DE: Pflegende Angehörige mit Entlastungsangeboten zusammenbringen

Online-Intensivworkshop für Betroffene und Expert*innen im Projekt reges:BOR

Erwerbstätige pflegende Angehörige brauchen Unterstützung, um die eigene Gesundheit nicht aus den Augen zu verlieren. (Foto: Stocksy/Jovana Milanko)

Einen Angehörigen zu pflegen bedeutet seelische und körperliche Belastung. Wenn der Beruf zusätzlich Zeit und Ressourcen fordert, bleibt kaum Zeit für das eigene Wohlergehen. So geht es auch vielen erwerbstätigen pflegenden Angehörigen im Kreis Borken. Wie man ihre Situation verbessern kann, werden Betroffene und Expert*innen im Mai in einem Online-Intensivworkshop des regionalen Gesundheitsförderungsnetzwerkes reges:BOR – ein Projekt der FH Münster – erarbeiten. Die Anmeldephase für Interessierte ist nun angelaufen.

Pflegende Angehörige sind der größte Pflegedienst Deutschlands: In NRW werden 79 Prozent aller Pflegebedürftigen zu Hause betreut. Allein im Kreis Borken leben knapp 5.700 Pflegebedürftige in ihren eigenen vier Wänden, viele (zusätzlich) gepflegt von ihren Kindern, Geschwistern oder Eltern – meist neben der eigenen Berufstätigkeit und der eigenen Familie, oft sogar über räumliche Distanz hinweg.

Diese „Erwerbstätigen pflegenden Angehörigen“ sind mehrfach belastet. Ein Intensivworkshop des regionalen Gesundheitsförderungsnetzwerkes reges:BOR will nun gemeinsam mit Bürger*innen, Betroffenen und Expert*innen Möglichkeiten zu ihrer Entlastung oder zur besseren Koordination der vorhandenen Angebote entwickeln. Am 28. und 29. Mai findet der Intensivworkshop „Gesundheitsförderung für erwerbstätige pflegende Angehörige“ statt, als digitale Veranstaltung per Videokonferenz. Teilnehmen können alle, die die Situation dieser Gruppe kennen und an Lösungen mitarbeiten wollen: Betroffene, Mitarbeiter*innen aus Sozialdiensten, Pflegediensten und Verwaltung sowie Unternehmen.

„Es gibt im Kreis viele Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige“, erklärt Netzwerkentwickler Kolja Heckes die Hintergründe. „Auch viele Unternehmen sind sensibel und benennen beispielsweise Pflegelotsen, die die Betroffenen beraten. Trotzdem kommen oftmals Angebote und Pflegende nicht zusammen.“ Diese Transferhemmnisse sollen in zweitägiger Arbeit gemeinsam mit Betroffenen und Expert*innen überwunden werden. In Kleingruppen, angeleitet von Trainer*innen, werden sich die Teilnehmer*innen mit konkreten Maßnahmen beschäftigen. Nach dem Intensivworkshop sollen die erarbeiteten Projekte „auf die Schiene gebracht werden“, so der Netzwerkentwickler, also im Kreis Borken installiert werden, um den Menschen direkt zu Gute zu kommen.

Für den Workshop benötigen die Veranstalter*innen den Blick von Menschen aus der Praxis. Darum freut sich das Netzwerk reges:BOR über möglichst viele Teilnehmer*innen rund um die Pflege durch erwerbstätige Angehörige. Die Teilnahme ist kostenlos. Das Anmeldeformular und weitere Informationen gibt es unter reges-bor.de.

Zum Thema: Das Gesundheitsförderungsnetzwerk reges:BOR ist ein Netzwerk zur Gesundheitsförderung und Prävention im Kreis Borken. Es ist Teil des von der Bund-Länder-Initiative „Innovative Hochschule“ geförderten Projekts münster.land.leben an der FH Münster, University of Applied Sciences.

Links:

Mehr zu reges:BOR
http://www.reges-bor.de
Pressemitteilung vom 12. Februar 2021: Was brauchen erwerbstätige pflegende Angehörige?
https://www.fh-muenster.de/hochschule/aktuelles/pressemitteilungen.php?pmid=8526

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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