderung im GuK um Rahmenbedingungen für das Berufsbild der APN´s zu schaffen?

Natürlich, absolut. Es muss die Advanced Practice Nurse als Berufstitel implementiert werden.

ANP ist im Gesundheits- und Krankenpflegegesetz (GuKG) noch nicht verankert. Gesetzliche Rahmenbedingungen sind notwendig um das passende Setting zu schaffen. Denken Sie, das mit der nächsten GuK-Novelle Platz für das Modell Advanced Nursing Practice geschaffen wird?

Hier bin ich sehr optimistisch, denn es gibt das Erfordernis. Außerdem sind dann ANP-Absolventen in der Praxis tätig und üben hochspezifische Tätigkeiten aus.

Ich gehe also davon aus, dass Advanced Nursing Practice mit Titelschutz mit der nächsten Novelle im GuK verankert wird.

Denise Schäfer
Über Denise Schäfer 2 Artikel
Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin (Fachbereich Endoskopie, CED, Hepatologie), Studentin der IMC FH Krems (Advanced Nursing Practice)

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