DE: Deutsche Fachgesellschaft Psychiatrische Pflege (DFPP) feiert 10-jähriges Bestehen

7. Oktober 2022 | News Deutschland, Psyche | 0 Kommentare

Am 28.+29. September 2022 veranstaltete die DFPP in Berlin eine Jubiläumstagung unter dem Motto „Psychiatrische Pflege – Handwerk, Kunst und Expertise“. Die ehrenden und wertschätzenden Grußworte (u.a. von Dr. Iris Hauth für die DGPPN und Dr. Thomas Götz, Staatssekretär für Gesundheit und Pflege in der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit, Pflege und Gleichstellung im Land Berlin), betonten die hohe Bedeutung sowohl guter psychiatrischer Pflege als Hilfeangebot wie auch der Fachgesellschaft. Die erste Präsidentin der DFPP, Ruth Ahrens, und die amtierende Präsidentin, Dorothea Sauter, zeigten die beeindruckenden Entwicklungswege, Aktivitäten und Erfolge der jungen Fachgesellschaft auf.

Die Pflegewissenschaftlerinnen Prof. Dr. Gabriele Meyer, Dr. Susanne Schoppmann, Prof. Dr. Sabine Hahn, der Psychiater Dr. Stefan Weinmann und andere renommierte Referentinnen und Referenten boten den 150 Teilnehmenden Impulse, um die wissenschaftlichfundierte und sich menschlich sorgende professionelle Pflege zu reflektieren. Sehr hohen Anklang fand der Beitrag von Dr. Elke Prestin, die aus der Sicht der Betroffenen die Pflegefachpersonen ermutigte, im multiprofessionellen Hilfemix gerade die pflegespezifischen Perspektiven und Hilfen mehr zu betonen. Schließlich sind diese aus Sicht der Betroffenen dringend nötig.

Zugleich verdeutlichten alle Beiträge, wie stark Anspruch und Wirklichkeit der professionellen Pflege auseinanderklaffen. Der eklatante Mangel an wissenschaftlichen und Forschungsaktivitäten der Pflege sowie die kaum vorhandene Akademisierungsquote der Pflegepraktiker erschweren die qualitative hochwertige, evidencebasierte Pflege. Offenbar wird von Entscheidungsträgern in Gesundheitsversorgung und Politik nicht verstanden, dass das Hilfehandeln gerade in (meist hochvulnerablen) Pflegesituationen Qualität und Fachlichkeit und ausreichende Ressourcen erfordert. Dass gerade in einem der teuersten Gesundheitssysteme der Welt die professionelle Pflege hinsichtlich Wissenschaftlichkeit, Kompetenzen und Ressourcenzuteilung international nicht im Ansatz anschlussfähig ist, treibt vor allem qualifizierte Pflegefachpersonen aus dem Beruf oder ins Ausland. Offenbar werden weder die Notwendigkeit von Qualifizierung und Akademisierung noch das hohe Potenzial der Pflege für die Verbesserung der Versorgung angemessen eingeschätzt. Präsidentin Dorothea Sauter folgert daraus, dass die DFPP auch weiterhin neben pflegefachlichen Fragen die versorgungspolitischen Forderungen mit hoher Dringlichkeit fokussieren muss.

Ein sehr schöner und bewegender Höhepunkt der Tagung war die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an Dr. Elke Prestin und die Laudatio von Prof. Dr. Michael Schulz. Der Vorstand dankte ihr für ihre langjährige Mitwirkung in der DFPP; denn nur in Zusammenarbeit mit Betroffenen kann eine Fachgesellschaft ihr Handeln an deren Belangen orientieren.

Autor:in

  • Markus Golla

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)