DE: Herz-Kreislauf-Forschung lieferte Blaupause für universitäre COVID-19-Forschung

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Das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung hat Pionierarbeit für die klinische COVID-19-Forschung geleistet, indem es 2020 seine klinische Forschungsplattform dem bundesweiten Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) zur Verfügung stellte. Ab Anfang 2022 betreibt das NUM eine eigene Forschungsplattform, die dem DZHK-Modell nachempfunden ist. Das DZHK beendet dann wie geplant die operative Mitarbeit. Die DZHK-Forschungsplattform dient somit als Blaupause für die zukünftige Forschungsinfrastruktur im NUM.

„Ohne das DZHK hätte die universitäre Corona-Forschung nicht innerhalb weniger Monate mit bundesweit angelegten Studien an den Start gehen können. Das DZHK war im April 2020 im Angesicht der Corona-Krise umstandslos bereit, seine Strukturen und sein Knowhow dem NUM zur Verfügung zu stellen“, sagt Prof. Heyo Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité – Universitätsmedizin Berlin, der das NUM ins Leben gerufen hatte. Der Leiter der NUM-Koordinierungsstelle, Ralf Heyder, ergänzt: „Von der langjährigen Erfahrung der DZHK-Partner mit der Logistik für große multizentrische Studien haben wir enorm profitiert. Wir bedanken uns für die extrem erfolgreiche Zusammenarbeit der letzten eineinhalb Jahre.“

Eine schnelle Lösung musste her

Als im März 2020 das neuartige Corona-Virus bekannt wurde, war schnell klar: Die universitäre Forschung musste sich im Kampf gegen Sars-Cov2 zusammentun. Um Daten und Bioproben von Erkrankten und Infizierten deutschlandweit zu erfassen, benötigte das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ins Leben gerufene NUM schnell eine leistungsfähige Daten- und Bioproben-Infrastruktur.

Die Forschungsplattform des DZHK wurde damals ausgewählt, weil sie für die Erforschung von COVID-19 alle Voraussetzungen erfüllte. Mit ihr lassen sich klinische Daten, Patientenproben und diagnostische Bilder pseudonymisiert und komplett digital erfassen. „Wir mussten unsere Plattform, mit der wir normalerweise multizentrische klinische Studie aus dem Herz-Kreislauf-Bereich betreiben, nur an die Besonderheit der COVID-19-Forschung anpassen und Datenerfassungssysteme und Prozesse adaptieren“, sagt Dr. Julia Hoffmann, Projektleiterin an der DZHK-Geschäftsstelle.

Daten mit weltweit einzigartiger Detailtiefe

Seit November 2020 hat die Plattform Daten und Proben von 4500 Personen aus drei Kohorten des Nationalen Pandemienetzwerkes (NAPKON) erfasst, einem der Projekte des NUM. Die Daten zeichnen sich durch eine besondere Detailtiefe aus. „Die in der Forschungsplattform gesammelten Daten und geplanten molekularen Untersuchungen werden uns ein einmalig detailliertes Bild der COVID-Erkrankung und ihrer Langzeitfolgen ermöglichen“, sagt Prof. Janne Vehreschild, der mit seinem Team an den Uniklinika Frankfurt und Köln NAPKON koordiniert. „Das wird uns erlauben, die Ursachen für schwere Verläufe und Folgeschäden noch genauer aufzuschlüsseln und uns Hinweise geben, wie wir unsere Patientinnen und Patienten besser schützen und behandeln können”. Über 60 Forschungsprojekte sind bereits beantragt bzw. angelaufen.

NUM betreibt Plattform nach DZHK-Vorbild weiter

In Zukunft werden die Infrastrukturpartner des DZHK die Corona-Daten nach dem Vorbild des DZHK unter Regie des NUM erfassen. „Dass wir die Blaupause für eine NUM-Forschungsplattform geliefert haben, sehen wir als Zeichen für Qualität und höchsten Standard. Mit unserer Plattform konnte die Datenerfassung schnell anlaufen. Jetzt freuen wir uns, unseren Fokus wieder ganz auf die Herz-Kreislauf-Forschung richten zu können.“, sagt DZHK-Vorstandssprecherin Prof. Stefanie Dimmeler.

Hintergrund

Die klinische Forschungsplattform des DZHK ermöglicht den deutschlandweiten Betrieb multizentrischer klinischer Studien und die nachhaltige Verwertung der Forschungsdaten und -proben. An der Plattform sind mehrere Infrastrukturpartner an unterschiedlichen DZHK-Standorten beteiligt: Die Datenhaltung- und Herausgabe erfolgt in Göttingen, das Bilddatenmanagement wird an der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der LMU Klinikum München koordiniert, das Bioprobendokumentationssystem wird von der Universitätsmedizin Greifswald verantwortet, die Ethik-Koordination erfolgt am Helmholtz Zentrum München. Eine unabhängige Treuhandstelle in Greifswald sorgt für die Pseudonymisierung der Daten und verwaltet die Patienten-Einwilligungen.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)