DE: Kein Optimismus in der Pflege!

Prof. Christel Bienstein

Berlin, 16.01.2019: Im Gegensatz zur Weltklimaentwicklung zeigt der heute in Berlin vorgestellte ‚Care Klima Index 2018‘ einen gegenläufigen Trend – nach unten. „Die Stimmung in der Pflege wird frostiger“, sagt das Befragungsinstitut Psyma über die Ergebnisse im Vergleich zum Vorjahr.

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) sieht angesichts der Tatsache, dass gut 49% der Befragungsteilnehmer/innen professionell Pflegende waren, hierin einen wichtigen Indikator für die Stimmung in der Berufsgruppe. „Dass die Pflegefachpersonen die wichtigen Aspekte Ansehen des Berufs, Versorgungsqualität, Zukunftsperspektiven, Arbeitsbedingungen und Personalausstattung spürbar schlechter als im Vorjahr einstufen, muss als Alarmsignal gewertet werden. Sie erkennen zwar an, dass die Politik sich des Themas Pflege angenommen hat. Großes Vertrauen in den Willen und die Fähigkeit zu spürbaren Verbesserungen bringt man der Politik aber offensichtlich (noch) nicht entgegen. Ob unter diesen Voraussetzungen das seit 1. Januar geltende Pflegepersonalstärkungsgesetz die erhoffte Wirkung entfalten kann bleibt abzuwarten“, sagt dazu DBfK-Präsidentin Prof. Christel Bienstein. „Den Rahmen für mehr Pflegepersonal hat das Gesetz gesteckt, nun liegt es an den Arbeitgebern und Vorgesetzten, glaubwürdige Angebote zu machen. Die Pflegefachpersonen allein werden jetzt darüber entscheiden, ob die Anreize ausreichen, sie in den Beruf zurück zu holen bzw. das Arbeitszeitvolumen aufzustocken. Statt darüber nachzudenken, wie man die nun geltenden Pflegepersonaluntergrenzen geschickt umgehen kann, sollten z.B. die Krankenhäuser endlich umschwenken und aus ihren Fehlern der vergangenen Jahre lernen. Heimbetreiber müssen erkennen, dass nur Investition ins Personal die Existenz des Unternehmens sichert – nicht das Schielen auf höhere Renditen. Denn die Mängel, die man sich mit verfehlter Personalstrategie in die Einrichtungen geholt hat, sind eklatant und nicht zu übersehen!“

In der Zwischenzeit verschärft sich der Pflegefachkräftemangel weiter, wie kürzlich das „Handelsblatt“ auf der Grundlage neuer Daten des Jahres 2018 der Bundesagentur für Arbeit veröffentlichte. Die Zahl der Vakanzen hat demnach im Vergleich zu 2017 weiter deutlich zugenommen, Stellen für Altenpflegefachkräfte bleiben mittlerweile im Schnitt 183 Tage unbesetzt. Auch wenn die Beschäftigtenzahlen nach oben gingen, sagt das nicht viel aus angesichts einer mehr als 50%igen Teilzeitquote. Viele Auszubildende brechen wegen der schlechten Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen ihre Pflegeausbildung vorzeitig ab bzw. münden nach ihrem Abschluss gar nicht erst in den Beruf ein.

Markus Golla
Über Markus Golla 5149 Artikel
Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Studiengangsleitung (FH) und Vortragender im Bereich Gesundheits- und Krankenpflege, Kommunikation & Projektmanagement, Pflegewissenschaft BScN (Absolvent UMIT/Wien), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Masterstudent Pflegewissenschaft (UMIT/Hall)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen