Dementia Care – Wissen und Kompetenzen durch Bildung stärken

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Demenz – eine Priorität für unser Gesundheits- und Sozialsystem

Dementielle Beeinträchtigungen sind der häufigste Grund für Pflegebedürftigkeit in Österreich [1]. Die Anzahl der Menschen mit Demenz soll sich demographischen Berechnungen zufolge bis zum Jahr 2050 verdoppeln [2]. Die Mehrzahl der Menschen mit dementiellen Beeinträchtigungen wird von ihren An- und Zugehörigen zuhause betreut und gepflegt und immer mehr Familien und Nahestehende sind davon betroffen [3][4].

Auch professionelle Betreuungs- und Pflegekräfte sind durch dementielle Beeinträchtigungen mit wachsenden Anforderungen konfrontiert. So unterstützen mobile Dienste vermehrt Familien oder alleinlebende Menschen mit Demenz. Zudem leben in Pflegeheimen bereits mehrheitlich BewohnerInnen mit einer dementiellen Beeinträchtigung [5] und auch in Krankenhäusern wird der Anteil der PatientInnen mit Demenz auf ca. 20 Prozent geschätzt [6]. Demenzielle Beeinträchtigungen sind somit von prioritärer Bedeutung für unser gesamtes Gesundheits- und Sozialsystem.

Bildung als entscheidender Faktor

Bildung ist ein entscheidender Faktor, wenn es darum geht, MitarbeiterInnen im Gesundheits- und Sozialsystem auf die Bedürfnisse und Ansprüche von Menschen mit Demenz und deren Nahestehende entsprechend zu sensibilisieren und zu qualifizieren. Indem das Wissen und die Handlungskompetenzen der MitarbeiterInnen im Umgang mit demenziell beeinträchtigten Personen und deren An- und Zugehörigen erweitert werden, lässt sich die Gesundheit und die Lebensqualität aller Betroffenen fördern:

  • Für Menschen mit Demenz, indem sich die Selbstbestimmungs- und Teilhabemöglichkeiten verbessern und ein positiver Verlauf sowie ein Zuwachs an Lebensqualität begünstigt werden.
  • Für An- und Zugehörige, durch kompetente Unterstützung, Beratung, Entlastung und Wertschätzung.
  • Für die AkteurInnen und MitarbeiterInnen im Gesundheits- und Sozialbereich, durch die Erweiterung des Wissens und der Handlungskompetenzen und der persönlichen Fähigkeiten im Umgang mit den Betroffenen und den An- und Zugehörigen, was zu mehr Sicherheit und Arbeitszufriedenheit führt.

Interprofessioneller Lehrgang Dementia Care – Wissen und Kompetenzen stärken

Der interprofessionelle Lehrgang Dementia Care im Kardinal König Haus Wien versteht sich als Handlungsmaßnahme der Österreichischen Demenzstrategie – Gut Leben mit Demenz, mit dem Ziel, das Wissen und die Kompetenzen im Demenzbereich zu stärken [7]. AkteurInnen und MitarbeiterInnen im Gesundheits- und Sozialbereich sollen durch die Weiterbildung ihre persönlichen und fachlichen Kompetenzen erweitern. Zudem sollen sie als MultiplikatorInnen in den jeweiligen Handlungsfeldern das Wissen und die Betreuungsqualität in Zusammenarbeit mit den An- und Zugehörigen steigern.

Weiterbildung „Pflege bei Demenz“ bzw. „Dementia Care“ Zertifikat

Der Interprofessionelle Lehrgang richtet sich an alle Berufsgruppen im Gesundheits- und Sozialbereich und berechtigt als anerkannte Weiterbildung Gesundheits- und Krankenpflegepersonen/ PflegehelferInnen/ Pflege(fach)assistentInnen zur Führung der Zusatzbezeichnung „Pflege bei Demenz“. Andere Berufsgruppen erwerben das Zertifikat „Dementia Care“ des Kardinal König Hauses.

Der Interprofessionelle Lehrgang Dementia Care 2019 umfasst insgesamt 200 Unterrichtseinheiten (145 h Theorie und 55 h Praxisaufgaben).

Bewerbungen sind bis zum 7. Dezember 2018 bei Nina Zuckerstätter (dementiacare@kardinal-koenig-haus.at) möglich.

Weiterführende Informationen unter https://www.kardinal-koenig-haus.at/web_medienpool/lehrgangdementiacare.pdf bzw. telefonisch: +43-1-804 75 93-621

Fußnoten

Gemeinsam Bilden für ein gutes Leben mit Demenz!

[1] Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz 2017: 16

[2] Ebd.: 79

[3] Schneider, Deufert 2015: 56

[4] Nagl-Cupal et al. 2018:

[5] Ebd.

[6] Frühwald 2015: 95

[7] Juraszovich et al. 2015: 22

Literaturverzeichnis

Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (Hg.) (2017): Pflegevorsorgebericht 2016. Unter Mitarbeit von Margarethe Grasser, Karin Pfeiffer und Manuela Fuchs. Wien. Online verfügbar unter https://broschuerenservice.sozialministerium.at/Home/Download?publicationId=449, zuletzt geprüft am 08.02.2018.

Frühwald, Thomas (2015): Menschen mit Demenz im Krankenhaus. In: Sabine Höfler, Theresa Bengough, Petra Winkler und Robert Griebler (Hg.): Österreichischer Demenzbericht 2014. Wien, S. 95–98. Online verfügbar unter https://www.bmgf.gv.at/cms/home/attachments/6/4/5/CH1513/CMS1436868155908/demenzbericht2014.pdf, zuletzt geprüft am 16.10.2018.

Juraszovich, Brigitte; Sax, Gabriele; Rappold, Elisabeth; Pfabigan, Doris; Stewig, Friederike (Hg.) (2015): Demenzstrategie Gut Leben mit Demenz. Bundesministerium für Gesundheit und Sozialministerium. Wien. Online verfügbar unter http://www.bmgf.gv.at/cms/home/attachments/5/7/0/CH1513/CMS1450082944440/demenzstrategie_abschlussbericht.pdf, zuletzt geprüft am 16.10.2018.

Nagl-Cupal, Martin; Kolland, Franz; Zartler, Ulrike; Mayer, Hanna; Bittner, MMarc; Koller, Martina et al. (Hg.) (2018): Angehörigenpflege in Österreich. Einsicht in die Situation pflegender Angehöriger und in die Entwicklung informeller Pflegenetzwerke. Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz. Universität Wien. Online verfügbar unter https://broschuerenservice.sozialministerium.at/Home/Download?publicationId=664, zuletzt geprüft am 16.10.2018.

Schneider, Cornelia; Deufert, Daniela (2015): Pflege und Betreuung im Kontext aktueller Veränderungen. In: Sabine Höfler, Theresa Bengough, Petra Winkler und Robert Griebler (Hg.): Österreichischer Demenzbericht 2014. Wien, S. 56. Online verfügbar unter https://www.bmgf.gv.at/cms/home/attachments/6/4/5/CH1513/CMS1436868155908/demenzbericht2014.pdf, zuletzt geprüft am 16.10.2018.

Raphael Schönborn
Über Raphael Schönborn 10 Artikel
Sozialwirtschaft und Soz. Arbeit, BA Erziehungs- und Bildungswissenschaften, DPGKP, Sonderausbildung für Lehrtätigkeit § 65b GuKG; Lehrgangsleiter Dementia Care (Kardinal König Haus, Wien), Projektleitung ABDem (BMASK, VAEB), langjährige Praxis in der Begleitung und Beratung von Menschen mit Demenz und deren Nahestehenden (raphael-schoenborn.at), Fort- und Weiterbildungstätigkeiten, Leiter der Gesprächsgruppe „Meine Frau hat Demenz.“ (Caritas, Wien)

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