DE: Pflegende haben sich mehr Anerkennung verdient

Generaloberin Edith Dürr zum Internationalen Tag der Pflege

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Generaloberin Edith Dürr ist Vorsitzende des Verbands der Schwesternschaften vom Roten Kreuz in Bayern e.V. und der Schwesternschaft München vom BRK e.V. Die Schwesternschaft München betreibt Kliniken an vier Standorten, insgesamt sechs Berufsfachschulen für Pflegeberufe und eine Senioreneinrichtung im Süden von München. Zum Internationalen Tag der Pflege am 12. Mai 2017 erklärt Dürr:

1967, also vor genau 50 Jahren, wurde der 12. Mai erstmals als Internationaler Tag der Pflege unserer Profession gewidmet. Das ist konsequent, denn es ist der Geburtstag von Florence Nightingale, der Begründerin der modernen Krankenpflege. Schon Nightingale hat die Pflege als eigenständigen Beruf verstanden, doch gerade in den letzten Jahrzehnten hat sich der sich rasant verändert. Die fachliche Komplexität hat extrem zugenommen, die Anforderungen an professionell Pflegende sind gestiegen, die Pflege ist heute ganz anders eingebunden in die Betreuung von alten, kranken und hilfebedürftigen Menschen und übernimmt viel mehr Verantwortung in der Gesundheitsversorgung. Gleichzeitig hat sich die Arbeit enorm verdichtet, wodurch Zeitdruck und Belastung für den Einzelnen stark zugenommen haben – ein Phänomen, das der Fachkräftemangel zusätzlich verschärft.

Die berufliche Pflege an einem Tag im Jahr in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit zu stellen ist richtig. Allerdings stellt sich die Frage, ob dadurch notwendige Veränderungen initiiert werden können. Als Vertreterin von etwa 3.500 Rotkreuzschwestern in Bayern und Vorsitzende der Schwesternschaft München vom BRK e.V. muss ich dazu leider feststellen: Trotz politischer Aktivitäten zeigen sich für die professionell Pflegenden zu wenig positive Effekte und nachhaltige Lösungen lassen auf sich warten. Die Rotkreuzschwesternschaften in Bayern und im gesamten Bundesgebiet betreiben zahlreiche Einrichtungen, Pflegedienste, Kliniken und Pflegeschulen. Als Akteure im Gesundheitswesen haben wir eine verantwortliche Rolle gegenüber Pflegekräften und zu Pflegenden. Die Gestaltungsspielräume der Träger sind ausgeschöpft. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, bedarf es politischer Lösungen!

Die Politik scheint jedoch die Notlage und die daraus resultierenden Folgen für eine pflegerisch hochwertige Versorgung der Bevölkerung immer noch zu unterschätzen: In Berlin wird an einem schalen Kompromiss zur Pflegeberufereform gearbeitet, der sich als Rückschritt entpuppen könnte und die Attraktivität des Pflegeberufs somit nicht steigern wird. In Bayern hat sich das Pflege- und Gesundheitsministerium entschieden, eine Interessenvertretung für die Pflegenden zu etablieren, die in Wahrheit eine Absage an den dezidierten Wunsch der Berufsgruppe nach einer Pflegekammer darstellt. Die Vereinigung der Pflegenden in Bayern wird nicht mit den Kompetenzen ausgestattet sein, die nötig wären, um den Herausforderungen erfolgreich begegnen zu können. Der bayerische Sonderweg führt bundespolitisch in eine Sackgasse. Wenn sich in absehbarer Zeit Landespflegekammern auf die Einrichtung einer Bundespflegekammer einigen, bleiben bayerische Pflegende außen vor.

Darum gilt für mich der Internationale Tag der Pflege symbolisch als Dank an die Berufsgruppe, und gleichzeitig fordere ich die Politik auf endlich nicht mehr über die Pflege sondern mit ihr zu sprechen. Denn die Profession selbst ist ein Teil der Lösung.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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