DE: Die Säulen des Pflegesystems brauchen nachhaltige Stabilisierung

Prof. Christel Bienstein

Dass seit 25 Jahren das Risiko von Pflegebedürftigkeit durch einen Zweig des Sozialversicherungssystems, die solidarische Pflegeversicherung, zumindest teilweise abgefedert wird, ist wichtig. Dass jetzt auch ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff zugrunde gelegt wird und Leistungen gerechter vergibt an die Menschen, die sie benötigen, war ebenfalls ein richtiger Schritt. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) weist darauf hin, dass das deutsche Pflegesystem inzwischen aber an Grenzen stößt. „Zentrale Säulen, die das System tragen, sind zunehmend brüchig geworden. Es wird Zeit für eine grundlegende Reform der Pflege, damit die sich abzeichnenden Herausforderungen der kommenden Jahre und Jahrzehnte bewältigt werden können“, erklärt DBfK-Präsidentin Prof. Christel Bienstein. „Unser Ziel muss sein, das Pflegesystem zu stabilisieren und so aufzustellen, dass es die jüngeren Generationen nicht überfordert und Menschen sich im Alter und bei Pflegebedarf gut versorgt wissen“, so Bienstein.

Reformbedarf zur nachhaltigen Stabilisierung besteht nach Ansicht des DBfK in etlichen zentralen Aspekten der Pflege, z.B. bei:

–     Finanzierung,

–     Verlässlichkeit,

–     Qualitätsniveau,

–     Bedarfsorientierung,

–     Personalbemessung, insbesondere des Pflegefachpersonals,

–     Qualifizierung des Pflegepersonals,

–     Leistungs- und Kostentransparenz,

–     Infrastruktur (Angebote der Kurzzeit- und Tagespflege)

–     Bedarfsgerechte aufsuchende Beratung,

–     Generationen- und Geschlechtergerechtigkeit,

–     Verteilung der Kosten zwischen Steuerzahlern, Beitragszahlern und Betroffenen,

–     Anreize, die Über-, Unter- und Fehlversorgung verhindern,

–     Effizienz durch Überwinden der Sektorentrennung usw.

Im geltenden Koalitionsvertrag hat die Bundesregierung versprochen: „Wir werden sicherstellen, dass alle auch zukünftig eine gute, flächendeckende medizinische und pflegerische Versorgung von Beginn bis zum Ende ihres Lebens erhalten, unabhängig von ihrem Einkommen und Wohnort.“ Damit das gelingt, müssen jetzt die Weichen richtig gestellt und eine gesellschaftliche Diskussion zur Zukunft der Pflege angestoßen werden.

Markus Golla
Über Markus Golla 5892 Artikel
Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Studiengangsleitung (FH) und Vortragender im Bereich Gesundheits- und Krankenpflege, Kommunikation & Projektmanagement, Pflegewissenschaft BScN (Absolvent UMIT/Wien), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Masterstudent Pflegewissenschaft (UMIT/Hall)

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