DE: Vom Siegeszug der Vakuumtherapie

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Die Studienlage ließ lange kein Urteil zu, jetzt gelten die Vorteile der Methode als belegt: Zeit also, dass die Wundbehandlung mit Unterdruckversiegelung ihren Weg weiter in die Peripherie sowie in den ambulanten Versorgungsbereich nimmt.

Nürnberg. In vielen Kliniken steht der Nutzen der Vakuumversiegelungstherapie seit Jahren außer Frage. „Eine absolute Bereicherung der Wundbehandlung stellt die Therapie beispielsweise bei verschiedenen Formen des Ulcus cruris oder bei Dekubitalgeschwüren dar“, sagt Dr. Axel Mechlin, leitender Oberarzt in der Klinik für Dermatologie am Klinikum Nürnberg. Seit diesem Jahr sind nun erstmals die Vorteile auch belegt. Unter dem Titel „Der Siegeszug der Vakuumtherapie – Was ist Standard, was ist möglich?“ diskutieren Experten beim Nürnberger Wundkongress im Rahmen einer Hauptsitzung Empfehlungen, Erfahrungen und Ergebnisse aktueller Studien.

„Besonders in den Krankenhäusern der höchsten Versorgungsstufe gehört die Vakuumtherapie zu den etablierten Verfahren, die regelmäßig, fast schon standardmäßig angewendet werden“, sagt Axel Mechlin. Allein auf den positiven Erfahrungen, den guten erzielten Resultaten basierte bislang die Gewissheit, dass die Methode unter bestimmten Voraussetzungen ihre Vorteile hat. Mehr als 100 Studien wurden zwar bereits abgeschlossen, doch lange blieb ein erheblicher Teil der Ergebnisse unveröffentlicht. „Jetzt haben die Hersteller Daten nachgereicht, die Nutzen und Evidenz weiter belegen“, erläutert Mechlin.

Wunden schließen sich schneller, Infektionen treten seltener auf

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit (IQWiG) mit Sitz in Köln bescheinigt der Vakuumtherapie daraufhin einen höheren Nutzen gegenüber der Standardbehandlung bei der sekundären Wundheilung, also bei Wunden, die ohne chirurgischen Schnitt entstanden sind, wie chronische Wunden. „Vorausgesetzt, die Wunde ist nicht zu stark infiziert oder wird zuvor gereinigt, also von störenden Faktoren befreit, kann der Einsatz der Vakuumtherapie eine Beschleunigung der Granulationsphase bewirken“, so der Dermatologe. Neues Gewebe bildet sich schneller, die Wunde verschließt sich in kürzerer Zeit. Auch OP-Wunden mit bündigen Rändern, die vernäht werden (primäre Wundheilung), schließen sich schneller und Infektionen treten seltener auf, wenn die Vakuumpumpe zum Einsatz kommt.

Dafür wird die Wunde zunächst luftdicht abgedeckt. Der Verband ist über einen dünnen Schlauch an eine elektrische Pumpe angeschlossen. Diese erzeugt einen Unterdruck, indem sie Wundflüssigkeit stetig absaugt. Die Wunde wird auf diese Weise einerseits besser durchblutet, andererseits feucht gehalten. Die Anlage ist zwar zunächst etwas aufwändiger, dafür entfällt der tägliche Verbandwechsel. Nach drei bis vier Tagen kann das vorläufige Ergebnis bewertet, die Therapie je nach Bedarf über Tage oder Wochen fortgesetzt werden. „Die Indikation ist inzwischen sehr breit und viele Wunden können auf diese Weise behandelt werden“, sagt Mechlin. Auch gebe es mittlerweile eine Auswahl an Systemen: Solche zum Beispiel, die kontinuierlich saugen oder auch solche, die leicht infizierte Wunden zugleich mit antiseptischer Lösung spülen und saugen.

Allerdings: „Die Ursache der Wunde ist davon völlig unabhängig zu sehen“, betont Mechlin, die Ursachenbehandlung stehe immer noch an erster Stelle. „Bedingt eine Durchblutungsstörung etwa ein offenes Bein, kann die Vakuumtherapie die Dauer bis zur Abheilung verringern – aber erst nachdem durch einen Stent oder Bypass die Situation wieder dramatisch verbessert worden ist“, sagt Axel Mechlin.

Gleichwohl lohne die Auseinandersetzung mit dem Verfahren. Das entsprechende Knowhow, hilfreiche Tipps und Kniffe für Kollegen und Kliniken, die noch keine oder wenig Erfahrungen mit der Technik aber Interesse an deren Einführung haben, bietet die wissenschaftliche Sitzung den nötigen Input – und nicht zuletzt soll der fachliche Austausch beim Nürnberger Wundkongress eventuell bestehende Hürden abbauen.

 

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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