DE: Keine Ausgrenzung bei Bonuszahlungen!

Polarisierung innerhalb der Pflegeberufsgruppe ist inakzeptabel

In einem Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland äußerte sich Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach unter anderem zur Auszahlung einer Corona-Prämie in der Pflege. So soll diese vor allem Pflegefachpersonen bezahlt werden, die in der Coronapandemie besonders belastet waren. Nur so könne der Bonus auch in nennenswerter Höhe angesetzt werden. SPD, Grüne und FDP haben in ihrem Koalitionsvertrag festgehalten, dass es einen Corona-Bonus für Pflegekräfte geben soll. Dafür will die Ampel-Regierung eine Milliarde Euro zur Verfügung stellen. Dazu erklärt Andrea Bergsträßer, Vizepräsidentin der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz:

„Die Corona-Prämie nur an bestimmte Pflegefachpersonen auszuzahlen, halten wir nicht für den richtigen Schritt. Auch wenn das Pflegepersonal auf den Intensivstationen hervorragende Arbeit leistet, so ist festzuhalten, dass beruflich Pflegende anderer Bereiche ebenfalls einen großen Beitrag im Kampf gegen das Coronavirus leisten. Daher sind diese Überlegungen des Bundesgesundheitsministeriums eher unverständlich. Wir befürchten, dass eine solche Ausgrenzung zu einer Polarisierung innerhalb der Berufsgruppe führt. Dabei sollte jedem klar sein, dass man in der Pflege als Team arbeitet und dementsprechend eine kollektive Auszahlung der Prämie anstreben. Der Bonus kann auch in nennenswerter Höhe angesetzt werden, ohne dass hierfür eine bestimmte Gruppe außen vor gelassen wird“.

„Eine solche Prämie muss weiterhin als Tropfen auf den heißen Stein betrachtet werden. Die Debatte über eine gerechte Auszahlung hätte man sich sparen können, indem man vor Pandemiebeginn das von der Landespflegekammer geforderte Mindesteinstiegsgehalt für vollzeitbeschäftigte Pflegefachpersonen eingeführt hätte. So verhärtet sich jedoch nur der Verdacht, dass man das Pflegepersonal mit einem Bonus abspeisen möchte, um einer nachhaltigen und gerechteren Vergütungsstruktur aus dem Weg zu gehen. Ob nun Pflegebonus oder Mindesteinstiegsgehalt – wir sprechen uns entschieden gegen eine Ausgrenzung aus. Der Einsatz aller Pflegefachpersonen muss gleichermaßen honoriert werden!“, so Bergsträßer.

Hintergrund: Mit der einstimmigen Verabschiedung des Heilberufsgesetzes durch den rheinland-pfälzischen Landtag im Dezember 2014 ist die Landespflegekammer errichtet worden. Seit dem 01. Januar 2016 haben Pflegefachpersonen im Land damit eine kraftvolle Interessenvertretung erhalten. Die Landespflegekammer mit ihren gewählten Vertreterinnen und Vertretern nimmt die beruflichen, wirtschaftlichen und sozialen Belange der Mitglieder wahr.

Die Vertreterversammlung hat in der Sitzung vom 7. September 2021 den Vorstand der Landespflegekammer gewählt. Präsident der Kammer ist Dr. Markus Mai. Vizepräsidentin ist Andrea Bergsträßer. Die weiteren Mitglieder des Vorstandes sind Professorin Dr. Brigitte Anderl-Doliwa, Liesa Bach, Christoph Becker, Nina Benz, Silke Präfke, Marcel Schäfer und Sebastian Tensing.

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)