DE: Die Rückkehr zum Autor*innenverlag

Neue Wege für den Psychiatrie Verla

(C) Goffkein

Der Psychiatrie Verlag stellt sich nach einem Gesellschafterwechsel in der Tradition der Autor*innenverlage neu auf. Mit seinem sozialpsychiatrischen, engagierten und politischen Programm ist er seit mittlerweile 42 Jahren eine feste Größe unter den kleinen, unabhängigen medizinischen Fachverlagen und hat nun den Weg für die Weiterentwicklung und Fortführung geebnet.

Im Frühjahr 2019 kündigte Mehrheitsgesellschafter Dieter Bergemann an, sich aus Altersgründen zurückzuziehen und seine Anteile verkaufen zu wollen. Doch wer wäre bereit, in diesen Zeiten in einen Verlag zu investieren? Ein gutes Programm ist keine Garantie für schwarze Zahlen – und die inhaltliche Ausrichtung des Psychiatrie Verlags ist seit der Gründung unantastbar.

Dank guter Kontakte zu Verbänden und den Autor*innen gelang es jedoch innerhalb weniger Monate, dreizehn neue Gesellschafter*innen zu finden, die an die Tradition der »Autorenverlage« denken lassen: Gesellschafter*innen sind neben drei Institutionen ein Verlag, eine Stiftung und zehn Persönlichkeiten, die mit dem Verlag seit vielen Jahren eng verbunden sind und von denen etliche eine bedeutende Rolle in der psychiatrischen Versorgung spielen.

Das Team des Verlages freut sich und ist dankbar, dass sich in einer Zeit, in der neben der Branchenskepsis die existenzielle gesellschaftliche Krise der Pandemie zu beklagen ist, Solidarität zeigt und damit ein Verlagsprogramm Fortbestand hat, das denjenigen verpflichtet ist, für die es gemacht ist – für Menschen, die unter den Folgen psychischer Erkrankung und Stigmatisierung leiden, und solche, die für ihre Unterstützung arbeiten.

Der Psychiatrie Verlag entstand 1978 im Zusammenhang mit der Psychiatriereform: Um sozialpsychiatrischer Fachliteratur eine verlegerische Heimat zu geben, gründeten die Autor*innen der ersten Stunde – u.a. Klaus Dörner, Ursula Plog, Asmus Finzen und Hilde Schädle-Deininger – den Verlag zunächst als Integrationsfirma. Gesellschafter waren bis 2011 ausschließlich Verbände der sozialen Psychiatrie und der Selbsthilfe. 2011 stieg im Zuge einer Kapitalerhöhung die Schattauer GmbH als weiterer Gesellschafter ein und übernahm wenig später weitere Anteile. Der Psychiatrie Verlag konnte in dieser Konstellation sein Programm deutlich ausweiten, professionalisieren und den Umsatz seither um nahezu 50% steigern. Nach dem Verkauf Schattauers an Thieme Ende 2016 verblieb der Psychiatrie Verlag bei der Bergemann Verlag GmbH & Co. KG.

Autor:in

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    Christoph Müller, psychiatrisch Pflegender, Fachautor, Mitglied Team "Pflege Professionell", Redakteur "Psychiatrische Pflege" (Hogrefe-Verlag) cmueller@pflege-professionell.at

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