Defekt am Ribosom begünstigt T-Zell-Blutkrebs

Forscher beweisen gefährliche Überproduktion des Proteins BCL-2

Löwen (pte004/29.06.2018/06:10) – Forscher der Katholischen Universität Löwen http://kuleuven.be haben die Tür zu einem neuen Krebsmedikament aufgestoßen, das die T-Zell-Leukämie bekämpft. Viele Patienten, die daran leiden, produzieren zu viel BCL-2, ein Protein, das die Krebszellen vor der Chemotherapie beschützt.

Sterbesignal für Zellen überhört

Die Überproduktion von BCL-2 beruht auf einem Defekt im Ribosom, das für die Herstellung von Proteinen zuständig ist. „In den vergangenen Jahren wurde immer klarer, dass Ribosom-Fehler eine Rolle bei verschiedenen Krebsarten spielen“, so Forschungsleiterin Kim De Keersmaecker. Das Ribosom produziere zwar weiterhin Proteine. Doch die Mengenbilanz stimme nicht mehr. Das führe zu Krebs.

De Keersmaecker und ihre Doktorandin Kim R. Kampen konnten bei Kindern, die an Leukämie erkrankt waren, einen Zusammenhang herstellen zwischen einem bestimmten Ribosom-Defekt und der Erkrankung. Wenn eine normale Körperzelle ihre Lebensdauer erreicht oder sie einen Defekt erleidet, erhält sie ein Signal, dass sie absterben soll. Doch einige Proteine, darunter BCL-2, können dieses Signal unterlaufen. Die eigentlich nicht mehr lebensfähige Zelle bleibt erhalten. Eine Überproduktion diess Proteins nutzen Krebszellen aus. Sie werden unempfindlich gegen unterschiedliche Angriffe, unter anderem denen der Chemotherapie.

Tests bei anderer Leukämie-Art

Ein Medikament, das die BCL-2-Überproduktion stoppt, ist bereits bei einer anderen Form der Leukämie getestet worden. „Unsere Forschung zeigt, dass es auch bei T-Zell-Leukämie hilft“, sagt De Keersmaecker. Die Versuche fanden an Mäusen statt. Ob es auch bei Menschen funktioniert, ist noch offen. In einer weiteren Studie wollen die belgischen Forscher testen, wie sich ein Medikamenten-Cocktail unter Einschluss von BCL-2 auf T-Zell-Leukämie-Patienten positiv auswirkt.

Markus Golla
Über Markus Golla 7076 Artikel
Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Lehrer für Gesundheit- und Krankenpflege (Studium Umit/Wien)

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