DE: Wie die Digitalisierung in der Gefäßchirurgie das Arzt-Patienten-Verhältnis verändert

(C) Alexandr Mitiuc

Berlin – Erst simuliert der Gefäßchirurg eine Operation virtuell am Computer, bevor er den Eingriff am „echten“ Patienten vornimmt – ein Beispiel, wie Digitalisierung und künstliche Intelligenz die Gefäßchirurgie sicherer und damit effizienter machen. Gleichzeitig stellen sie neue Anforderungen an Ärzte und die Art, wie sie mit ihren Patienten kommunizieren, um Vorbehalte gegenüber der „Apparatemedizin“ abzubauen. Auch in der modernen Medizin sei es unabdingbar, dass der Patient die gebotenen Behandlungsoptionen verstehen und in die Therapie einwilligen könne, betonen Experten der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e.V. (DGG). Auf einer Online-Pressekonferenz am 22. Oktober diskutieren sie, welche neuen Chancen computergestützte Methoden für Diagnostik und Therapie eröffnen und wie sie zugleich das Verhältnis zwischen Arzt und Patient beeinflussen.

Digitalisierung, Automatisierung und künstliche Intelligenz halten auch in die Gefäßchirurgie Einzug und lösen einen Entwicklungssprung aus. „Die neuen Techniken verbessern die Bildgebung und die Behandlung von Gefäßpatienten deutlich und machen sie sicherer und damit effizienter“, erklärt Professor Dr. med. Heiner Wenk. „Schon heute können wir endovaskuläre Operationen – Eingriffe innerhalb eines Gefäßes also – vor dem eigentlichen Eingriff virtuell durchspielen“, erläutert der Leiter des Zentrums für Gefäßmedizin am Klinikum Bremen-Nord. Möglich machen dies sogenannte „digitale Zwillinge“, 3-D-Abbildungen des zu operierenden Gefäßes am Computerbildschirm. „Ohne diese Technik kommt es bei der Planung der Operation und der einzusetzenden Mittel vor allem auf die Erfahrung des Operateurs an“, so der DGG-Experte.

Mit Hilfe virtueller OP-Simulationen könne ein Eingriff nun risikolos am Computer durchgespielt und der optimale Ablauf gefunden werden – vor der tatsächlichen Operation. „Dies erhöht die Sicherheit der Therapie und stellt eine Win-Win-Situation für Patienten wie Ärzte dar“, betont der Gefäßchirurg. Allerdings stoßen die neuen Techniken nicht bei allen Patienten sofort auf Gegenliebe, wie Wenk aus seiner Erfahrung im Klinikalltag weiß. „Schon heute haben viele Patienten Angst vor der ‚Apparatemedizin‘. Mit zunehmender Digitalisierung und Automatisierung wird Medizintechnik für viele Menschen noch bedrohlicher”, so der Bremer Gefäßchirurg.

Daher seien Ärzte in besonderem Maße gefordert, Patienten die Vorzüge der neuen Technik zu erläutern. „Die Aufgabe von uns Ärzten ist es, den Patienten die Abläufe zu erklären und so Ängste abzubauen“, sagt der Experte. Denn nur wenn der Patient die modernen Untersuchungs- und Operationstechniken verstehe, könne er gemeinsam mit dem behandelnden Arzt die Therapieoptionen abwägen und eine informierte Entscheidung für die bestmögliche Behandlung treffen, so Wenk. „Wenn es uns gelingt, den Patienten die Vorzüge der neuen Techniken begreiflich zu machen, profitieren alle Beteiligten gleichermaßen davon“, betont auch Professor Dr. med. Dittmar Böckler, Präsident der DGG.

Auf der Online-Pressekonferenz der DGG am 22. Oktober berichtet Professor Dr. med. Heiner Wenk ausführlich über die Vorzüge und die Herausforderungen, die Digitalisierung, Automatisierung und künstliche Intelligenz für die Gefäßchirurgie bedeuten.

 

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen