DE: von Spinnenseide und Fliegenlarven, intelligenten Verbänden und seltenen Ursachen des Ulcus Cruris

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Der 02. Nürnberger Wundkongress wartet mit einem facettenreichen Programm auf: Innovative Verfahren, neue Biomaterialien oder maßgeschneiderte Konzepte für eine bestmögliche interdisziplinäre und interprofessionelle Versorgung von Patienten mit Wunden zählen zu den Schwerpunkten in diesem Jahr. Ärzte und Pflegefachkräfte kommen gleichermaßen auf ihre Kosten – letztlich aber profitieren die Patienten.

Nürnberg. Vier Millionen Menschen in Deutschland leiden unter schlecht heilenden Wunden. Weil diese häufig als Komplikationen diverser Grunderkrankungen wie Diabetes oder Durchblutungsstörungen auftreten, kann eine optimale Wundbehandlung nur durch ein gut eingespieltes Miteinander von Medizin und Pflege gelingen: interdisziplinär und interprofessionell.

Wunden verbinden lautet darum das Motto des 02. Nürnberger Wundkongresses, der vom 05.–07. Dezember 2019 neueste Trends in der Diagnostik und Therapie von Wunden in den Fokus rückt. Rund 1.600 Ärzte und Pflegefachkräfte werden dazu in der Messe Nürnberg zusammenkommen. „Wunden verbinden, das ist unsere tägliche Aufgabe und unsere Berufung, ob Facharzt, Hausarzt oder Pflegefachkraft“, sagt Tagungspräsident Prof. Dr. Erwin Schultz. „Die bestmögliche Versorgung von Menschen mit Wunden ist aber nicht nur ein Auftrag, sondern unser Anspruch. Sie liegt uns am Herzen. Das verbindet uns!“ Vernetzung, fachlicher Austausch und weithin geteilte Standards auf neuestem Kenntnisstand werden einem besseren, effizienteren Miteinander in der Wundbehandlung den Weg ebnen. – In dieser Überzeugung wurde der Nürnberger Wundkongress im vergangenen Jahr ins Leben gerufen. Zu den Highlights beim „WuKo“ in diesem Jahr zählen u.a.:

  • innovative Verfahren wie zum Beispiel die Behandlung mit kaltem atmosphärischen Plasma,
  • neue Biomaterialien von Fischhaut bis Spinnenseide und intelligente Verbände für die Wundversorgung,
  • maßgeschneiderte interdisziplinäre Konzepte.

Dabei reicht die thematische Vielfalt des dreitägigen wissenschaftlichen Programms vom „Siegeszug der Vakuumtherapie“ über ein „Update“ zur Wunde des Diabetikers oder die spezielle Verantwortung der Gefäßmedizin in der Wundbehandlung bis hin zu Wunden, die durch „importierte“ Keime aus fernen Urlaubregionen verursacht sind, gewissermaßen ein „gefährliches Souvenir“.

Und weil mit Erwin Schultz in diesem Jahr ein Dermatologe den Staffelstab als Tagungspräsident und Programmregisseur übernommen hat, gilt ein besonderes Interesse auch speziell dermatologischen Aspekten wie der keineswegs seltenen, dafür aber weitgehend unbekannten Akne inversa: Etwa ein Prozent der Bevölkerung leidet an der chronischen Hauterkrankung mit ihren schmerzhaften Entzündungen der Talgdrüsen und Terminalhaarfollikel. „Die meisten allerdings ohne zu wissen, mit was für einer Erkrankung sie es eigentlich zu tun haben“, sagt Erwin Schultz. Auch seltenen Ursachen des Ulcus cruris wie beispielsweise Vaskulitis (Gefäßentzündungen) oder Autoimmunerkrankungen gebührt heuer ein Platz im wissenschaftlichen Tagungsprogramm.

Parallel zu den Sitzungen finden auch in diesem Jahr zahlreiche Seminare und Workshops statt, welche nicht nur Fachkräften neue Einblicke und praktische Übung vermitteln sollen. Etwa zum Einsatz von steril gezüchteten Goldfliegenlarven für ein biologisches Wunddebridement oder zur Versorgung von Verbrennungswunden, zu palliativer Wundversorgung oder auch zur Gründung eines interprofessionellen Netzwerkes inklusive aller notwendigen Tools von der Homepage bis zum Sponsoring.

Weit über die Grenzen Nürnbergs hinaus reicht bereits die Anziehungskraft des „Wundkongress des Südens“. Er bietet allen, die das Thema „Wunde“ bewegt, ein ideales Forum, sich über Trends in der Wundbehandlung, Neues aus der Forschung und spezielles Know-how zu informieren und von den Erfahrungen der Kollegen – auch und nicht zuletzt aus anderen Fachbereichen – zu profitieren. Die enge Kooperation mit zahlreichen Fachgesellschaften trägt zum stets aktuellen Stand und Facettenreichtum bei, eine begleitende Fachmesse bietet einen Überblick über neueste Produkte und technische Entwicklungen.

Markus Golla
Über Markus Golla 4742 Artikel
Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Studiengangsleitung (FH) und Vortragender im Bereich Gesundheits- und Krankenpflege, Kommunikation & Projektmanagement, Pflegewissenschaft BScN (Absolvent UMIT/Wien), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Masterstudent Pflegewissenschaft (UMIT/Hall)

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