DE: Die professionelle Pflege fordert glaubwürdige politische Zusagen!

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Die professionell Pflegenden in Deutschland fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. Die detaillierten Umfrageergebnisse des Care-Klima-Index 2017, die heute in Berlin vorgestellt wurden, sprechen eine sehr deutliche Sprache. „Leider haben die politisch Verantwortlichen die Belange der beruflich Pflegenden seit vielen Jahren sträflich vernachlässigt. Lange hat man Pflege politisch fast vollständig zur Nebensache erklärt – wohl in der Erwartung, irgendwie werde es trotzdem funktionieren“, sagt Johanna Knüppel, Sprecherin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK). „Eine künftige Regierung, die es ernst meint mit ihrer Verantwortung für die Zukunft der Pflege im Land und die den deutschen Pflegenotstand beheben will, muss zuallererst um das Vertrauen der beruflich Pflegenden werben. Das wurde gründlich verspielt in den zurückliegenden Jahren. Ohne die professionelle Pflege werden alle Strategien ins Leere laufen. Gemeinsam mit den Interessenvertretern der Pflegeberufe muss die Politik Lösungswege einschlagen, die weit über das hinausgehen, wovon bisher auch nur die Rede war. Verpflichtende Pflegepersonaluntergrenzen in allen bettenführenden Bereichen, erhebliche Investitionen in Pflegefachpersonalkapazität und moderne Berufsbildung auf europäischem Niveau sind da nur ein erster Anfang! Wir brauchen in Deutschland ein neues Denken und weitreichende Reformen in der Gestaltung von Gesundheitsversorgung. Es gilt, andere und komplexere Anforderungen zu erfüllen als in der Vergangenheit. Das gelingt nur, wenn die herkömmlichen Strukturen auf den Prüfstand kommen und innovative Konzepte eine Chance erhalten. Die Pflegeberufe erwarten, dass ihr Potenzial sinnvoller genutzt wird als bisher, und dass die Leistung und Kompetenz, die sie zum Gesamtgeschehen beitragen, anerkannt und respektiert werden.“

In der vergangenen Legislaturperiode wurden zwar Reformen eingeleitet, aber eher halbherzig oder mit überlangen Übergangszeiten. Von einer immer wieder versprochenen Verbesserung ihrer seit langem hochbelastenden Arbeitsbedingungen haben die Pflegenden bislang nichts gesehen. Und wenn jetzt als Ergebnis der Sondierungsgespräche „sofortige und spürbare Verbesserungen der Arbeitsbedingungen“, „Sofortmaßnahmen für eine bessere Personalausstattung“, „Förderung zusätzlicher Stellen“, „Tarifgehälter in der Altenpflege“ und „eine bessere Gesundheitsvorsorge für die Beschäftigten“ in Aussicht gestellt werden, sorgt das allenfalls für sarkastische Kommentare in der Berufsgruppe. Die Reaktion der Pflegenden auf solch abgenutzte Versprechen ist bezeichnend und in den sozialen Medien nachzulesen. In Koalitionsverhandlungen müsste ganz erheblich nachgelegt werden!

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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