DE: Drängender Reformbedarf für die Krankenhäuser

(C) DBfK

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) sieht in den heute veröffentlichten Ergebnissen des Krankenhaus-Report 2018 „Bedarf und Bedarfsgerechtigkeit“ einerseits den drängenden Reformbedarf der Krankenhäuser, andererseits aber auch einige Lösungsansätze abgebildet. „Noch immer leisten wir uns im deutschen Gesundheitssystem teure Doppelstrukturen, die ökonomiegeleiteten Anreize zur Fehl- und Überversorgung in den Kliniken sind unverändert stark, Strukturreformen der Krankenhauslandschaft werden nicht oder nur halbherzig angegangen, oft ausgebremst. In Deutschland wurden 2016 knapp 93 Milliarden Euro für die Krankenhausversorgung ausgegeben, das ist im europäischen Vergleich Spitze. Die Outcomes dagegen und das Versorgungsniveau sind allenfalls Mittelmaß. Wie ist das den Versicherten, den Patientinnen und Patienten gegenüber noch zu rechtfertigen?“ fragt DBfK-Sprecherin Johanna Knüppel. „Das Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) ist seit mehr als zwei Jahren in Kraft. Es sollte die Qualität der Krankenhausversorgung verbessern und die Pflege auf den Stationen verstärken. Beide Effekte sind bisher nicht erkennbar eingetreten, ganz im Gegenteil. Die Pflege in den Krankenhäusern kollabiert, die Situation ist dramatisch. Für ein Abwarten ist einfach keine Zeit mehr, es darf nicht wieder einmal nur bei Ankündigungen bleiben. Wir fordern die zuständigen Ministerien in Bund und Ländern auf, endlich ernst zu machen mit ihren Ansagen, die professionelle Pflege stärken zu wollen. Politiker werden nicht an ihren Sonntagsreden, sondern an ihren Strategien und den Effekten der Umsetzung gemessen. Bei der Pflege im Krankenhaus gibt es da enormen Nachholbedarf!“

Krankenhausökonomen betrachten Pflege in erster Linie als Kosten-, nicht als Wertschöpfungsfaktor. Wie falsch das ist, wissen betroffene Patienten am besten, sie erleben es Tag für Tag. Der gut gemachte Eingriff reicht nicht. Kein Patient hat etwas davon, einen technisch hochgerüsteten Bettplatz zu haben, aber pflegerisch unversorgt zu sein. Pflege ist in den Krankenhäusern ein wesentlicher Teil des Behandlungsprozesses, kein Nice-to-have, solange das Geld reicht! Die DRG-Kalkulation sieht derzeit jährlich einen Anteil von ca. 18 Milliarden Euro für Pflege in den Kliniken vor. Viel davon kommt bei der Pflege allerdings nicht an. Wo bleibt das Geld? Für Pflege bestimmte Geldmittel der Krankenhäuser müssen künftig zwingend auch in die Pflege fließen, es muss strikte Nachweispflichten geben, die das sicherstellen. Der Fokus der Krankenhausversorgung muss grundsätzlich auf Qualität, Ergebnisse und Nachhaltigkeit gelegt werden – betrachtet und gemessen aus der Patientenperspektive. Damit bekommt die Pflege wieder den Stellenwert, der ihr gebührt und den kranke und pflegebedürftige Menschen erwarten können und brauchen.

Die deutsche Krankenhaus-Landschaft gehört auf den Prüfstand, das Bett als alleinige Planungsgrundlage reicht bei weitem nicht mehr aus. Wir brauchen einen qualitätsorientierten Umbau der Krankenhausstrukturen. Wir brauchen Gesamtversorgungskonzepte für Regionen, hier muss innovativ, sektorenübergreifend und interprofessionell gedacht und geplant werden. Strukturveränderungen sind in erster Linie eine Chance, die genutzt werden muss. Dazu sind auf allen Ebenen politischer Mut, Kraft und auch eine gewisse Konfliktbereitschaft nötig, um die dringend erforderlichen Veränderungen auch umzusetzen.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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