DE: Jetzt muss regiert werden – die Probleme dulden keinen Aufschub

Prof. Christel Bienstein

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) gratuliert dem designierten Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und setzt große Erwartungen in die  neue Regierung. „Sie muss die drängenden Probleme vernünftigen Lösungen zuführen, um Gegenwart und Zukunft für die Menschen in Deutschland zu gestalten. Gerade in der Pflege ist die Not besonders groß und verträgt keine weiteren Verzögerungen“, sagt DBfK-Präsidentin Prof. Christel Bienstein. „Wir brauchen und fordern wirksame Verbesserungen, zuerst und vor allem in der Pflegepersonalbemessung. Ein „Weiter so“ mit dem Hinweis, der Bewerbermarkt sei leergefegt, kann auf keinen Fall gelten. Und rechtfertigt weder fortdauerndes Nichtstun noch kontinuierliche Ausbeutung der verbliebenen Pflegefachpersonen“, so Bienstein.

Die Situation in der deutschen Pflege ist seit Jahren vom Mangel gekennzeichnet: gravierende Pflegedefizite;  sinkende Fachkraftquote; erschöpfte und ausgebrannte Pflegefachpersonen, die den immer gleichen Hinhalte-Parolen nicht mehr glauben; begründete Ängste der Bevölkerung vor Krankenhausaufenthalten und Pflegebedürftigkeit, weil sich die Versorgungsmängel längst herumgesprochen haben; ausbleibender Berufsnachwuchs und Pflegeschüler/innen, die wegen der miserablen Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen frühzeitig ihre Ausbildung abbrechen.

Der Pflegefachkräftemangel in Deutschland lässt sich nur beheben, wenn endlich die Berufsflucht gestoppt und gute, gesunde und gesetzeskonforme Arbeitsbedingungen durchgesetzt werden. Hier sind neue Ideen und innovative Konzepte, aber auch strikte Vorgaben der Politik gefragt – und sie werden Geld kosten müssen. Geld, das man jahrelang der Pflege vorenthalten hat.

Das beginnt damit, dass Pflegeschüler nicht als billige Arbeitskräfte, sondern als Fachkräfte von morgen und übermorgen betrachtet und entsprechend wertschätzend fundiert ausgebildet werden. Das A und O eines guten Arbeitsplatzes sind die erlebbaren Arbeitsbedingungen: Arbeitsvolumen und zur Verfügung gestellte Personalressourcen müssen zueinander passen. Am Personal zu sparen ist in der Pflege noch nie eine gute Idee gewesen, wer diesen Fehler macht, bekommt die Folgen schnell zu spüren. Sind erst einmal Qualitätsmängel eingetreten, hat sich ein schlechtes Arbeitgeberimage herumgesprochen, bleiben gute Bewerber und die Klienten aus, nehmen Frustration und Fluktuation zu – eine kritische Spirale, die sich kaum noch aufhalten lässt. Erfolgversprechend sind dagegen ein guter und den Aufgaben entsprechender Skill und Grade Mix, eine Personalbemessung, die Spielräume behält für Fortbildung und Gesundheitsförderung, ein vorausschauendes systematisches Ausfallmanagement und verlässliche Dienstpläne, die für gute Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sorgen.

Deutschland steckt tief im Pflegenotstand, politische und unternehmerische Fehlsteuerungen vergangener Jahre haben ihn verursacht. Pflege ist in unserer alternden Bevölkerung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und sie braucht höchste Priorität auf allen politischen Ebenen.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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