DE: Diskussion um Corona-Bonuszahlungen ist eine Farce!

Kostenträger entziehen sich ihrer Verantwortung bei Finanzierung der Sonderprämien – Strukturdiskussion im Gesundheitswesen notwendiger denn je

Landespflegekammer Markus Mai

„Die Diskussion über die Finanzierung der Corona-Sonderprämien für Pflegefachpersonen ist aus unserer Sicht eine Farce! Wir betrachten es als reinen Zynismus, wenn man auf der einen Seite mehr Wertschätzung verspricht und sich auf der anderen nicht mal auf einen Minimalkonsens verständigen kann. Gerade in Pandemiezeiten kommt es zu einer Überlastung des Pflegepersonals. Dies muss dementsprechend honoriert werden, will man nicht noch weitere Pflegefachpersonen nachhaltig demotivieren. Wer sich noch immer über die Finanzierung der ohnehin schon viel zu niedrigen Prämien streitet, bewirkt da-mit jedoch das genaue Gegenteil. Das ist nichts anderes als ein Armutszeugnis! Bereits während als auch nach der Krise muss zwingend über neue Entscheidungsstrukturen in unserem Gesundheitswesen nachgedacht werden. Insbesondere die Parität zwischen Kostenträgern und Leistungsträgern muss zugunsten weiterer Interessenlagen deutlich infrage gestellt werden. Letztlich ist es uns gleich, wer die erforderlichen Mittel zur Verfügung stellt. Es liegt jetzt wieder bei der Politik, die Versäum-nisse sogenannter Kooperationspartner auszubaden. Darauf bauen wir!“, so Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflege-kammer Rheinland-Pfalz.

„Vor einigen Wochen haben wir bereits angemerkt, dass eine einmalige Prämienauszahlung in Höhe von 1.500 Euro bei weitem nicht ausreichend ist. Wir fordern daher die verantwortlichen Akteure dazu auf, sich schnellstmöglich auf einen monatlichen Belastungs- und Risikobonus von jeweils 500 Euro zu einigen. Die Arbeitsbelastung während der Coronakrise erstreckt sich eben nicht nur über einen Monat. Daher plädieren wir für eine nachhaltige Refinanzierung, durch die nicht jeden Monat aufs Neuste über mögliche Bonuszahlungen diskutiert werden muss. Basis einer besseren Vergütung bleibt weiterhin ein monatliches Mindestgehalt von 4.000 Euro für vollzeitbeschäftigte Pflegefachpersonen. Nur so können wir sicherstellen, dass die Berufsgruppe in Zukunft nicht weiter ausdünnt und weitere Diskussionen über viel zu niedrige (Mindest-)Löhne überflüssig werden“, sagt Mai.

Hintergrund: Mittlerweile wurden in allen Bundesländern umfangreiche Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung und der Verlangsamung der Ausbreitung des neuartigen Corona-Virus getroffen. Die Zahl der in Rheinland-Pfalz bestätigten Fälle ist mittlerweile auf 5.643 (Stand: 23.04.) gestiegen.

Die Landespflegekammer steht in engem und ständigen Austausch mit sämtlichen relevanten Stellen und Behörden zur aktuellen Lage. Das gemeinsame Ziel aller Anstrengungen ist es, die aktuelle Lage laufend zu bewerten und Maßnahmen zu treffen, die die adäquate Versorgung im Gesundheitswesen kurz-, mittel- und langfristig sicherstellen.

Als Pflegekammer Rheinland-Pfalz haben wir eine Task-Force einberufen, die insbesondere die Situation in den Pflegesettings laufend analysiert und Maßnahmen mit den Partnern in Rheinland-Pfalz und auf der Bundesebene abstimmt. Schwerpunkte sind derzeit die Versorgungslage innerhalb des Gesundheitswesens, Sonder-Qualifizierungsmaßnahmen für Pflegefachpersonen und die Sicherstellung der personellen Ressourcen in der pflegerischen Versorgung.

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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