DE: Offener Brief an Jens Spahn

18. August 2018 | News Deutschland | 0 Kommentare

Erhöhung der Pflegebeiträge u.

 

Sehr geehrter Herr Spahn,

wir waren gemeinsam zu Gast bei der Sendung Maisberger. Dort haben Sie mir vorgeworfen, ich würde nichts Konstruktives beitragen, als ich Sie auf Ihre Tätigkeit bei der Lobbyfirma Politas angesprochen habe. Diesen Vorwurf will ich mit diesem Brief entkräften.

Sie wollen mehr Menschen für die Pflege motivieren und neue Arbeitsplätze schaffen. Außerdem wollen Sie ein Mindestgehalt von 3000,00 Euro für Pflegefachkräfte einführen. Dazu soll Ihrer Meinung nach der Beitragssatz für die Pflegeversicherung steigen.

Ich denke, dass dies nicht nötig ist, wenn die Politik dafür Sorge trägt, dass die Gelder, die in die Pflege fließen, auch bei den Pflegebedürftigen und den Pflegekräften ankommen.

Immerhin machte der Branchenriese Korian, zu welchem u. a. die Pflegeheimketten Casa Reha und Curanum gehören, 2017 einen Gewinn von 440 Millionen (440000000) Euro. Der Gewinn der Pflegeheim-Kette Alloheim lag 2017 bei 88 Millionen (88000000) Euro. Diese gigantischen Gewinne sind möglich, da die Vergütungsvereinbarungen zum Betrug einladen.

Bei den Pflegesatzverhandlungen wird mit fiktiven Zahlen verhandelt. Der lukrativste Posten dabei ist das Personal. Hier wird mit Zahlen operiert, die mit den tatsächlichen beschäftigten Mitarbeitern nichts zu tun haben. Es wird auch nicht kontrolliert, ob die Personalkosten mit den tatsächlich vorhandenen Personal übereinstimmen. Hier hauptsächlich beim Hauswirtschaftspersonal gespart. Arbeiten und Leistungen dieser Personalgruppe werden oftmals outgesourct, oder müssen von Pflegekräften übernommen werden. Dies hat zur Folge, dass Pflegekräfte noch weniger Zeit für die eigentliche Pflege haben.

Ändern Sie die Pflegesatzverhandlungen und sorgen Sie dafür, dass nur noch für Leistungen und Personal bezahlt wird, welches auch tatsächlich vorgehalten wird.

Sorgen Sie dafür, dass Pflegesatzverhandlungen mit Bilanzen und Lohnjournalen und somit mit realen Zahlen geführt werden und nicht, wie bisher mit fiktiven Zahlen. Bei den Personalkosten kann dann eine gewisse Gewinnspanne mit eingeplant werden. Dies hätte zur Folge, dass Heime mit viel Personal mehr Gewinn machen, als Heime mit wenig Personal. Wenn dann auch noch die hauswirtschaftlichen Leistungen, welche oftmals an Tochterfirmen vergeben werden, nur noch mit einem relativ geringen Satz vergütet werden, dann lohnt es sich auch für die Heime wieder eigenes Hauswirtschaftspersonal und einen eigenen Koch einzustellen.  Außerdem sollte es verboten werden, dass Pflegepersonal fachfremde Leistungen, wie etwa Frühstück und andere Mahlzeiten zubereiten, Waschen Putzen usw. erbringen darf bzw. muss.

Es genügt nämlich nicht mehr Stellen in der Pflege zu schaffen. Es müssen auch die Arbeitsbedingungen so verändert werden, dass der Beruf wieder interessant wird und ein gutes Image erhält. Erst dann wird Ihr Plan Erfolg haben, Pflegekräfte, die dem Beruf den Rücken gekehrt haben, wieder zurückzugewinnen.

Beschneiden Sie die menschenunwürdige Gewinnsucht solcher Träger wie Korian und sorgen Sie dafür, dass die vorhanden Gelder bei den Pflegebedürftigen und beim Personal ankommen. Eine Erhöhung der Pflegebeiträge belastet die Arbeitnehmer und erhöht nur die Gewinne der großen Träger die dann noch mehr Gelder abschöpfen.

Sollten Sie sich für meinen Vorschlag erwärmen können, bin ich gerne bereits Sie mit Rat und Tat dahingehend zu unterstützen.

Da ich auch ein Gegner des derzeitigen Prüfsystems bin und weiß wie bei den Prüfungen getrickst wird, könnte ich auch dazu meine Erfahrungen zur Verfügung stellen.

Mit freundlichen Grüßen

Armin Rieger

Autor:in

  • Markus Golla

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)