DE: Partizipatives Praxisprojekt für Sicherheitskultur in der ambulanten Pflege

Pflegebedürftige Menschen müssen sich auf ihren Gesundheitsschutz im jeweiligen Pflege-Setting verlassen können. Zur gesundheitlichen Prävention soll die Sicherheitskultur der professionellen Pflege beitragen – sie stellt eine wichtige Grundlage von Pflegequalität dar. Das ZQP führt daher das Projekt „PriO-a“ mit Pflegediensten durch, um die Sicherheitskultur in der Praxis zu stärken. Dabei wird unter anderem ein zentrales Berichts- und Lernsystem für die Pflege entwickelt.

Berlin, 30. März 2022. Pflegesicherheit ist hochrelevant für den Gesundheitsschutz pflegebedürftiger Menschen. Diese sind im Rahmen der pflegerischen Versorgung zum Teil erheblichen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt, z. B. bei der Medikation, Wundversorgung, Ernährung oder Hygiene; auch Gewaltvorkommnisse stellen eine entsprechende Gefährdung dar. Zur Prävention bzw. Verringerung solcher Risiken soll eine Sicherheitskultur in der professionellen Pflege beitragen, die in Deutschland jedoch bisher zu wenig etabliert ist. Dabei werden unter einer entsprechenden Kultur Eigenschaften, Haltungen und Kompetenzen von Organisationen und Personen verstanden, die im Verbund dafür sorgen, dass der Sicherheit der zu versorgenden Menschen höchste Aufmerksamkeit zukommt. Sicherheitskultur ist damit als eine wichtige Grundvoraussetzung für gelingendes Qualitäts- und Risikomanagement zu verstehen. Aspekte davon sind eine offene, konstruktive Kommunikation über kritische Ereignisse und der Einsatz von Instrumenten, die Reflexion und Lerneffekte fördern – etwa digitale Berichts- und Lernsysteme (CIRS: Critical Incident Reporting System) – sowie die Weiterentwicklung von als problematisch erkannten Prozessen. Die nachhaltige Etablierung von Sicherheitskultur kann damit nicht zuletzt zu einem attraktiveren Arbeitsumfeld für Pflegende beitragen.

Ziel des Projekts „Prävention in Organisationen der ambulanten Pflege (PriO-a)“ ist es daher, den Wissensstand zum Thema Sicherheitskultur im ambulanten Pflege-Setting zu fördern, in der Praxis für Pflegesicherheit zu sensibilisieren und Impulse für ein positives Arbeitsklima zu setzen. Dazu wird die partizipative Entwicklung von Sicherheitskultur in den am Projekt teilnehmenden Organisationen unterstützt. Im Rahmen des bis ins Jahr 2026 laufenden Projekts werden 15 Pflegedienste unterschiedlicher Trägerschaft bundesweit vom Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) begleitet. Über organisationsbezogene Maßnahmen und Instrumente hinaus wird am Ende des Projekts ein „Werkzeugkoffer“ mit praktisch nutzbaren Materialien für die Pflege erstellt und schließlich vom ZQP der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt. Außerdem wird ein zentrales, frei zugängliches digitales Berichts- und Lernsystem – also ein CIRS – für ambulante Dienste und stationäre Einrichtungen entwickelt.

Das praxisorientierte Präventionsprojekt schließt an Vorarbeiten des ZQP an, die unter anderem eine systematische internationale Literaturrecherche zu Interventionen bzw. Instrumenten zur Stärkung von Sicherheitskultur beinhalten sowie leitfadengestützte Interviews mit professionell Pflegenden, pflegenden Angehörigen und Expertinnen und Experten, um deren Erfahrungen und Einschätzungen zur Sicherheit in der ambulanten Pflege einzubeziehen. Die Methode von „PriO-a“ folgt dem Modell des ‚Gesundheitsförderungsprozesses‘, das im GKV-Leitfaden Prävention zur Implementierung von Prävention in Settings empfohlen wird. Kernaspekte dabei sind, die Zielgruppen einzubeziehen (Partizipation), sie zu stärkerer Eigenverantwortung zu befähigen (Empowerment) sowie langfristige Wirksamkeit zu erzielen (Nachhaltigkeit).

Für die Umsetzung von „PriO-a“ bezieht das ZQP zahlreiche Partner ein. Dazu gehören: AWO Bundesverband, Deutscher Caritasverband, Diakonie Deutschland – Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung, Deutsches Rotes Kreuz, Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband – Gesamtverband, Arbeitgeber- und BerufsVerband Privater Pflege, Arbeitsgemeinschaft Privater Heime und Ambulanter Dienste Bundesverband, Bundesarbeitsgemeinschaft Hauskrankenpflege, Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen, Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste, Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe, Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe, Aktionsbündnis Patientensicherheit.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)