DE: Diskussion über Impfpflicht unangemessen

Aufklärung statt Zwang notwendig zur Erhöhung der Impfbereitschaft

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder fordert, der deutsche Ethikrat solle eine Impfpflicht für bestimmte Gruppen prüfen. Es müsse überlegt werden, wie der Schutz für die „besonders hochsensiblen Bereiche wie die Alten- und Pflegeheime“ erhöht werden müsse, sagte er heute Morgen im ZDF. Dazu Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz: 

„Die Diskussion über eine mögliche Impfpflicht für beruflich Pflegende finde ich unangemessen. Sie verunsichert und spaltet unsere Berufsgruppe nur, statt die Bereitschaft zur freiwilligen Impfung zu erhöhen. Außerdem fehlen eindeutige Belege für die angeblich zu geringe Impfbereitschaft, sodass dieser Vorwurf eher populistisch rüberkommt. Pflegefachpersonen sind sich ihrer Verantwortung durchaus bewusst. Ich bin mir sicher, dass sie sich weitgehend impfen lassen, wenn sie ausreichend informiert und aufgeklärt werden, falls dies noch nicht geschehen ist. Eine Impfpflicht ins Spiel zu bringen ist eher schädlich für die oft politisch propagierte Aufwertung des Pflegeberufs.“

„Das heißt selbstverständlich nicht, dass unsere Berufsgruppe keinen Beitrag leisten muss. Ich wünsche mir, dass das Pflegepersonal in Einrichtungen und Kliniken ihrer Verantwortung nachkommt und sich, sofern gesundheitliche Aspekte nicht im Wege stehen, impfen lässt. Parallel muss zeitnah ausreichend Impfstoff für Pflegefachpersonen zur Verfügung gestellt werden und ein möglichst barrierefreier Zugang bestehen“, so Mai.

Hintergrund: Mittlerweile wurden in allen Bundesländern umfangreiche Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung und der Verlangsamung der Ausbreitung des neuartigen Corona-Virus getroffen. Die Zahl der in Rheinland-Pfalz bestätigten Fälle ist mittlerweile auf 80.449 (Stand: 12. Januar 2021) gestiegen.

Die Landespflegekammer steht in engem und ständigen Austausch mit sämtlichen relevanten Stellen und Behörden zur aktuellen Lage. Das gemeinsame Ziel aller Anstrengungen ist es, die aktuelle Lage laufend zu bewerten und Maßnahmen zu treffen, die die adäquate Versorgung im Gesundheitswesen kurz-, mittel- und langfristig sicherstellen.

Als Pflegekammer Rheinland-Pfalz haben wir eine Task-Force einberufen, die insbesondere die Situation in den Pflegesettings laufend analysiert und Maßnahmen mit den Partnern in Rheinland-Pfalz und auf der Bundesebene abstimmt. Schwerpunkte sind derzeit die Versorgungslage innerhalb des Gesundheitswesens, Sonder-Qualifizierungsmaßnahmen für Pflegefachpersonen und die Sicherstellung der personellen Ressourcen in der pflegerischen Versorgung.

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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