DE: DSG warnt: Vierte Corona-Welle gefährdet rechtzeitige Behandlung von Schlaganfallpatienten

Schlaganfall Stroke
(C) waldemarus

Zu wenig Betten auf Spezialstationen und zu spät eingesetzte Therapien führen zu Problemen in der Schlaganfallbehandlung

Berlin – Selbst schwer erkrankte Schlaganfall-Patienten können aufgrund der angespannten Situationen in Krankenhäusern momentan manchmal nicht adäquat behandelt werden – so die Einschätzung von Experten der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG). Teilweise werden sogar Betten auf Spezialstationen für Schlaganfälle – Stroke Units – für die Behandlung von COVID-19-Patienten zur Verfügung gestellt. Notwendige Schlaganfall-Therapien – etwa die Thrombektomie und die Lysetherapie – können manchmal nicht schnell genug durchgeführt werden. Die DSG warnt: Bei einem akuten Schlaganfall zählt jede einzelne Minute, denn je eher ein Schlaganfall-Patient behandelt wird, desto besser sind seine Überlebens- und Genesungschancen – also auch die Chance, einen Schlaganfall ohne Folgeschäden wie Behinderungen zu überleben.

Menschen mit einem Schlaganfall müssen so schnell wie möglich behandelt werden. Erst wenn das durch den Hirninfarkt verstopfte Blutgefäß im Gehirn durch Medikamente (Lyse) oder einen Katheter (Thrombektomie) wieder durchgängig gemacht worden ist, wird das Gehirn wieder ausreichend durchblutet. Bei Patienten, die zu lange auf die Therapie warten müssen, steigt wiederum das Risiko für Behinderungen. „Time is brain“ – jede verlorene Minute ist also fatal: „Eine einzige Sekunde Verzögerung zwischen Aufnahme des Patienten und Behandlungsbeginn kostet 2,2 Stunden gesunde Lebenszeit. Eine Stunde Verzögerung bis zur Wiedereröffnung des verstopften Gefäßes bedeutet in etwa den Verlust von einem Jahr gesunder Lebenszeit“, erklärt Professor Dr. Wolf-Rüdiger Schäbitz, Pressesprecher der DSG.

In jeder Sekunde nach einem Schlaganfall gehen 32.000 Nervenzellen (Neuronen) kaputt und 230 Millionen Verknüpfungen zwischen Nervenzellen (Synapsen) verloren; in einer Stunde sind es schon 120 Millionen Neuronen und 830 Billionen Synapsen. Wie eine Untersuchung in Großbritannien ergeben hat, ging es Schlaganfallpatienten, die während der ersten Welle der Pandemie ins Krankenhaus eingeliefert worden waren, im Vergleich zu Schlaganfallpatienten vor der Coronapandemie nach 30 Tagen in jeder Hinsicht schlechter. Demzufolge scheint die Sterblichkeit von Schlaganfall-Patienten im Krankenhaus während der Pandemie also erhöht zu sein.

„Menschen, die schon einmal einen Schlaganfall erlitten haben, gehören zu den Risikogruppen bei einer Coronainfektion“, warnt Schäbitz vom Evangelischen Klinikum Bethel. „Oft haben sie einen besonders schweren Krankheitsverlauf.“ Außerdem erhöht die Infektion mit COVID-19 internationalen Studien zufolge das Risiko für einen Schlaganfall, weil die Blutgerinnung durch die Virusinfektion aktiviert wird.

„Deshalb ist eine Impfung – auch die Booster-Impfung – für Menschen mit einem erlittenen Schlaganfall dringend notwendig und möglicherweise lebensrettend“, betont Professor Dr. Helmuth Steinmetz, der 1. Vorsitzende der DSG. „Sie haben wegen des Schlaganfalls selbst in der Regel kein erhöhtes Risiko für Impfnebenwirkungen.“ Die DSG rät noch einmal nachdrücklich allen Menschen und besonders Schlaganfall-Patienten, sich gegen COVID-19 impfen zu lassen.

Quellen:
The impact of the UK COVID‑19 pandemic on patient‑reported health
outcomes after stroke: a retrospective sequential comparison; 2020 American Neurological Association, Aristeidis H. Katsanos et. Al; https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34652502/

Changes in Stroke Hospital Care During the COVID-19 Pandemic, A Systematic Review and Meta-Analysis; Stroke. 2021;52:3651–3660. Aristeidis H. Katsanos et. al; https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/STROKEAHA.121.034601

The Impact of SARS-CoV-2 on Stroke Epidemiology and Care: A Meta-Analys;
Journal of Neurology, Hatice Ozkan et. Al; https://doi.org/10.1007/s00415-021-10819-9

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)