DE: Pflege braucht Aufwertung – keine Eliten

(C) ver.di

Anlässlich des heute veröffentlichten Manifests „Mit Eliten pflegen“ weist die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) darauf hin, dass eine Akademisierung allein nicht die Lösung zur Aufwertung der Pflegeberufe darstelle. „Pflege ist eine verantwortungs- und anspruchsvolle Tätigkeit. Die Aufwertung der Pflegeberufe ist überfällig“, sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler. Doch das müsse für alle Pflegekräfte gelten, nicht nur für einen kleinen Teil. „Der Schlüssel liegt in einer angemessenen Bezahlung sowie guten Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen für die gesamte Pflege. Ich frage mich, ob es für die Zusammenarbeit von Pflegefachkräften unterschiedlicher Ausbildungswege dienlich ist, Beschäftigte mit Hochschulabschluss als Eliten zu bezeichnen. Zumal wenn sie die gleiche Arbeit verrichten wie Pflegefachkräfte mit der klassischen Ausbildung.“

Die Autoren des im Auftrag der Robert-Bosch-Stiftung erstellten Manifests plädieren dafür, mehr Hochschulabsolventinnen und -absolventen für die Pflegeberufe zu gewinnen. „Es stellt sich die Frage, welche besonderen Funktionen und Tätigkeiten akademisierte Pflegekräfte konkret ausüben sollen. Bislang gibt es dazu keine über-zeugenden Antworten, auch nicht mit dem neuen Pflegeberufegesetz. Die hohen Erwartungen werden im beruflichen Alltag oft enttäuscht. Das ist kein verantwortungsvoller Umgang mit jungen, engagierten Menschen“, so Bühler. „Auf keinen Fall darf es dazu kommen, dass die berufliche Pflegeausbildung geschwächt wird.“ Seit längerem gebe es Bestrebungen, die Etablierung einer hochschulischen Erstausbildung damit zu verbinden, perspektivisch die dreijährige Fachausbildung durch eine zweijährige Pflegeassistenzausbildung zu ersetzen. Das lehnt ver.di entschieden ab und spricht sich für die Weiterentwick-lung der qualitativ hochwertigen Ausbildungen aus.

ver.di fordert zudem, dass die Studierenden der hochschulischen Pflegeausbildung gegenüber den Auszubildenden nicht benachteiligt werden. „Hier muss das Pflegeberufegesetz dringend nachgebessert werden. Für die Praxisphasen von Studierenden müssen der Anspruch auf eine angemessene Vergütung und eine klare vertragliche Bindung zwischen Studierenden und Ausbildungsbetrieb bestehen“, so Bühler. „Wer die Pflegeberufe aufwerten will, muss attraktive Ausbildungs- und Studienbedingungen schaffen.“

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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