Die FH-Campus-Wien betreibt den ersten Forschungs-OP Österreichs!

Das OP Innovation Center (OPIC) am FH-Campus-Wien steht ab sofort sämtlichen Gesundheitsberufen für Forschungs- und Lehrzwecken zur Verfügung

(C) David Bohmann

Ein spannendes Projekt für Forschung und Lehre wurde im November 2017 gestartet. Die FH Campus Wien betreibt gemeinsam mit Partnern aus dem Gesundheitswesen einen auf dem neuesten Stand der Technik ausgestatteten High-Tech-Operationssaal inklusive angrenzender Intensivstation am FH-Standort in Wien-Favoriten.

Wesentliches Ziel dieser Einrichtung ist es, das Optimierungspotential von Abläufen innerhalb eines Operationssaales im Zusammenhang Medizintechniksystemen entsprechend zu erforschen. Das OP Innovation Center (OPIC) macht es möglich, etwa den klinischen und organisatorischen von der Diagnostik über den Eingriff bis hin zur intensivmedizinischen Nachsorge gesamtheitlich zu betrachten und zu analysieren. So können beispielsweise beteiligte Unternehmen Prototypen medizintechnischer Geräte noch vor Markteintritt im OP testen. Dies erhöht die Sicherheit der Produkte enorm und in der Folge die Akzeptanz der Anwender. Zusätzlich profitieren unterschiedliche Studien- und Lehrgänge von Synergien aus Forschung und Lehre, da Inhalte unter realistischen und praxisnahen Bedingungen erarbeitet bzw. vertieft werden können.

Das Projekt wurde als Shared Research Facility in einem Fördercall der Wirtschaftsagentur Wien im Jahr 2015 mit einer Projektlaufzeit von fünf Jahren eingereicht. Realisiert wurde dieses in Österreich einzigartige Vorhaben mit Partnern der Industrie, einem Beratungs- und Planungsunternehmen der Medizintechnik, als auch dem Krankenanstaltenverbund der Stadt Wien (KAV), einem der größten Gesundheitsdiensteanbieter in Europa. Der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) als zentraler Partner bringt Praxiserfahrung als OP-Betreiber in das Projekt mit ein. Das interdisziplinäres Forschungsteam der FH-Campus Wien leistet unter diesen praxisnahen und innovativen Forschungsbedingungen einen entscheidenden Beitrag, um Absolventen der Zukunft fit für den beruflichen Alltag in einer „Hochrisikoumgebung“ zu machen.

In den Räumlichkeiten selbst wurde auf eine voll funktionsfähige Infrastruktur geachtet, sodass die Erforschung aller Prozesse unter repräsentativen und wirklichkeitsnahen Bedingungen durchgeführt werden kann. Beispielhafte Kenndaten sind u.a. die Realisierung aller gängigen Spannungsversorgungssysteme wie etwa die Allgemeine Ersatzspannungsversorgung (AEV), aber auch die Simulation einer Sicherheitsspannungsversorgung (SV) bzw. einer zusätzlichen Spannungsversorgung (ZSV), welche speziell für OP- und intensivmedizinische Bereichen erforderlich ist, sind integraler Bestandteil dieser Einrichtung.  Für Studien und Lehrzwecke aller Studieneinrichtungen für medizinische Gesundheitsberufe, sowie Studierende der Technik ist eine Simulation aller Medizinischen Gase O2, N2O, CO2, Druckluft (DL), Vakuum (VK), und eine Narkosegasabsaugung (NGA) möglich. Die Lüftungsanlage ist gemäß Ö-Norm H6020 ausgestattet. Des Weiteren verfügt der Forschungs-OP über einen durchgängigen Strahlenschutz mit einem Bleigleichwert von 3mm. Nachfolgende Grafik zeigt einen Überblick über die gesamten Räumlichkeiten des Projekts OPIC, sowie die zusätzlich errichteten Räume.

Der OP Saal

Der OP Saal hat eine Grundfläche von 57m² und wurde in einer modularen Bautechnik errichtet, wodurch jederzeit Adaptierungen für Studienzwecke möglich sind. Diese komfortable Raumgröße macht die Nutzung dieser Einheit als Hybrid-OP hinsichtlich der Flächenbeschaffenheit möglich. Für die Möglichkeit in diesem Raum auch Strahlenanwendungen durchführen zu können, wurde dieser so ausgestaltet, dass ein durchgehender Bleigleichwert von 3mm erreicht wird. Bei diesem Bleigleichwert ist daher auch ein Betrieben eines Computertomographen möglich. Dies wurde durch die Physikalisch Technische Prüfanstalt mittels Rechengutachten gemäß der Ö-Norm S-5212 ermittelt.

Lüftungstechnisch wurde der Raum so konzipiert, dass er ausgehend von einem Kompaktklimagerät, der installierten turbulenzarmen (Laminar-Air-Flow) Verdrängungsstromdecke (TAV Decke) und den Umluftmodulen stufenlos in einem großen Variationsbereich von Umluft und Frischluft, sowie in der Luftkonditionierung betrieben werden kann. Der OP Saal wurde einer Abnahmemessung gemäß der Ö-Norm H6020 unterzogen und erfüllt sämtliche darin geforderten Anforderungen. Auch die Beleuchtung des OP-Saales wurde nach dem neuesten Stand der Technik mit einer doppelten OP-Leuchte in LED Technologie inklusive hochwertigem CCD-Kamerasystem und einer Kombination aus einer L-förmigen Medienbrücke und einer Deckenversorgungseinheit (DVE) ausgestattet.

Ein OP-Saal ist definitiv ein komplexer Arbeitsplatz, daher ist es erforderlich diese Komplexität eines OP-Saals auch bedienbar zu gestallten. Aus diesem Grund steht für die Bedienung und Steuerung der gesamten Raum-, Bild-  und Kommunikationsbelange ein so genanntes Paramon-System zur Verfügung, welches ein intuitives und anwenderfreundliches Bedienen dieser Steuerungselemente ermöglicht.

Intensivbereich und angeschlossene Vorbereitung des Patienten

In diesen beiden Räumen wurden insgesamt drei Versorgungseinheiten für intensivmedizinische Behandlungsplätze realisiert, sodass auch für den Lehr- und Forschungsbetrieb sämtliche üblicherweise für Intensiveinheiten ICU bzw. IMCU realisierten Varianten (Tandem DVE, Medienbrücke und Wandversorgungseinheit) vorhanden sind. Die versorgungstechnische Ausstattung dieser drei Einheiten wurde dabei so ausgestaltet, dass heute übliche Vorgaben von Gesundheitsdienstleistern jedenfalls erfüllt bzw. übertroffen sind. Zudem gibt es bei allen Einheiten die Möglichkeit bei definierten Anforderungen Nachrüstungen vorzunehmen. 

Der Geräte- und Technikraum

Der Aufbau der einzelnen Versorgungsmedien wurde so gelöst, dass für den Lehrbetrieb einerseits die Betriebsführung für sämtliche technische Studiengänge, aber auch Ausfallsszenarien für Studiengänge der Gesundheitswissenschaft simuliert werden können. Aus technischer Sicht wurde außerdem noch ein vollständiges Zählerkonzept realisiert, um die Kennzahlen des Energieverbrauchs aller Medien analysieren zu können um ggf. daraus Energieeffizienzmaßnahmen ableiten zu können.

Forschungsschwerpunkte dieser Einrichtung

Besonderes Augenmerk im wissenschaftlichen Kontext wird auf Interdisziplinarität gerichtet, insbesondere welche Beeinflussfaktoren zwischen einzelnen Komponenten, wie etwa Beleuchtung, Lüftung und elektromedizinischen Geräten im operativen Betrieb herrschen. Aber auch, ob neue Anwendungsverfahren technisch überhaupt realisierbar, bzw.  zulässig sind. Dabei widmet sich das Forschungsteam am FH-Campus-Wien auch den Fragestellungen hinsichtlich Modularität eines OP´s und untersucht welche Beschaffenheit aus technischer, medizinischer und ökonomischer Sicht „noch“ sinnvoll erscheint, um einen flexiblen und langfristigen Betrieb einer solchen Einrichtung gewährleisten zu können.

Dabei steht im Zentrum des Forschungsschwerpunktes die Entwicklung von Modellen und Simulationen zur Optimierung des Arbeits-Workflows, um etwaige gewonnene Erkenntnisse für zukünftige Neuplanungen einfließen lassen zu können.  Eine besondere Herausforderung für zukünftige OP-Ausgestaltungen müssen moderne Userinterface – Konzepte (UI-K) sein.  Diese UI-Konzepte sollen nicht zuletzt zur Verbesserung der Usability und der Hygiene im Allgemeinen beitragen, sondern insgesamt zur Erhöhung der Patientensicherheit führen.

Im Zeitalter der Einsparung von Ressourcen, müssen sich auch Betreiber von Gesundheitseinrichtungen vermehrt dem Thema der Energieeffizienz widmen. Wir forschen am FH Campus Wien, welche Maßnahmen ergriffen werden können, um die Energieeffizienz in einem OP mit angeschlossener Infrastruktur, welche zweifellos zu einem der größten Energieverbraucher eines Krankenhauses zählt, entsprechend zu verbessern.

Zusammenfassung

Ein Nutzen einer Kooperation besteht aus der Verbindung der individuellen Knowhows aller beteiligten Akteure hinsichtlich Ihren Kernbereiche gepaart mit einer multidisziplinären fachlichen Expertise der Fachhochschule FH Campus Wien, sodass wissenschaftliche Betrachtungen aus technischer und gesundheitswissenschaftlicher Sicht erfolgen können. Für die Fachhochschule FH Campus Wien stellt die zusätzliche Nutzungsmöglichkeit dieser Einrichtung als Lehreinrichtung eine wesentliche Verbesserung des praktischen Unterrichts dar, sodass Studierende in einer der Realität entsprechenden Umgebung ihre praktischen Fähig- und Fertigkeiten trainieren und verbessern können.

Für die beteiligten Partner ergibt sich auf Grund der Tatsache, dass der medizinische Funktionsbereich Operationssaal zu den kosten- und energieintensivsten Einheiten einer Krankenanstalt zählt und somit de facto kaum für Tests oder Forschung mit Realbedingungen zur Verfügung gestellt werden kann, die Möglichkeit, diese Einrichtung als Test- und Forschungsumgebung, aber auch für Trainingszwecke ihrer Kunden und Mitarbeiter zu nutzen. Genau diese Tatsache war für alle bisher im Projekt beteiligten Akteure der Grund, an diesem österreichweit einzigartigen Projekt mitzuwirken.

Engelbert Mach
Über Engelbert Mach 1 Artikel
Univ.-Lekt. Mag. Dr. Dr. Engelbert MACH, PhD; Studium der Biomedizinischen Technik und Gesundheits- informatik, sowie Studium der Pädagogik. Lehrender am Department für Clinical Engineering an der FH Campus Wien. Gerichtlich beeideter und zertifizierter Sachverständiger für biomedizinische Technik. Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen und Buchautor im Bereich der Gesundheits- wissenschaften. engelbert.mach@fh-campuswien.ac.at

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