De: Pflegestatistik veröffentlicht – Dringender Handlungsbedarf

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Im Dezember 2015 waren in Deutschland 2,86 Millionen Menschen pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes (SGB XI). Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, hat die Zahl der Pflegebedürftigen im Vergleich zum Dezember 2013 um 234.000 (+ 8,9%) zugenommen. Das geht aus der jetzt veröffentlichten Pflegestatistik von 2015 hervor.

Demnach wurden annähernd drei Viertel (73% oder 2,08 Millionen) aller Pflegebedürftigen zu Hause versorgt. Davon wurden 1,38 Millionen Pflegebedürftige in der Regel allein durch Angehörige gepflegt. Weitere 692.000 Pflegebedürftige lebten zum Stichtag 2015 ebenfalls in Privathaushalten. Sie wurden jedoch zusammen mit oder vollständig durch ambulante Pflegedienste versorgt. Gut ein Viertel (27% oder 783.000 Pflegebedürftige) wurde in Pflegeheimen vollstationär betreut.

Mehr Einrichtungen und mehr Pflegebedürftige
Gestiegen ist die Anzahl der stationären Pflegeeinrichtungen, und zwar um 566 auf 13.596 Pflegeheime. Im ambulanten Bereich gibt es 578 Pflegedienste mehr (2015: 13.323 Pflegedienste). Im Vergleich zum Dezember 2013 ist die Zahl der in Heimen vollstationär versorgten Pflegebedürftigen um 2,5% (+ 19.000) gestiegen. Bei der Pflege zu Hause ist die Zunahme mit + 11,6% (+ 215.000 Pflegebedürftige) deutlich höher, was auch auf die Reformen der Pflegeversicherung zurückzuführen sei, so Destatis.

Pflegepersonal hinkt hinterher
Die Anzahl der Beschäftigten ist in der stationären Pflege auf 730.145 Beschäftigte (plus 6,5%) gestiegen. In den ambulanten Pflegediensten ist ein Plus von 11,1% zu verzeichnen (2015: 355.613 Beschäftigte). Für den Bereich der Grundpflege liegt der Beschäftigungsanstieg in der ambulanten Pflege jedoch mit 8,9% darunter. Ähnliches gilt auch für den stationären Bereich: Für die Pflege und Betreuung liegt der Beschäftigungsanstieg bei 4%, in der sozialen Betreuung bei 3,5%. Weit überproportional sind dagegen mit 77,2% die Beschäftigtenzahlen im Bereich „Zusätzliche Betreuung“ gestiegen. Deutlich wird somit, dass sich die Kluft zwischen der steigenden Zahl der Pflegebedürftigen und dem für ihre direkte Pflege zur Verfügung stehenden Personal auch zwischen den Jahren 2013 und 2015 vergrößert hat. Damit ist nach wie vor keine Entlastung des Pflegepersonals in Sicht. Ihre körperliche und psychische Belastung nimmt weiter zu. Das ist ein Warnsignal für die Bundesregierung. Der Deutsche Pflegerat fordert dazu auf, die Maßnahmen gegen den Personalmangel in der Pflege die kommenden Jahrzehnte endlich an die erste Stelle zu setzen.

Altersstruktur: 400.000 Beschäftigte fehlen bis 2030
38% der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der ambulanten Pflege waren 2015 bereits 50 Jahre und älter. In der stationären Pflege waren es 40%. Im Ergebnis ergibt sich daraus, dass allein aufgrund der vorliegenden Altersstruktur bis zum Jahr 2030 rund 400.000 Beschäftigte fehlen bzw. ersetzt werden müssen. Bedenklich ist nach wie vor auch, dass mit 69% in der ambulanten Pflege und mit 63% in der stationären Pflege zwei Drittel der Beschäftigten in Teilzeit arbeitet. Ein Teil der Teilzeitbeschäftigung ist sicherlich bedingt durch die von den Pflegebedürftigen vorgegebenen Arbeitsabläufe sowie durch die eigene Work-Life-Balance. Nicht vergessen werden darf dabei, dass die Pflege hauptsächlich von Frauen geleistet wird. Doch hohe Teilzeitquoten, verknüpft mit den in der Altenpflege vorherrschenden niedrigen Löhnen, führt häufig zu Altersarmut. Es besteht daher dringender Handlungsbedarf. Der Blick auf die Ausbildungszahlen zeigt, dass sich von den insgesamt 11.700 Auszubildenden beziehungsweise (Um-)Schülern in der ambulanten Pflege, 37% im ersten Lehrjahr befanden. Immerhin ein Fünftel (21%) absolviert die Ausbildung im Rahmen einer Umschulung. Das führt dazu, dass 41% der Auszubildenden beziehungsweise (Um-)Schüler 30 Jahre und älter sind. Ähnliches zeigen die Zahlen für die Pflegeheime. Von den 51.100 Auszubildenden beziehungsweise (Um-)Schülern befanden sich 40% im 1. Lehrjahr. Immerhin ein Achtel (13%) absolviert die Ausbildung im Rahmen einer Umschulung. Die Altersstruktur der Auszubildenden und (Um-)Schüler über 30 Jahre liegt in den Pflegeheimen bei 30%.

www.destatis.de

„Quelle: „PflegePositionen“ – Newsletter des Deutschen Pflegerats e. V., Ausgabe März 2017““ Nutzung mit freundlicher Genehmigung des deutschen Pflegerats

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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