DE: Markus Mai: Corona-Prämie verkommt zum Trostpflaster

Markus Mai

Eine Milliarde Euro nicht ausreichend für neuen Bonus

Vollzeitkräfte in der Altenpflege sollen einen Corona-Bonus von bis zu 500 Euro bekommen. Das geht aus dem Eckpunktepapier des Gesundheitsministeriums für die Umsetzung des Pflegebonus in Krankenhäusern und in der Langzeitpflege hervor. Die Gesamtsumme von einer Milliarde Euro soll jeweils zur Hälfte für Pflegefachpersonen in Kliniken und in Pflegeeinrichtungen zur Verfügung stehen. Der Pflegebonus in der Altenpflege soll laut Eckpunktepapier ab dem 30. Juni, spätestens bis zum 31. Dezember 2022, von den Arbeitgebern ausgezahlt werden. Dazu erklärt Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz:

„Wir bleiben bei unserer Position: Die Corona-Prämie kann lediglich als Trostpflaster für Pflegefachpersonen gesehen werden. Zwar ist die Auszahlung nun für alle großen Pflegebereiche eingeplant. Allerdings müssen wir festhalten, dass eine Milliarde Euro nicht ausreichen werden. Immerhin gibt es jetzt eine klare Regelung für die Altenhilfe. In dieser so wichtigen Verteilungsfrage hat die Politik Verantwortung übernommen. Das ist gut so, auch wenn man sich dieser Frage ebenso im Krankenhausbereich widmen muss.“

„Die unsägliche Schacherei auf Betriebsebene lehnen wir ab, da diese längerfristig zu einer Polarisierung innerhalb der Berufsgruppe führen wird. Auch hier müssen die politischen Akteure deutlich machen, wer die Prämie bekommt und wer nicht. Die Eingliederungshilfe muss, wie im Eckpunktepapier aufgeführt, ebenfalls mitberücksichtigt werden. Denn auch in diesem Setting der Pflege wurde während der Pandemie viel geleistet, um die betroffenen behinderten Menschen vor dem Gröbsten zu bewahren“, so Mai.

„Mit einer Milliarde Euro werden wir das Ziel einer als ausreichend empfundenen Dimensionierung dieser eh schon strittigen Prämie weit verfehlen und erneut unzufriedene Pflegefachpersonen zurücklassen. Eine Verdopplung wäre das Mindestmaß. Politiker auf Bundesebene fordern kontinuierlich verbesserte Rahmenbedingungen. Ein erster Schritt könnte demnach eine Bundesinitiative unserer Forderung von 4.000 Euro Mindestgehalt im Rahmen der TVÖD-Tarifverhandlungen sein. So würde man dann auch wieder an Vertrauen und Glaubwürdigkeit gewinnen und bräuchte keine Pflegeprämien als Trostpflaster“, sagt Mai.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)