DE: Mitsprache der Gesundheitsberufe darf kein leeres Versprechen bleiben

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Die Rolle der Pflege- und Gesundheitsberufe zu stärken, ist ein Anliegen der neuen Bundesregierung, das der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. (VDBD) begrüßt. Potenzial hierfür sieht der Verband vor allem in der geplanten Reform des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) hin zu mehr Mitspracherecht von Berufsgruppen wie Diabetesberater:innen. Angesichts der rasant steigenden Patientenzahlen müsse jedoch auch die Prävention mit Nachdruck vorangetrieben werden. Hier haben die Koalitionäre mit dem Werbeverbot für ungesunde Kinderlebensmittel in Formaten und Sendungen, die sich an unter 14-Jährige richten, wichtige Weichen gestellt. Allerdings kommt es bei der Umsetzung auch darauf an, Schlupflöcher zu vermeiden.

Der gestern gewählte Bundeskanzler Olaf Scholz und die von ihm geführte Bundesregierung haben in ihrem Koalitionsvertrag eine Reform des G-BA vorgesehen. Der Gemeinsame Bundesauschuss, der unter anderem darüber entscheidet, welche Leistungen von der gesetzlichen Krankenkasse finanziert werden, soll künftig die Patientenvertretung stärken und der Pflege sowie anderen Gesundheitsberufen weitere Mitsprachemöglichkeiten einräumen. „Das ist ein Vorhaben, das wir sehr begrüßen“, erklärt Dr. Gottlobe Fabisch, Geschäftsführerin des VDBD. „Allerdings lässt der Koalitionsvertrag bislang völlig offen, wie diese Mitsprachemöglichkeiten tatsächlich aussehen könnten“, so Dr. Fabisch. „Auch lässt der Nebensatz ‘sobald sie betroffen sind‘ Interpretationen zu, wann Mitsprache möglich ist. Das darf kein Freifahrtschein dafür sein, dass man die Gesundheitsberufe nur dann einbindet, wenn es politisch opportun erscheint“, betont die Geschäftsführerin.

Heute schon ist der VDBD beim G-BA zu den Disease-Management-Programmen (DMP) Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 stellungnahmeberechtigt. „Mitsprache bedeutet jedoch mehr als die Möglichkeit, Stellungnahmen abzugeben“, erklärt die VDBD-Vorsitzende Dr. rer. medic. Nicola Haller. „Die Expertise von Schulungs- und Beratungsberufen kann dazu beitragen, die Versorgung stärker an den Patientenbedürfnissen auszurichten“, so Dr. Haller.

Denn das Anliegen des VDBD ist es, Menschen mit Diabetes in die Lage zu versetzen, ein autonomes und weitgehend unbeeinträchtigtes Leben zu führen. Diabetesberater:innen begleiten und coachen Patient:innen in der Therapieumsetzung für ein Empowerment und ein optimales Selbstmanagement. Vor allem bei Patient:innen mit Diabetes Typ 2 geht es auch darum, sie dabei zu unterstützen, ihren Lebensstil zu modifizieren. Eine ausgewogene Ernährung und etwas mehr Bewegung helfen, bessere Blutzuckerwerte zu erzielen.

„Trotz guter therapeutischer Möglichkeiten wissen wir, wie herausfordernd ein Leben mit Diabetes ist. Uns ist die Prävention von Typ-2-Diabetes ein ebenso wichtiges Anliegen wie die bestmögliche Versorgung“, so Dr. Haller. Idealerweise muss die Vorbeugung schon im Kindesalter beginnen. „Daher sind wir froh, dass die Koalitionäre beschlossen haben, die Werbung für Lebensmittel mit hohem Zucker-, Fett- und Salzgehalt in Formaten und Sendungen für Kinder unter 14 Jahren zu verbieten“, erläutert Dr. Fabisch. Das sei ein großer Erfolg, den der VDBD als Mitglied der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten DANK e.V. erreicht habe. Jedoch komme es auch hier auf die weitere Ausgestaltung an. „Der große Einfluss der Sozialen Medien wird im Koalitionsvertrag nicht erwähnt, muss ins künftige Gesetz aber unbedingt Eingang finden. Außerdem müssen Sendungen in das Werbeverbot mit einbezogen werden, die überwiegend von Kindern und Jugendlichen gesehen werden, selbst wenn sie nicht speziell für diese konzipiert sind“, betont Dr. Fabisch.

Mit Blick auf optimistisch stimmende Ausführungen im Koalitionsvertrag ist der VDBD jederzeit bereit, mit seiner Expertise die Arbeit der verschiedenen gesundheitspolitischen Gremien, wie die des neuen Gesundheitsministers Professor Dr. med. Karl Lauterbach, aber auch die des Landwirtschafts- und Ernährungsministers Cem Özdemir zu unterstützen.

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)