Demokratische Republik Kongo: Wie klappt Familienplanung in einer humanitären Dauerkrise?

ANHANG-DETAILS Ärzte-ohne-Grenzen: Vertriebenenlager in Nizi Ituri (C) MSF Avra-Fialas

Ein schlechter Zugang zu Gesundheitsversorgung aufgrund von Gewalt, Naturkatastrophen oder anderen Krisen bringt für Frauen und Männer oft unterschiedliche Herausforderungen mit sich. Ärzte ohne Grenzen berücksichtigt daher in vielen Projekten die besonderen Bedürfnisse von Frauen. Vor allem in Regionen, in denen die Menschen von einer jahrelangen massiven humanitären Krise betroffen sind wie in der Demokratischen Republik Kongo legen die Teams auch einen Fokus auf die Versorgung von Frauen und Kindern.
In vielen Teilen der Demokratischen Republik Kongo erschweren ständige Konflikte und Vertreibungen der Bevölkerung einen regelmäßigen Zugang zu Gesundheitseinrichtungen. Seit über drei Jahren herrscht etwa in der Provinz Ituri massive Gewalt. Viele Menschen sind dadurch von ausreichender medizinischer Versorgung abgeschnitten.

Viele Mädchen und Frauen haben somit keinen ausreichenden Zugang zu ausreichender Familienplanung. Sie verfügen über keine Verhütungsmittel, die es ihnen ermöglichen würden, ihre Schwangerschaften besser zu planen oder ungewollte Schwangerschaften zu verhindern.

Seit 2019 bietet Ärzte ohne Grenzen daher in vier Projekten in der Demokratische Republik Kongo Frauen ein lang wirkendes Verhütungsmittel namens Sayana Press an. Dieses injizierbare Verhütungsmittel hält drei Monate und ist bei korrekter Anwendung hochwirksam (99 Prozent Wirksamkeit).

Frauen können ihre erste Injektion in einem Gesundheitszentrum erhalten, wo Gesundheitspersonal ihnen beibringt, wie sie die nächste Injektion selbst vornehmen können, und ihnen bis zu vier Dosen für zu Hause mitgibt – genug, um ein Jahr lang sicher und eigenverantwortlich zu verhüten.

Dieser Selbstversorgungs-Ansatz bedeutet, dass Frauen ihren Bedarf an Verhütungsmitteln selbst abdecken können, ohne regelmäßig ein Gesundheitszentrum aufsuchen oder täglich Pillen schlucken zu müssen.

Naomi Kugonza, Krankenschwester von Ärzte ohne Grenzen in Drodro, erklärt, dass Sayana Press lebensrettend sein kann, da Frauen dadurch seltener unsichere Abtreibungen vornehmen lassen: „Wir nutzen sie auch, um die Rate jener Müttersterblichkeit zu senken, die durch ungewollte Schwangerschaften und heimliche Abtreibungen aufgrund von sexueller Gewalt oder zu dicht aufeinanderfolgenden Schwangerschaften verursacht wird.“

Unsichere Schwangerschaftsabbrüche sind eine der fünf häufigsten Ursachen für Müttersterblichkeit weltweit. „Dies ist eine frauenzentrierte Methode. Frauen können sich das Medikament selbst injizieren und die Nachsorge alleine durchführen“, erklärt Naomi Kugonza.

Das Medikament kann bei Raumtemperatur gelagert werden und ist leicht zu transportieren, was in dieser Region, in der Frauen und Mädchen oft gezwungen sind, zu fliehen, hilfreich ist. Sayana Press ähnelt in seiner Rezeptur dem injizierbaren Verhütungsmittel Depo-Provera, enthält aber eine geringere Dosis und wird mit einer Einwegspritze mit kurzer Nadel direkt unter die Haut verabreicht.

Ärzte ohne Grenzen bietet das Verhütungsmittel in der Region Ituri in der Demokratischen Region Kongo derzeit in Mambasa, Nizi, Drodro und Angumu an.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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