DE: Forschen, Fördern, Umsetzen: DSG treibt seit 20 Jahren klinische Schlaganfall-Forschung und Weiterbildung voran

(C) waldemarus

In Deutschland erkranken jährlich rund 260.000 Menschen an einem Schlaganfall – oft mit gravierenden Folgen: Der Hirninfarkt ist der häufigste Grund einer im Erwachsenenalter erworbenen Behinderung. Der akute Schlaganfall ist jedoch seit den 1990er-Jahren hierzulande eine erfolgreich behandelbare Krankheit geworden – zum einen durch die Einrichtung von spezialisierten Spezialeinrichtungen, den Stroke Units, und zum anderen durch den Einsatz moderner Therapien wie Thrombolyse oder Thrombektomie. Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) hat seit ihrer Gründung vor zwanzig Jahren massiv zu der Errichtung dieser erfolgreichen Schlaganfallversorgung beitragen. Über die Meilensteine ihrer Aktivitäten berichten die Experten der Fachgesellschaft auf ihrer Online-Pressekonferenz am Dienstag, den 26. Oktober anlässlich des Weltschlaganfalltags (29. Oktober).

Vor fast zwanzig Jahren – am 19.12.2001 – haben unter anderem die Professoren Otto Busse, Erich Bernd Ringelstein und Werner Hacke unter dem Motto „Forschen, Fördern, Umsetzen“ die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) gegründet. „Unsere zentralen Ziele bestehen seitdem darin, die klinische Forschung und Weiterbildung in Deutschland im Bereich des Schlaganfalls zu fördern“, sagt Professor Dr. med. Helmuth Steinmetz, 1. Vorsitzender der DSG. „Zudem engagieren wir uns in der politischen Interessenvertretung, um der Erkrankung Schlaganfall in allen Bereichen der Gesundheitspolitik eine angemessene Bedeutung zu verschaffen.“

Zu der Haupttätigkeit der DSG gehört die Sicherstellung von qualitativ hochwertigen Schlaganfall-Spezialeinrichtungen – sogenannten Stroke-Units sowie deren Zertifizierung. Für die Qualität der mittlerweile mehr als 330 Stroke Units in Deutschland garantieren regelmäßige Zertifizierungen nach DSG-Kriterien. „Sowohl regionale und damit schnell erreichbare Stroke Units als auch überregionale Stroke Units, in denen aufwendigere Therapieoptionen verfügbar sind, sorgen für den Erfolg des deutschen Schlaganfallnetzwerkes“, berichtet Steinmetz. Mobile Stroke-Units – speziell ausgerüstete Rettungswagen – reduzieren mancherorts zudem inzwischen die Zeit bis zur ersten Behandlung um weitere 20 Minuten und verbessern so die Akutversorgung von Schlaganfallpatienten und damit deren Chancen noch einmal deutlich.

„Die DSG setzt sich auch für möglichst einheitliche Behandlungsstandards ein, um in Europa die Nachsorge der mehr als eine Million Schlaganfälle und 460.000 Sterbefälle jährlich zu verbessern“, ergänzt Steinmetz, Professor am Zentrum der Neurologie und Neurochirurgie des Klinikums der Goethe-Universität in Frankfurt. Bis zum Jahr 2030 wollen nationale und europäische Organisationen durch den Stroke Action Plan for Europe verbindliche Ziele für die Schlaganfall-Versorgung setzen und vor allem die Situation in Ost- und Südeuropa verbessern. In Deutschland sieht die DSG Verbesserungsmöglichkeiten in der Prävention und in der Nachsorge. Engere Untersuchungsintervalle durch Neurologen und der vermehrte Einsatz der seit 2017 tätigen Schlaganfall-Lotsen sollen die Nachsorge auf ein höheres Niveau heben. Schlaganfall-Lotsen haben eine therapeutische oder pflegerische Ausbildung und stehen Schlaganfallpatienten nach einem Schlaganfall zur Seite, um deren Lebensqualität zu verbessern und Komplikationen wie weitere Schlaganfälle zu verhindern.

Das Motto der DSG heißt nach wie vor „Forschen, Fördern, Umsetzen“. „Deshalb sind unsere weiteren Tätigkeitsschwerpunkte zum Beispiel die Entwicklung von Leitlinien – in Zusammenarbeit mit anderen Fachgesellschaften, wie mit der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), zur Diagnose und Therapie des Schlaganfalls. Mit diesen Leitlinien geben wir Medizinern bundesweit auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende Entscheidungshilfen an die Hand“, so Steinmetz. „Die DSG engagiert sich zudem stark in der Schlaganfall-Fortbildung für junge Ärztinnen und Ärzte und für Pflegende.“

Bei ihrer Online-Pressekonferenz zum Weltschlaganfalltag stellen die DSG-Experten zudem europaweite Initiativen, neue Leitlinien und modernste teleneurologische Therapien in der Akutversorgung von Schlaganfallpatienten vor.

Über Markus Golla 10105 Artikel
Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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