DE: Rahmenlehr- und Rahmenausbildungspläne für die neue Pflegeausbildung

Stellungnahme von Prof. Dr. Karl-Heinz Sahmel

Ende Juni wurden die Rahmenlehr- und Rahmenausbildungspläne für die neue Pflegeausbildung gemäß § 53 des Pflegeberufegesetzes an den Bundesgesundheitsminister und die Bundesfamilienministerin übergeben. Wenige Wochen später ist dieser Orientierungsrahmen im Internet veröffentlicht worden.

Hier eine aktuelle Stellungnahme von Prof. Dr. Karl-Heinz Sahmel.

Nach der ersten Lektüre der 324 Seiten möchte ich zunächst einmal der Kommission meinen großen Respekt aussprechen. Wenn man bedenkt, dass die ehrenamtlichen ExpertInnen ein Gesamtkonzept für die inhaltliche Ausgestaltung der künftigen generalistischen Pflegeausbildung in knapp einem halben Jahr vorgelegt haben – Chapeau. Mich überzeugen die grundsätzlichen Überlegungen zu Bildung, Pflege und Kompetenzen. Sodann hat man die in der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung in differenzierten Kompetenzbereiche Bestimmungen elf neuen Curricularen Einheiten zugeordnet. Eine Mammutaufgabe.

Rahmenpläne können nur allgemein bleiben. Es gibt einige kleinere Angebote für die Umsetzung der Vorgaben. Hier sind nun die schulinternen Curriculum-Kommissionen gefordert, Ziele, Inhalte und Kompetenzen genauer abzustimmen. Und vor allem bezüglich der Ausbildungspläne gibt es noch großen Konkretisierungsbedarf mit den praktischen Ausbildungsstätten.

Die Pflegeschulen und die Träger der praktischen Ausbildungen können nun allerdings nicht sofort in die konkrete Umsetzung der Rahmenlehrpläne gehen. Im Gesetz ist vorgesehen, dass die Länder hier noch Eingriffe vornehmen können. Auf der anderen Seite: ja, die einzelnen Schulen müssen jetzt innerhalb des vorgegebenen Rahmens Curricula entwickeln, in denen die bisher vermittelten Inhalte auf die neue Kompetenz-Struktur übertragen werden und innerhalb derer das besondere Profil der Bildungseinrichtung deutlich wird.

Und vor allem muss die Pflegepraxis in die neue Ausbildung einbezogen werden. Es wird zukünftig andere Pflegekräfte geben – die Praxis erwartet aber möglichst solche Kräfte, die die anstehende Arbeit bald übernehmen können. Angesichts des gegenwärtigen großen Personalmangels, der in der Zukunft eher noch zunehmen wird, ist das eine berechtigte Erwartung. Im Rahmen der neuen Ausbildung sollen die Praxisstellen aber weitergehende Funktionen bekommen.

Wenn in der theoretischen Ausbildung exemplarisch gelernt werden muss, da sonst die Stoffmenge nicht angemessen bewältigt werden kann, muss in der Praxis der Transfer stattfinden. Die Prinzipien müssen auf konkrete Fälle angewendet werden. Das braucht Zeit und Raum für Bildung und Lernen. Auszubildende dürfen nicht mehr zu Lückenfüllern für fehlende Arbeitskräfte werden. Im Gegenteil: die Fachkräfte müssen die Lernprozesse der Auszubildenden in der Praxis anregen und unterstützen! Es geht um gemeinsame Prozesse der Reflexion.

 

Es wird allerdings wohl nicht zu einem flächendeckenden Start zum 1. Januar 2010 kommen. Viele Ausbildungsstätten (vor allem in der Altenpflege und in der Kinderkrankenpflege) planen, noch in diesem Herbst Ausbildungen nach den alten gesetzlichen Bestimmungen zu beginnen. In Bildungseinrichtungen, die ich berate, versuche ich den Druck etwas heraus zu nehmen indem ich darauf hinweise, dass alle Mitarbeiter der Einrichtungen sich intensiv mit den neuen Zielsetzungen auseinandergesetzt haben müssen – das ganze Curriculum muss aber nicht zum Ausbildungsbeginn vorliegen. Da kann man stufenweise angehen: zunächst Einführungsblock, dann erstes Ausbildungsjahr, zweites Jahr, dann drittes Jahr (besonders schwierig wegen der Schwerpunktsetzung).. Schulen brauchen da einen langen Atem und eine gute curriculare Steuerungsgruppe, die mit dem Schulteam vernetzt ist. Mindestens genauso wichtig ist die Abstimmung mit den Trägern der praktischen Ausbildung. Die dort drohenden Interessenkonflikte müssen ausgetragen werden!

 

Für die Pädagogen stellt die Umsetzung der neuen Pflegeausbildung eine große Herausforderung dar. In den Hochschulen sind Fragen der Professionalisierung der Pflege und zur Kompetenzorientierung der Bildungsprozesse in den letzten Jahren breit diskutiert worden. Ich denke, die Absolventinnen und Absolventen haben viele Impulse der modernen Berufspädagogik aufgenommen. Jetzt brauchen die Lehrenden Raum für Diskussion und Innovation. Eine neue Ausbildung kann nicht en passant umgesetzt werden.

Wichtig ist, dass in diese Prozesse auch die PraxisanleiterInnen einbezogen werden. Ein guter erster Schritt ist die Ausweitung der Weiterbildung von 200 auf 300 Stunden. Jetzt müssen noch mehr PraxisanleiterInnen freigestellt werden, um die künftigen Veränderungen gemeinsam in Angriff zu nehmen.

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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