DE: Gute Pflegeteams für beste Versorgung

DBfK veröffentlicht 10-Punkte-Papier zum »Skill-Grade-Mix« im Krankenhaus

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Situation der beruflich Pflegenden verbessert. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) zeigt in einem 10-Punkte-Papier, was für die Qualifikationszusammensetzung zu beachten ist, um die pflegerische Versorgung in Zukunft zu verbessern.

„Die optimale Versorgung von Patientinnen und Patienten im Krankenhaus ist immer Teamarbeit“, sagt Dr. Sabine Berninger, Vizepräsidentin des DBfK. „Es ist dabei entscheidend, wie diese Teams zusammengesetzt sind, welche Fähigkeiten, Erfahrungen und welches Können die einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben. Die Frage nach dem sogenannten Skill-Grade-Mix ist für uns hochaktuell. Mit den neuen akademischen und beruflichen Ausbildungen, dem vermehrten Einsatz von spezialisierten Pflegefachpersonen, aber auch von Assistenzpersonal und den dringend notwendigen weiteren Maßnahmen, um den Beruf attraktiver zu machen, muss hier schnell gehandelt werden.“

Unter »Skill-Grade-Mix« wird die Mischung verschiedener beruflicher Qualifikationsniveaus (Grade) sowie Erfahrungen und Expertisen (Skills) in den Pflegeteams verstanden. Internationale Erfahrungen zeigen, dass die Versorgung durch sinnvoll gemischte Teams sicherer und besser wird. Dem DBfK zufolge müsse die Steuerung und Zusammenstellung der Teams unter wissenschaftlich begründeten Gesichtspunkten erfolgen. Pflegefachpersonen koordinieren die Versorgung der Patientinnen und Patienten in multiprofessionellen Teams. „In diesen Teams tragen alle Pflegenden mit ihren unterschiedlichen Kompetenzen zu einer guten pflegerischen Versorgung bei. Man erreicht mit der richtigen Mischung und insgesamt diesen Schritten eine höhere Professionalität in der pflegerischen Versorgung, die international längst Standard ist“, so Berninger.

Der DBfK fordert, dass bei der längst überfälligen Einführung eines wissenschaftlich gestützten Personalbemessungsinstruments auch der Skill-Grade-Mix berücksichtigt wird. „Fehlendes Personal unabhängig vom tatsächlichen Pflegebedarf und der Qualifikation der Pflegenden ersetzen zu wollen, führt zu Qualitätseinbußen und wird dem Fachkräftemangel auf Dauer nichts entgegensetzen“, konstatiert Berninger.


Die akutstationäre Versorgung wird sich zukünftig deutlich verändern. Dabei wird aus den verschiedensten Blickwinkeln diskutiert, wie eine qualitativ hochwertige und gleichzeitig wirtschaftliche Versorgung in den Krankenhäusern gestaltet und gewährleistet werden kann.

Zwischen den sich stetig weiterentwickelnden Möglichkeiten der Pflege und der Medizin, den zunehmenden und sich ändernden Anforderungen und Erwartungen an die Pflege- und Krankenhausleistung und den neuen Chancen der grundständigen und hochschulischen Pflegeausbildung einerseits sowie dem Mangel an Fachpersonal und steigenden Kosten andererseits müssen Lösungen gefunden werden.

Vor diesem Hintergrund ist es notwendig, den Qualifikationsmix für die pflegerische Versorgung der Patient:innen im Krankenhaus neu zu denken und sich vermehrt an international bestehenden Standards zu orientieren. Darin stimmen die meisten Fachleute überein und regen eine neue Gestaltung des Skill-Grade-Mix in Deutschland an. Der sogenannte Skill-Grade-Mix bezeichnet die Zusammensetzung von Pflegeteams aus Personen mit verschiedenen Fähigkeiten (Skills) und Bildungsabschlüssen (Grades).

Neben ökonomischen Überlegungen und dem Mangel an Fachpersonen ist vor allem die Qualitätssicherung der Versorgung von Patient:innen das leitende Argument zur Veränderung des Qualifikationsmix im Krankenhaus. Zahlreiche empirische Studien belegen statistisch signifikante Zusammenhänge zwischen der Anzahl und Qualifikation des Pflegepersonals und gesundheitsgefährdenden Komplikationen bis hin zur Mortalitätsrate. Spitzenpflege und Spitzenmedizin sind wechselseitig aufeinander angewiesen.

Eine Veränderung des Skill-Grade-Mix im Krankenhaus bietet die Chance einer weiteren Professionalisierung und qualitativen Entwicklung für die Pflege. Das Berufsprofil kann weiter geschärft werden, hin a) zu einer evidenzbasierten pflegerischen Versorgung, die sich b) sowohl am individuell ermittelten Unterstützungs- und Pflegebedarf des Einzelfalls orientiert c) als auch die verantwortliche Steuerung des Pflege- und Versorgungsprozesses sicherstellt.

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) formuliert die folgenden zehn grundsätzlichen Positionen zum Skill-Grade-Mix im Krankenhaus:

1. Personenzentriertheit ist Voraussetzung für das Patientenwohl Der Skill-Grade-Mix muss sich am Pflege-, Versorgungs- und Behandlungsbedarf der Patient:innen orientieren! Dazu muss eine Kultur der Personenzentrierung gelebt werden, die sich an der Lebenswelt der Patient:innen orientiert.

2. Steuerung des gesamten Versorgungsprozess durch die Profession Pflege Patient:innen wollen die bestmögliche Behandlung mit dem bestmöglich gestalteten Versorgungsprozess im Krankenhaus erhalten. Die Steuerung der interprofessionellen und interdisziplinären Versorgungsprozesse erfolgt am besten durch Pflegefachpersonen – denn sie sind dafür ausgebildet und rund um die Uhr präsent! Pflegefachpersonen auf unterschiedlichen Qualifikationsniveaus sind Garanten einer guten Versorgung.

3. Evidenzbasierte Instrumente sind Pflicht Die Ausstattung und die Zusammensetzung der Pflegeteams müssen auf evidenzbasierten Instrumenten und wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. Zwingend notwendig ist eine Personalbedarfsermittlung mit einer definierten Mindestpersonalausstattung, die die Anzahl und Qualifikation des benötigten Personals erfasst und eine entsprechende Personalbesetzung gesetzlich vorschreibt!

4. Sichere Finanzierung ist notwendig Die Anteile für hochschulisch ausgebildete Pflegefachpersonen bis hin zu den Pflegeassistenzpersonen und ihren pflegerischen Leistungen müssen auf Grundlage einer gesetzlich vorgeschriebenen Personalbedarfsermittlung dauerhaft und gesichert zu 100% finanziert sein!

5. Geschicke der Pflege gehören in der Hand der Pflegenden Die Verantwortung für die Aufgaben und Versorgungskonzepte, für entsprechende Finanzmittel und die Entwicklung des Skill-Grade-Mix müssen in der Hand des Pflegemanagements liegen. Dabei ist eine echte Partizipation der Beschäftigten Bedingung!

6. Zielplanung für den Anteil an hochschulisch qualifizierten Pflegefachpersonen Zur Sicherung und Weiterentwicklung der Patient:innenversorgung im interprofessionellen Team müssen hochschulisch qualifizierte Pflegende (Bachelor, Master und Promotion) flächendeckend – besonders in der direkten Versorgung von Patient:innen – in den Krankenhäusern eingesetzt werden! Der DBfK fordert eine Quote an hochschulisch qualifizierten Pflegenden von 30 % bis 2030. Die Umstellung der Fachweiterbildungen auf Bachelor-Abschlüsse und der Einsatz von Pflegeexpert:innen als APN sind Basis einer qualitativ hochwertigen und zielgerichteten Pflege.

7. Pflegeassistenz braucht gute Ausbildung und qualifizierte Praxisanleitung Zusätzlich zu dem vorhandenen Personal eingesetztes Pflegeassistenzpersonal muss auf einem ausreichenden Niveau qualifiziert werden. Dafür ist eine bundesweit einheitliche zweijährige Ausbildung notwendig. Zur Praxisanleitung und Begleitung von Pflegeassistenzpersonen und anders qualifiziertem Personal, wie beispielsweise Stationssekretär:innen, bedarf es qualifizierter Pflegefachpersonen!

8. Klare Aufgabenprofile für unterschiedlich qualifizierte Pflegende Zur Absicherung und Einsatzplanung müssen Aufgabenprofile und Tätigkeitsbeschreibungen für unterschiedlich qualifizierte Pflegende etabliert werden (von der Pflegeassistenz über weitergebildete bis hin zu hochschulisch qualifizierten Pflegefachpersonen)!

9. Koordination und Überwachung durch die Pflegeberufekammern Die Pflegeberufekammern müssen mit ihrem Knowhow, ihren Regelungsmechanismen (z.B. Berufsordnung oder Qualitätsvorgaben) und ihrer Infrastruktur die strukturierte und methodisch begründete Veränderung des Skill-Grade-Mixes begleiten und überwachen!

10. Pflegeforschung zum Skill-Grade-Mix ist auszubauen (Pflege-)forschung zum Thema Skill-Grade-Mix ist in Deutschland zu wenig vorhanden. Es braucht dringend mehr öffentliche Forschungsgelder, eine stärkere Vernetzung zwischen Hochschulen und Krankenhäusern sowie eine langfristig gesicherte Finanzierung für die Pflegeforschung!

Literatur

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Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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