DE: Unsere Erwartungen an die Gesundheitsminister

(C) DBfK

Aus Anlass der morgen in Düsseldorf stattfindenden Gesundheitsministerkonferenz der Länder verweist der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) auf die drängenden Probleme im deutschen Gesundheitswesen. Viel zu lange wurde in Bund und Ländern ignoriert, dass der Fachkräftemangel in der Pflege in allen Sektoren zu einer gravierenden Gefährdung alter und kranker Menschen geführt hat. Die Versorgungsmängel sind eklatant, das Vertrauen der Bevölkerung in die bedarfsgerechte Leistungsfähigkeit und die Reformfähigkeit des Systems ist drastisch gesunken. Professionell Pflegende ziehen sich nach vielen Jahren chronischer Überlastung und fehlender Aussicht auf Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen resigniert zurück aus ihrem Beruf. Auch ihnen ist längst das Vertrauen abhanden gekommen, dass die Politik tatsächlich wirksame Schritte hin zu einer schnellen und deutlich spürbaren positiven Veränderung der Arbeitsbedingungen einleiten will und umsetzen kann. In unserem durchökonomisierten Gesundheits- und Pflegesystem hat der unverzichtbare Gehalt pflegerischer Arbeit keinen Platz und keinen Wert mehr. Pflege wird konsequent reduziert auf das Verrichten von Einzeltätigkeiten – und das möglichst preiswert. Kranke und pflegebedürftige Menschen betrachtet man weitgehend als Aufwand bzw. als Erlösbringer, nicht als Individuen mit sehr berechtigten Ansprüchen und Bedürfnissen.

Diese Fehlentwicklungen wurden lange hingenommen und haben inzwischen ein Ausmaß erreicht, das einfach nicht mehr toleriert werden darf. Das Land braucht auf allen Ebenen einen grundsätzlichen Paradigmenwechsel im Gesundheits- und Pflegesystem. Unsere Vorschläge dazu liegen seit langem auf dem Tisch. Das System muss dem hilfebedürftigen Menschen dienen, nicht umgekehrt. Dies impliziert, dass die individuellen Bedürfnisse kranker und/oder pflegebedürftiger Personen im Vordergrund stehen und ihre Lebensqualität, ihr Recht auf Würde, ihre Autonomie und ihre Schutzbedürftigkeit Rechtfertigung und Ziel jeden Handelns sind. Gerade hier können professionell Pflegende ihr Potenzial entfalten, wenn sie die Chance dafür bekommen. Dafür brauchen sie aber

  • eine gute Fachausbildung,
  • genügend Zeitressourcen,
  • Perspektiven für berufliche Weiterentwicklung,
  • wirksame Anreize und Anerkennung ihrer Leistung im System,
  • interprofessionelle Zusammenarbeit auf Augenhöhe,
  • Entscheidungsbefugnisse und Autonomie.

Versprochen wurde schon viel, geändert hat sich wenig. Die Glaubwürdigkeit der Politik macht sich aber nicht an Lippenbekenntnissen, sondern am überzeugten und überzeugenden Handeln fest. Wir erwarten, dass die Gesundheitsminister zu überzeugenden Entscheidungen finden.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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