DE: Menschen mit Demenz brauchen Pflegepotenzial statt potenter Psychopharmaka

(C) Lisa F. Young

Für den Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) sind die gestern veröffentlichten Ergebnisse des Pflege-Reports 2017 über den Einsatz von Psychopharmaka in Pflegeheimen keine Überraschung. „Der Report zeigt trotz eines Rückgangs der Verordnung von Psychopharmaka, wie dringend weiterer Handlungsbedarf besteht. Für die Betreuung von Menschen mit Demenz und den Umgang mit ihren Krankheitssymptomen gibt es wissenschaftlich evaluierte bewährte Pflegekonzepte. Sie im Alltag umzusetzen erfordert allerdings hohe fachliche Kompetenz und die nötigen Zeitressourcen. An beidem wird seit langem gespart, Personalnot und stetig zunehmender Zeitdruck führen zu einer Überlastung der Pflegefachpersonen im Umgang mit schwer demenziell erkrankten Pflegeheimbewohnern. Das Ruhigstellen durch den ‚chemischen Cocktail‘ kann und darf aber keine Lösung sein“, sagt DBfK-Sprecherin Johanna Knüppel.

Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff definiert kognitive Einschränkungen und auffällige psychische Verhaltensweisen als einen Teil dieser Erkrankung und hebt die Bedeutung der pflegerischen Betreuung im Leistungsumfang hervor. Diese Zeit muss den beruflich Pflegenden auch zur Verfügung gestellt werden. Bisher lässt man sie mit den Problemen allerdings weitgehend allein.

Der DBfK sieht den Handlungsbedarf mit den neuen Personalschlüsseln seit der Überleitung der Pflegestufen in die Pflegegrade noch nicht beendet. Zwar zielt die Entwicklung eines Personalbemessungsinstruments in die richtige Richtung, ausreichend ist dies aus Sicht des DBfK jedoch nicht. Die Politik muss langfristig nicht nur den Personalbedarf erkennen, sondern auch gesetzlich verankern. Und die Unternehmen müssen erkennen, dass sie sich heute mit schlechten und krankmachenden Arbeitsbedingungen die eigene unternehmerische Grundlage für morgen entziehen. Wer heute seine Mitarbeiter verschleißt, wird morgen keine mehr haben.

Aus- und Fortbildung in den Pflegeberufen müssen viel stärker als bisher für die Versorgung der Menschen mit Demenz qualifizieren, ein besonderes Augenmerk ist dabei auch auf nicht-medikamentöse Behandlungsformen zu richten. Letztlich zeigen die Ergebnisse des Pflege-Reports 2017 aber auch erneut, wie dringend Deutschland eine Pflegeausbildung braucht, die eine breite Basis an Fachkompetenz vermittelt und den Menschen nicht nach Altersstufen betrachtet.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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