DE: GKV-Spitzenverband argumentiert mit falschen Zahlen zum Pflegepersonal in Krankenhäusern

(C) Deutscher Pflegerat

Zu den erneuten Behauptungen maßgeblicher Vertreter des GKV-Spitzenverbandes, es gebe „12 Klinik-Pflegekräfte pro 1.000 Einwohner, im EU-Durchschnitt sind es nur gut acht“, stellt Franz Wagner, Präsident des Deutschen Pflegerats e.V., klar:

„Der GKV-Spitzenverband wirft eine irreführende Zahl in die Diskussion um die Personalausstattung in deutschen Krankenhäusern. Über die damit verbundene Absicht kann man nur spekulieren. Es soll anscheinend das gravierende Pflege-Personalproblem bagatellisiert werden. Die tagtäglich bis an ihre Grenzen arbeitenden Pflegekräfte haben mehr Seriosität verdient!

Zunächst einmal vertauscht der GKV-Spitzenverband fahrlässig Köpfe mit Stellen. Seine Berechnungen basieren auf der Anzahl der angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ohne diese in Vollzeitäquivalente umzurechnen. Eine solche Berechnung würde aus unserer Sicht lediglich ein Verhältnis von 4 Vollzeitkräften im Pflegedienst der Krankenhäuser pro 1.000 Einwohner ergeben. Ausschließlich eine Berechnung auf Vollkräfte ist aussagekräftig und verwertbar. Ein seriöser internationaler Vergleich zur Personalausstattung ist nur im Verhältnis Pflegefachperson (Vollzeit) zu Krankenhausbett möglich.

Die Berechnungsbasis des GKV-Spitzenverbandes ist weiter in Zweifel zu ziehen, da sie wohl alle in Deutschland tätigen Pflegekräfte einbezieht, anstatt nur die im Krankenhaus beschäftigten Pflegefachpersonen.

Der GKV-Spitzenverband täte gut daran, die Diskussion um die unzureichende Personalausstattung in deutschen Krankenhäusern nicht mit fehlerhaften Zahlen zu behindern. In den deutschen Krankenhäusern fehlen nach Schätzung des Deutschen Pflegerats 50.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege. Hierzu braucht es endlich Lösungen und keine Spiegelgefechte mit irreführenden Zahlen.“

Hintergrund:

Die Berechnung von 4 Vollzeitkräften im Pflegedienst der Krankenhäuser pro 1.000 Einwohner stammt von Prof. Dr. Michael Simon (i.R.), Hochschule Hannover, und greift auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes zurück (u. a. Fachserie 12, Reihe 6.1.1: Grunddaten der Krankenhäuser).

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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