DE: Tag der Organspende am 3. Juni Organspendeausweis: Die Entscheidung zählt

Noch lange nicht so selbstverständlich wie das Handy?

(C) Andreas Steeger

Frankfurt am Main (ots) – Einfach das Handy aus der Tasche ziehen und im Notfall Hilfe holen? Für 90 Prozent der Bundesbürger über 14 kein Problem.* Aber im Ernstfall vielleicht selbst ein Leben retten? Nur 32 Prozent haben laut Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ihren Willen zur Organspende in einem ausgefüllten Organspendeausweis dokumentiert. Oft fehlt es lediglich an Informationen, um sich zu entscheiden. Am 3. Juni, dem Tag der Organspende, stehen Information und Aufklärung rund um die Organspende im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Der Tag der Organspende ist ein bundesweiter Aktionstag, der seit 1983 jedes Jahr am ersten Samstag im Juni stattfindet. Er bietet unter dem Motto „Richtig. Wichtig. Lebenswichtig.“ einen Anlass, über Organspende aufzuklären und auf die gesamtgesellschaftliche Dringlichkeit des Themas hinzuweisen.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe erklärt: „Organspende geht uns alle an. Denn jede und jeder von uns kann schon morgen selbst auf ein Spenderorgan angewiesen sein. Ich wünsche mir, dass mehr Menschen mit einem Organspendeausweis deutlich machen, dass sie eine Entscheidung getroffen haben. Es geht darum, sich zu informieren, zu entscheiden und mit der eigenen Familie darüber zu sprechen.“

Mehr gesellschaftliche Anerkennung für Organspender und ihre Angehörigen wünscht sich Dr. Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation. Für ihn ist die Organspende das größte Geschenk, das ein Mensch einem anderen hinterlassen kann. Mit einem Beispiel verdeutlicht er: „Im Jahr 1983 erhielt das weltweit erste Mobiltelefon seine Zulassung, die ersten Organspendeausweise wurden in Deutschland sogar schon im Jahr 1971 verteilt. Doch so selbstverständlich wie inzwischen das Handy ist der Organspendeausweis leider noch nicht.“

Dabei ist der handliche Ausweis im Scheckkartenformat ein Ausdruck von Selbstbestimmung und bietet nicht nur die Möglichkeit, seine Entscheidung zu dokumentieren, sondern auch die Gewissheit, seine Angehörigen im Ernstfall von dieser schwierigen Frage zu entlasten. Wie die Entscheidung ausfällt, ist jedem selbst überlassen. Sie kann auch jederzeit rückgängig gemacht und geändert werden. Es gibt die Möglichkeit, einer Organspende zuzustimmen, sie auf bestimmte Organe und Gewebe zu beschränken oder eine Spende abzulehnen. Darüber hinaus kann die Entscheidung auch auf eine Person des Vertrauens übertragen werden.

Der Tag der Organspende soll die gesellschaftliche Bedeutung des Themas einmal im Jahr gezielt in den Mittelpunkt stellen. Die Entscheidung für eine Organspende wird uneigennützig getroffen, sie bedeutet ein altruistisches Geschenk an die Mitmenschen über den eigenen Tod hinaus. „Die Menschen, die sich dafür entschieden haben oder diese Entscheidung für ihre Angehörigen getroffen haben, verdienen eine gesellschaftliche Würdigung – denn sie spenden selbstlos und ohne eine Gegenleistung zu erwarten – sie spenden, weil sie helfen wollen“, betont Egbert Trowe, selbst seit über 15 Jahren transplantiert und Vertreter der Patientenverbände. Der Tag soll deshalb auch dazu dienen, den Organspendern und ihren Angehörigen für ihre Entscheidung zu danken.

Bundesweit erinnern sich Organempfänger dieses Jahr am 3. Juni an ihre Transplantation, denken an den unbekannten Spender und werden sich noch einmal ganz bewusst darüber, wie viele Lebensjahre, Freude und neue Lebensqualität sie der Organspende verdanken.

Auf der zentralen Großveranstaltung zum Tag der Organspende, die jedes Jahr in einem anderen Bundesland stattfindet, kommt dies deutlich zum Ausdruck. Sie beginnt in diesem Jahr in Erfurt mit einem ökumenischen Dankgottesdienst in der Predigerkirche. Beim Bühnenprogramm auf dem Domplatz unterstützen Prominente wie Mary Roos und Laith Al-Deen das Thema musikalisch. Die Schirmherrschaft hat der Ministerpräsident des Freistaats Thüringen, Bodo Ramelow, übernommen. Annette Widmann-Mauz, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit, und Heike Werner, Thüringer Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, eröffnen das Programm.

Auch in diesem Jahr werden sich bei der Aktion „Geschenkte Lebensjahre“ wieder möglichst viele Organempfänger auf der Bühne versammeln und ihren Beitrag zu der Gesamtzahl der geschenkten Jahre leisten. Seit 1963 konnten in Deutschland über 128.000 Organe transplantiert werden. Für viele Patienten ist eine Transplantation die letzte Hoffnung auf ein neues Leben oder eine bessere Lebensqualität.

Alle Infos zur zentralen Veranstaltung zum Tag der Organspende 2017 in Erfurt Schirmherrschaft: Ministerpräsident des Freistaats Thüringen Bodo Ramelow Motto: „Richtig. Wichtig. Lebenswichtig.“ Wo: Domplatz Wann: 10 bis 18 Uhr Was: Ökumenischer Dankgottesdienst in der Predigerkirche Bühnenprogramm mit Musik und Gesprächsrunden Informationsstände Aktionen Wer: Bundesverband der Organtransplantierten e.V., Bundesverband Niere e.V., Lebertransplantierte Deutschland e.V., Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Deutsche Stiftung Organtransplantation, Deutsche Transplantationsgesellschaft

Infotelefon Organspende

Am Samstag, 3. Juni, bietet das Infotelefon Organspende von 9 Uhr bis 14 Uhr zusätzliche Sprechzeiten. Ein qualifiziertes Team gibt unter der gebührenfreien Rufnummer 0800 90 40 400 individuelle Antworten auf Fragen zur Organspende und Transplantation. Das Infotelefon Organspende ist ansonsten montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr erreichbar. Der Organspendeausweis sowie kostenlose Informationsmaterialien können dort telefonisch oder per E-Mail an infotelefon@organspende.de bestellt werden.

*Quelle: Meinungsforschungsinstitut Aris, im Auftrag der Bitkom vom August 2013

Markus Golla
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Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Lehrer für Gesundheit- und Krankenpflege (Studium Umit/Wien)

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