DE: Deutscher Pflegerat: Das Signal der Pflege-Mindestlohnkommission ist zu schwach

Zum Beschluss der Pflege-Mindestlohnkommission, den Pflege-Mindestlohn anzuheben, Ost und West zu vereinheitlichen und nach Qualifikationsstufen zu staffeln, erklärt Christine Vogler, Vize-Präsidentin des Deutschen Pflegerats e.V. (DPR):

„Die Mindestlohngrenzen dürfen keine Lohnstandards sein. Sie können auch keine Maßgabe für Tarifvereinbarungen sein. Problematisch ist, dass die Berufe in der Pflege durch Mindestlöhne mit einem bestimmten Wert und einem bestimmten Lohnniveau in Verbindung gebracht werden. Die Unterschiede beim Mindestlohn zwischen Ost-West hätten schon seit langem abgeschafft gehört.

Das Signal an die Bevölkerung, das von den Mindestlöhnen für die Pflegefachfrauen und -männer ausgeht, ist zu schwach und lädt angesichts der begrenzten Höhe der Löhne kaum dazu ein, einen Pflegeberuf zu ergreifen.

Der Unterschied im Mindestlohn zwischen Pflegefachpersonen und qualifizierten Pflegehilfskräften von 2,50 Euro pro Stunde sowie zwischen qualifizierten Pflegehilfskräften zu Pflegehilfskräften von 1,15 Euro pro Stunde ist unangemessen. Diese geringfügigen Differenzen werden kaum dazu führen, sich für eine examinierte Ausbildung zu entscheiden.

Benötigt werden Lohnhöhen, die Familien tatsächlich ernähren können und dem anspruchsvollen Profil der Pflegeberufe gerecht werden. Mindestlöhne können dies kaum erreichen.

Die ungleiche Bezahlung zwischen der ambulanten und stationären Langzeitpflege sowie die der Akutversorgung im Krankenhaus muss aufgehoben werden. Im Bereich der Vergütung in den Kliniken sind wir bereits bei einem Durchschnittswert von rund 19 Euro pro Stunde.

Die Steigerungen der Mindestlohngrenzen dürfen nicht zu einer Erhöhung der Kosten für die Pflegebedürftigen und deren Angehörigen im Bereich der Pflegeversicherung führen. Benötigt werden daher im Vergleich zu heute andere Finanzierungsformen, die eine vollständige Refinanzierung der Kosten gewährleisten.“

Markus Golla
Über Markus Golla 5604 Artikel
Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Studiengangsleitung (FH) und Vortragender im Bereich Gesundheits- und Krankenpflege, Kommunikation & Projektmanagement, Pflegewissenschaft BScN (Absolvent UMIT/Wien), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Masterstudent Pflegewissenschaft (UMIT/Hall)

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