DE: Stellungnahme zu ,,Team Wallraff- Undercover in Psychiatrien und Jugendhilfe“

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Die in dem Bericht des Team Wallraff gezeigten Zustände in den Psychiatrien Frankfurt Höchst, „Furtbachkrankenhaus“ in Stuttgart, ,,Vivantes Klinikum“ in Berlin-Spandau sowie die gezeigten Vorkommnisse in der Jugendhilfeeinrichtung „Wanderath“ sind skandalös und verstörend.

Die in den psychiatrischen Einrichtungen gefilmten Zustände erinnern an die Bedingungen psychiatrischer Einrichtungen vor der Psychiatrie-Enquete. Die in dem Bericht gezeigten Einrichtungen psychiatrischer Behandlung und Versorgung sind Beispiele einer längst überwunden geglaubter „Verwahrpsychiatrie“. Fernab aktueller fachlicher Standards werden dort offenbar Menschen lediglich mit Psychopharmaka versorgt, aber ansonsten sich selber, der Dynamik ihrer jeweiligen Erkrankung und dem Chaos der geschlossenen Aufnahmestation überlassen.

Unter derart menschenunwürdigen Zuständen ist an Linderung seelischer Not und Genesung nicht zu denken. Im Gegenteil ist davon auszugehen, dass insbesondere verletzliche, schutz- und hilfebedürftige Menschen hier (erneut) Traumatisierungen erfahren.

Einrichtungen der Jugendhilfe haben junge Menschen zu fördern und ihr Wohlergehen zu achten. Mitarbeitende haben wertschätzende und förderliche Beziehungen zu den Jugendlichen aufzubauen, um so deren persönliches Wachstum zu ermöglichen. Die in dem Bericht gezeigten Bestrafungsaktionen bewegen sich diametral zu einem an der Menschenwürde orientierten Erziehungsauftrag.

Menschenunwürdige Zustände in Psychiatrien und Jugendhilfeeinrichtungen sind anzuklagen und sofort abzustellen!

Die für die Patientenversorgung und Erziehungshilfe zuständigen Behörden und Aufsichtsinstitutionen (Medizinischer Dienst der Kassen, Besuchskommissionen, Landesämter Krankenhauswesen, Patientenbeauftragte, Psychiatriereferent*innen, unabhängige Beschwerdestellen, Heimaufsichten, Landesjugendämter u.a.) sind aufgefordert, die Ursachen der gezeigten Missstände zu analysieren und entsprechende Maßnahmen zu treffen, die solche skandalösen Zustände in Zukunft verhindern. Die Politik in den Ländern und im Bund ist aufgefordert, die Missstände zur Kenntnis zu nehmen und entsprechende Abhilfen i.R. ihrer gesetzgeberischen Verantwortung und ihrer Möglichkeiten unmittelbar durchzuführen. Menschen mit einer psychischen Erkrankung und Kinder/Jugendliche mit Hilfebedarf benötigen dringend unserer aller Unterstützung. Angebote für diese Menschen sind nach menschenwürdigen und den aktuellsten fachlichen Standards in ausreichender Häufigkeit und Intensität und mit einer guten personalen Ausstattung mit medizinischen, pflegerischen, psychologischen und pädagogischen Fachkräften vorzuhalten.

Die Rahmenbedingungen der psychiatrischen Behandlung und Versorgung und der Jugendhilfe müssen so gestaltet sein, dass sie fachlich gute und patienten- und klientenorientierte Arbeit ermöglichen!

Einrichtungen der Psychiatrie und Jugendhilfe bedürfen stärkerer öffentlicher Kontrolle. Als teilweise geschlossene institutionelle Behandlungs- und Erziehungsangebote stehen sie in der Gefahr, nicht in ausreichendem Maß die Belange der ihnen anvertrauten Menschen wahrzunehmen. Regelmäßige Berichte sind durch die Verantwortlichen in Verwaltung und Politik von den Akteuren in den Feldern Psychiatrie und Jugendhilfe einzufordern.

Patientenrechte und Kinderechte sind zu achten und konsequent anzuwenden!

Stellungnahme des Geschäftsführenden Vorstandes der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie e.V. (DGSP) zur RTL-Sendung ,,Team Wallraff- Undercover in Psychiatrien und Jugendhilfe“ vom 18. März 2019

Markus Golla
Über Markus Golla 4630 Artikel
Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Studiengangsleitung (FH) und Vortragender im Bereich Gesundheits- und Krankenpflege, Kommunikation & Projektmanagement, Pflegewissenschaft BScN (Absolvent UMIT/Wien), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Masterstudent Pflegewissenschaft (UMIT/Hall)

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