DE: Kinder: Antibiotika im Spital oft unnötig verabreicht

Forscher analysieren Daten von 6.818 Heranwachsenden aus 41 Ländern

(C) Dan Race

Freiburg (pte016/22.03.2018/10:30) – Fast ein Drittel aller Antibiotika, die weltweit Kindern in Krankenhäusern verschrieben werden, sollten mögliche Infektionen verhindern und nicht eine Krankheit behandeln. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Universität Freiburg https://uniklinik-freiburg.de . Bei einem Großteil dieser Verschreibungen handelt es sich um Breitbandantibiotika oder Kombinationen von Antibiotika sowie Verabreichungen über einen längeren Zeitraum. Dadurch kann sich das Entstehen von resistenten Bakterien und gegen Medikamente resistenten Infektionen beschleunigen.

Bessere Sensibilisierung nötig

Laut Studienautor Markus Hufnagel handelt es sich dabei um eine übermäßige Nutzung von Antibiotika. Die Forscher hoffen, dass die im „Journal of the Pediatric Infectious Diseases Society“ veröffentlichten Ergebnisse zur Sensibilisierung im Gesundheitsbereich beitragen. Die Studie liefert eine Momentaufnahme der Antibiotikaverschreibungen bei 6.818 Kindern, die in 226 Kinderkrankenhäusern in 41 Ländern während eines Tages im Jahr 2012 behandelt wurden. Insgesamt gab es 11.899 Verschreibungen für Antibiotika. Bei 28,6 Prozent handelte es sich um einen prophylaktischen Einsatz. Bei den Kindern, die im Krankenhaus zumindest eine Verschreibung erhielten, wurde Antibiotika verabreicht, um eine mögliche Infektion zu verhindern und nicht eine bestehende zu behandeln.

Von den prophylaktisch verschriebenen Antibiotika sollten 26,6 Prozent eine mögliche Infektion bei einer bevorstehenden OP verhindern. Der Großteil der Medikamente wurde mehr als einen Tag verabreicht. Bei den verbleibenden 73,4 Prozent der prophylaktischen Verschreibungen sollten andere Arten von Infektionen verhindert werden. Mit 51,8 Prozent handelte es sich bei rund der Hälfte dieser Verschreibungen um Breitbandantibiotika. In 36,7 der Fälle wurden zwei oder mehrere systemische Antibiotika gleichzeitig verschrieben.

Praxis widerspricht Empfehlungen

Die Verschreibungspraxis widerspricht den derzeitigen Empfehlungen für eine angemessene Antibiotikaprophylaxe. Richtlinien zielen häufig darauf ab, Schmalspektrum-Antibiotika für einen kürzeren Zeitraum zu verabreichen. Damit soll das Entstehen von Antibiotikaresistenzen eingeschränkt werden. Die aktuellen Forschungsergebnisse legen klare Ziele für eine verbesserte Verschreibungspraxis bei Kindern nahe. Dazu gehören das Verringern des längeren präventiven Einsatzes von Antibiotika vor OPs, eine Einschränkung des Einsatzes von Breitbandantibiotika und die Kombination mehrerer Medikamente sowie eine generelle Reduzierung des Einsatzes von Antibiotika zur Vorbeugung und nicht zur Behandlung.

Hufnagel spricht sich allgemein für eine verbesserte Ausbildung der Mediziner, eine verbesserte Umsetzung der bestehenden Richtlinien und verbesserte Richtlinien zum prophylaktischen Einsatz für eine größere Reihe von Erkrankungen aus. Zusätzlich sollte die Kommunikation dieser Richtlinien verbessert und ihr Einsatz analysiert werden, heißt es.

Markus Golla
Über Markus Golla 4553 Artikel
Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Studiengangsleitung (FH) und Vortragender im Bereich Gesundheits- und Krankenpflege, Kommunikation & Projektmanagement, Pflegewissenschaft BScN (Absolvent UMIT/Wien), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Masterstudent Pflegewissenschaft (UMIT/Hall)

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