DE: History on catwalk

Geschichte der Pflege wird lebendig

Abb1: Die Models mit Modeschöpfler Tomislav Kovacevic (C) Fotograf (THD / Altmann)

Das Forum Culturale an der TH Deggendorf hat sich als lebendige und kreative Veranstaltung in der Hochschulgemeinde etabliert. Es greift Themen aus der Pflege und der Pflegebildung auf, die so nicht Teil des Curriculums sind, aber trotzdem eine Relevanz für Pflegestudierende und die Öffentlichkeit haben.

Aktuell stand das Forum Culturale ganz im Zeichen der Pflegegeschichte. Unter dem Motto „History on catwalk“ bekamen die Besucher eine Modenschau für pflegerische Arbeits- und Ordenstrachten zu sehen.

Nachgeschneidert wurden diese Trachten von Tomislav Kovacevic, selbst Krankenpfleger und im Nebenberuf Modeschöpfer. Hr. Kovacevic berichtete, dass ihn auch Erlebnisse im Pflegeunterricht dazu angeregt hätten, sich dafür einzusetzen, dass die alten Arbeits- und Ordenstrachten nicht in Vergessenheit geraten, gerade auch, weil diese im Arbeitsalltag Pflegender immer weniger präsent sind und durch moderne Berufskleidung verdrängt wurden.

Dabei haben Arbeitstrachten in der Pflege, deren Geschichte geprägt ist durch katholische Orden, wie Benediktinerinnen zu Zeiten Hildgard von Bingens, später auch durch die evangelischen Diakonissen, sowie Schwesternschaften der Caritasgemeinschaft und des roten Kreuzes, eine lange Tradition. Zudem gab es außerhalb der Ordenspflege zum 19. Jahrhundert keine andere pflegerische Organisationsform (Rabe, 2009, 23).

Die damaligen Ideologien und Werte, wie die „Imitatio Dei“, die im Diskurs über das selbstlose Dienen mündete (Kellner, 2011, 88), prägen die Pflege z.T. noch bis heute.

Modeschöpfer Kovacevic begleitete das Publikum mit seinen nachgeschneiderten Trachten und Informationen dazu durch die Geschichte der Pflege, begonnen im 12. Jahrhundert bei Hildegard von Bingen (Abb. 2) bis hin zu einer Arbeitstracht aus Kroatien um 1980 (Abb. 3). Neben vielen anderen Modellen wurde auch die Tracht der Diakonissen, ein Originalkostüm aus der ARD-Serie „Charité“ gezeigt (Abb. 4).

Die Models auf dem Laufsteg waren allesamt Pflegende – Schülerinnen der Krankenpflegeschule Deggendorf und Studierende der THD.

Nach der Modenschau nahmen auch die Models noch Stellung zu ihren teils sehr aufwändigen und oftmals unangenehm zu tragenden Trachten (Abb. 5 und 6). Hierbei wurde darüber diskutiert, wie es gewesen sein muss, damit zu arbeiten.

Der Einladung von Prof. Dr. Michael Bossle zum Forum Culturale folgten neben drei Zeitzeuginnen (Abb. 7) auch Claudia Hauck von der Caritasgemeinschaft Bayern, die Pflegewissenschaftlerin Elisabeth Linseisen und Alexandra Reinke von der Schwesternschaft des Roten Kreuzes.

Die Zeitzeuginnen belebten die anschließende Diskussion mit Berichten zur geschichtlichen Entwicklung der Schwesternschaften und ihrer Trachten. Beispielsweise wurde die Caritasgemeinschaft während der NS-Zeit gegründet, um katholische Schwestern vor der Eingliederung in die NS-Schwesternschaft zu bewahren. Außerdem konnten die Zeitzeuginnen Anekdoten zum Leben in und mit Tracht beisteuern. Unter anderem sei die Stringenz der Kleiderordnung von der Oberin des Hauses abhängig gewesen. Man sei Anfeindungen traditioneller katholischer Ordensgemeinschaften ausgesetzt gewesen und so galt die Tracht und das Tragen der Haube als ein Beweis der Anständigkeit.

Im Plenum wurde abschließend kontrovers diskutiert, ob eine einheitliche Kleidung die Pflege über Berufsgruppen hinweg einen könnte. Dabei kamen die Vorteile, wie die Außenwirkung als einheitlich auftretende Berufsgruppe und auch problematische Aspekte wie die geschichtliche Prägung von Uniformität zur Sprache.

Autor:in

  • Gesundheits- und Krankenpfleger in der Klinik für forensische Psychiatrie und Psychotherapie am Bezirksklinikum Regensburg, Student Pflegepädagogik an der TH Deggendorf

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