DE: Studie zur Patientensicherheit in der ambulanten Versorgung zeigt Verbesserungspotential: Zeit für Mut zum Handeln, nicht für Skandalisierungen

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Berlin – Eine Forschergruppe rund um Professor Max Geraedts hat erstmals mittels einer Bevölkerungsbefragung erhoben, wie viele Patientensicherheitsprobleme den Bürgerinnen und Bürgern in der ambulanten Versorgung auffallen und wo die Schwerpunkte der berichteten Probleme sind. Das Aktionsbündnis Patientensicherheit begrüßt die Erhebung und ruft dazu auf, die Ergebnisse konstruktiv zu nutzen, um Verbesserungen in der Patientensicherheit in der ambulanten Versorgung zu entwickeln und umzusetzen.

Das Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) setzt sich seit mittlerweile fast 15 Jahren dafür ein, einen offenen Blick auf Probleme der Patientensicherheit zu richten und aus Fehlern für die Zukunft zu lernen. Dafür ist es von zentraler Bedeutung, dass es nicht zur Skandalisierung kommt: Dass überall Fehler auftreten, wo Menschen arbeiten, ist normal – gerade auch in ambulanten Praxen, in denen viele Menschen mit unterschiedlichsten Anliegen zum Teil unter erheblichem Zeitdruck und oft ohne kurzfristige kollegiale Rücksprache- und Korrekturmöglichkeiten medizinisch betreut werden. Auch kommen hier viele Schnittstellenprobleme zum Tragen. Deshalb ist es wichtig, die jetzt erstmals vorliegenden quantitativen Ergebnisse zu den berichteten Patientensicherheitsproblemen nicht als Überraschung einzustufen. Es ist ein Verdienst der jetzt vorliegenden Studie, hier erstmals einen Einblick in den Umfang der Patientensicherheitsprobleme und deren Verteilung zu ermöglichen.

„Im Krankenhausbereich gab es vor 15 Jahren, zur Gründungszeit des APS, mutige Ärztinnen und Ärzte, die sich sogar in der BILD-Zeitung dazu bekannt haben, dass ihnen Fehler unterlaufen sind. Das hat den Weg freigemacht für viele Verbesserungsansätze und mehr Offenheit, um Fehler nicht zu vertuschen, sondern ihre Ursachen zu suchen und zu reduzieren,“ sagt Dr. med. Ruth Hecker, Vorsitzende des APS. „Ich wünsche mir von den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen den gleichen Mut, denn nur durch genaues Hinsehen können wir erreichen, dass sich etwas verbessert!“

Befragungen zur Patientensicherheit sind grundsätzlich schwierig, weil die Einschätzung von professionellen Kräften und Betroffenen über Vorliegen, Schwere und Ursachen von Patientensicherheitsproblemen variiert und es derzeit keine Routinedaten gibt, die hier Auskunft geben könnten. Gerade für die ambulante Versorgung reicht es auch nicht aus, die Behandlungsakten auszuwerten, da die Patientinnen und Patienten die Praxen unmittelbar nach der Behandlung und damit möglicherweise wieder verlassen, lange bevor Auswirkungen auftreten. Entsprechend erfahren nicht selten auch die behandelnden Ärztinnen und Ärzte gar nicht vom Patientensicherheitsproblem.

„Im APS sind wir davon überzeugt, dass es von unschätzbarem Wert ist, die Patientinnen und Patienten selbst einzubeziehen, um die Sicherheit in der Versorgung zu bewerten und zu verbessern. Deshalb gibt das APS auch zahlreiche Patienteninformationen heraus, die die Menschen dabei unterstützen, selbst zu ihrer Sicherheit beizutragen,“ sagt Marcel Weigand, Generalsekretär des APS. „Eine Bürgerbefragung zur Abschätzung der Größenordnung von Patientensicherheitsproblemen im ambulanten Bereich ist folgerichtig.“

 

Zum Hintergrund: In der Zeitschrift BMJ Open ist Anfang der Woche die Vorstellung der Studie von Professor Geraedts und seinem Team erschienen (abrufbar unter: https://bmjopen.bmj.com/content/10/2/e034617.full). Die Studie wurde auch bereits auf der letztjährigen Jahrestagung des APS vorgestellt. Auch dieses Jahr werden wieder Themen rund um die Patientensicherheit, auch im ambulanten Bereich, auf der Jahrestagung des APS am 14. und 15. Mai 2020 in Berlin diskutiert. Der Programmentwurf der Tagung ist online unter: https://www.aps-ev.de/aps-jahrestagung2020/.

 

Über das Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS):

Vertreter der Gesundheitsberufe, ihrer Verbände, der Patientenorganisationen sowie aus Industrie und Wirtschaft haben sich im Aktionsbündnis Patientensicherheit e. V. (APS) zusammengeschlossen, um eine gemeinsame Plattform zur Verbesserung der Patientensicherheit in Deutschland aufzubauen. Zusammen entscheiden und tragen sie die Projekte und Initiativen des Vereins.

Das Aktionsbündnis Patientensicherheit e. V. (APS) wurde im April 2005 als gemeinnütziger Verein gegründet. Es setzt sich für eine sichere Gesundheitsversorgung ein und widmet sich der Erforschung, Entwicklung und Verbreitung dazu geeigneter Methoden.

Mehr Informationen finden Sie unter www.aps-ev.de

 

Bei Abdruck lassen Sie uns bitte einen Beleg zukommen – vielen Dank!

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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