Die Kunst des Ausruhens – Wie man echte Erholung findet

„Fernsehen als elektronische Feuerstelle“

Auf den ersten Blick wirkt es, als sei das Buch „Die Kunst des Ausruhens“ ein gewöhnlicher Titel unter vielen – in den Regalen der Lebenshilfe-Literatur. Schaut man genauer hin, so entpuppt sich das Buch als ein Lichtblick, der einem hilft, tiefgründig über die eigenen Erholungszeiten nachzudenken. Denn Hammond schafft es, aus einer wissenschaftlichen Forschung heraus ein Buch zu schreiben, das als Rekreation empfunden wird. Hammond hat als Wissenschaftlerin an einer bahnbrechenden Forschung über das Ausruhen mitgewirkt. Mit dem Buch füllt sie die Rolle als Botschafterin einer frohen Kunde vollends aus.

Hammond gehört nicht zu denjenigen Autorinnen, die Schlagworte wie Selbstfürsorge und Work-Life-Balance auf einem Transparent vor sich hintragen. Sie setzt sich mit den Menschen ihrer Zeit auseinander und untersucht, wie das individuelle Ausruhen bei den Zeitgenoss_innen aussieht. Sie trägt auch nicht die Moralkeule bei sich. Nein, sie fordert die Zeitgenoss_innen auf, sich mit dem eigenen Verhalten, den eigenen Gewohnheiten auseinanderzusetzen. Da klingt es sympathisch, wenn sie den Leser_innen empfiehlt, ein ganz eigenes Rezept zum Ausruhen zu schreiben. Hammond schreibt von den „richtigen Zutaten für die Erholung“ (S. 283).

Als Hammond und andere Forscher_innen sich auf den Weg gemacht haben, um den „Ruhe-Test“ zu machen, sind sie von einem Ruhe-Defizit der Zeitgenoss_innen ausgegangen. Sie sind davon ausgegangen, dass die Zeitgenoss_innen sich nicht bloß mehr, sondern auch besser ausruhen müssen. Schließlich gehe es um das persönliche Wohlbefinden und die Produktivität der Menschen. Wörtlich schreibt Hammond: „Wir müssen anfangen, das Ausruhen wertzuschätzen, es anzuerkennen und eine Lanze dafür zu brechen. Sie sind unverzichtbar“ (S. 15).

Bei dem Mühen, das Ausruhen zu erforschen, haben sich Hammond und die Kolleg_innen mit den einfachen Möglichkeiten beschäftigt. Das Fernsehen haben sie unter die Lupe genommen, auch das Tagträumen. Den Erholungswert eines heißen Vollbades haben sie ergründet wie den Nutzen eines langen Spazierganges. Das Musikhören und das Lesen haben sie nicht ausgelassen. Gleichfalls den Wunsch nach dem Alleinsein haben sie näher angeschaut.

Gegenwärtig hat die Achtsamkeit Konjunktur, um Menschen in ihrem Alltag zur Ruhe zu bringen. Hammond stellt sie nicht als des Rätsels Lösung vor. Eher plädiert sie für die Integration der Achtsamkeit in den Alltag. So schreibt sie: „Wenn der Zug Verspätung hat, wenn ich am Telefon in der Warteschleife hänge oder auf dem Computerbildschirm das sich dauerhaft drehende Ladezeichen auftaucht, dann ist das für mich ein Anlass, ein wenig Achtsamkeit zu trainieren, indem ich mich auf meine Atmung konzentriere, nacheinander alle meine Sinne aktiviere und mich auf das Wahrgenommene fokussiere …“ (S. 40 / 41).

Es ist nicht so, dass Leser_innen über die mehr als 300 Seiten immer in ihren Überzeugungen zum Ausruhen und zur Ruhelosigkeit der Gegenwart bestätigt werden. Als sie das Fernsehen als Moment des Ausruhens vorstellt, schlussfolgert sie beispielsweise, dass Menschen eine Form des eskapistischen Fernsehschauens nutzten, um dem Stress und den Sorgen des Alltags zu entfliehen. Fernsehen sei gesellschaftlicher Schmierstoff und könne auch als elektronische Feuerstelle beschrieben werden.

Hammonds Buch „Die Kunst des Ausruhens“ ist wirklich ein Lichtblick unter den Sachbüchern. Es hebt sich ab aus dem Regal der Sachbücher. Große Freude …

Claudia Hammond: Die Kunst des Ausruhens – Wie man echte Erholung findet, Dumont-Verlag, Köln 2022, ISBN 978-3-8321-6632-8, 317 Seiten, 12 Euro.

Autor:in

  • Christoph Müller, psychiatrisch Pflegender, Fachautor, Mitglied Team "Pflege Professionell", Redakteur "Psychiatrische Pflege" (Hogrefe-Verlag) cmueller@pflege-professionell.at